Früheste Siedlungsstruktur in Eberstadt (und was persönliches zu Beginn)

Ich dachte, ich müsste mal wieder was in den Blog schreiben ;-), ich habe dabei allerdings zwei Probleme.

Das vergangene Jahr war etwas schwierig für mich, da ich mich beruflich neu orientieren musste – und streng genommen immer noch muss. Wegen meines eher krummen Lebenslaufs war ich gezwungen, mich anderweitig als bisher zu qualifizieren, was ich jetzt am 17.1. dann auch endlich abgeschlossen habe. Aktuell bin ich jetzt auf Stellensuche und warte auf Antworten auf Bewerbungen, so dass ich momentan endlich mal wieder etwas Zeit habe. Das kann sich aber – je nach dem, wie es weitergeht – auch schnell wieder ändern.
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Überlegungen zur Wildhube

Das Dreieicher Weistum von 1338 erwähnt die im Wildbann Dreieich befindlichen Wildhuben. Von vielen dieser Wildhuben wird angenommen, dass sie die Keimzellen der Orte gewesen sind, die ihren Namen tragen, darunter auch Darmstadt, das nach einem Darmund benannt sein soll, der der erste Wildhübner des Ortes gewesen wäre. Die Wildhube soll am Standort des Schlosses gestanden haben. Damit wäre Darmstadt zur Versorgung der Wildhube entstanden. Gelegentlich ist auch zu lesen, dass die frühen Einwohner der südhessischen Orte Bedienstete der jeweiligen Wildhübner gewesen wären.

Ich halte diese Idee für nicht sehr überzeugend. Zu viele Dinge passen da nicht zusammen. Schon die uneinheitliche Benennung der Huben spricht eher dafür, dass diese Ortsnamen vor der Einrichtung der Huben existierten und die Huben nach den Orten benannt wurden, nicht umgekehrt. In Darmstadt wird die Wildhube als noch existierend erwähnt in einer Zeit, als am Standort des Schlosses bereits eine Wasserburg stand, also keine Wildhube.

Ich vermute den Standort der Wildhube eher in Kranichstein. 1399 wird dort das Einsiedel-Rod erwähnt, aus dem sich danach in knapp 200 Jahren das heutige Jagdschloss Kranichstein entwickelte. Im Gegensatz zum Darmstädter Schloss ist dadurch eine konstante Nutzung für den Jagdbetrieb, also der Hauptaufgabe der Wildhuben, zumindest bis ins 14. Jahrhundert zurück nachweisbar.

Zwei Dinge, die diese Auffassung stützen könnten, sind mir nun aufgefallen.

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Darmund & seine Freunde – Tiere, Sachen und Personen – Überlegungen zu Ortsnamen in Hessen

…ich hab mal versucht, ein paar Überlegungen zusammenzufassen. Ist mir allerdings nur bedingt gelungen, es holpert an einigen Stellen noch ziemlich. So ganz bekomme ich meine Gedanken noch nicht zu einer schlüssigen Argumentation zusammen. Es ist also eher das Zwischenergebnis des Findungsprozesses einer Argumentation, der sicher noch einige Jahre andauern wird… 

Nachdem ich nach langem Suchen endlich einen Beleg dafür gefunden habe, dass es den Namen Darmund, der angebliche Name des Ortsgründers von Darmstadt, bei den Franken bereits im Frühmittelalter gegeben hat, stellt sich nun natürlich die Frage, ob diese Hypothese doch richtig ist, Darmstadt also von einem Franken namens Darmund gegründet wurde.

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Im Norden Frankreichs hat er sich versteckt…

Okay, irgendwie hat es mir keine Ruhe gelassen. Ich habe wirklich Dutzende von Veröffentlichungen gelesen, die einen Darmund als Ortsgründer Darmstadts angeben, aber keine, wirklich gar keine davon belegt, dass es diesen Namen überhaupt gegeben hat. Einige sagen sogar ausdrücklich, dass der Name nur im Ortsnamen Darmstadt nachweisbar wäre! Auch die Nachschlagewerte bzgl. althochdeutscher Personennamen führen keinen Darmund oder ähnlichen Namen auf, es sei denn mit Bezug auf den Ortsnamen Darmstadt, also als Rekonstruktion, nicht als Beleg.

Der Punkt, an dem man sich zu viel mit so was beschäftigt, ist wohl gekommen, wenn man die Gegenargumente zu den eigenen Thesen selbst finden muss. Hat zugegebenermaßen ein bisschen was von einem Selbstgespräch. Nach langem Suchen habe ich jetzt aber ein Dokument gefunden, das einen „Darmundus“ für das Jahr 708 belegt. Dieser scheint damals im Norden des heutigen Frankreichs erheblichen Grundbesitz gehabt zu haben, im Kerngebiet der Franken also. Da der Mann da nicht erst 8 Jahre alt gewesen sein wird, gab es den Namen spätestens im 7. Jahrhundert bei den Franken.

Bleibt aber das Problem, dass das -stat-Suffix gar nicht fränkisch zu sein scheint, und dass unser „Darmundus“ im eher galloromanischen Sprachraum gelebt hat. Der Wildhübner bleibt in jedem Fall Blödsinn.

*Daru-munðaż

Heinrich Tischner, der sich schon seit vielen Jahren intensiv mit den Ortsnamen in Südhessen auseinandersetzt, hat seine durchaus originelle Erklärung für den Ortsnamen Darmstadt als Stätte am Eichenberg jetzt verworfen und nimmt nun ebenfalls einen Personennamen an: *Daru-munðaż (link), was im Prinzip Darmund entspricht.
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Stadtlexikon Online

Dass das gemacht werden soll, war schon seit längerem immer mal wieder zu hören, jetzt ist es soweit: das Stadtlexikon Darmstadt gibt es in einer kostenlose Onlineversion: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de. Die gedruckte Fassung war mit 50,- € auch viel zu teuer, so dass die Online-Veröffentlichung sehr zu begrüßen ist.

In der Onlinefassung zeigt sich aber auch, wie sehr sich die Zeiten mit dem Internet geändert haben. Die Printfassung war ein ziemlicher Wälzer, der sich im Regal gut gemacht hat und der auch als Geschenk sicher häufig genutzt wurde. In der Onlinefassung zeigt sich schnell, wie limitiert eine solche Veröffentlichung bzgl. des Umfangs ist. Viele Artikel sind zu kurz und oberflächig.

Den ersten Artikel, mit dem ich nicht einverstanden bin, hab ich dann auch gleich gefunden. Kenner dieses Blogs werden schon erahnen, dass es sich um den Ortsnamen dreht und der unbelegten Spekulation, er ginge auf den Personennamen Darmund oder Darimund zurück: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de/d/darmstadt-ortsname/. Diese Erklärung würde aufgrund des „häufigen Vorkommens der Endung -heim oder -stat in Verbindung mit einem Personennamen“ naheliegen.
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Ortsnamen

Über den Ortsnamen Darmstadt habe ich bereits in meinem Beitrag zur Entstehung des Ortes ausführlich berichtet (siehe hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4), so dass ich mir das hier spare. Statt dessen möchte ich mich einmal mit ein paar Ortsnamen in unmittelbarer Umgebung beschäftigen.

Arheilgen

Arheilgen sollte eigentlich am einfachsten zu erklären sein. In der frühesten bekannten Schreibweise, Araheiligon, ist das Wort heilig sogar noch völlig unverschliffen vorhanden. Dennoch nahm man in dem denkfaulen Wahn, alle nicht sofort völlig verständliche Ortsnamen auf Personennamen fiktiver Ortsgründer zurückführen zu müssen, an, Arheilgen wäre von einem ominösen Araheil gegründet worden. Die Behauptung scheint auf den Altgermanisten Alfred Götze zurückzugehen, der von 1925 bis 1946 an der Universität Gießen lehrte. Götze war Anhänger des Nationalsozialismus.

Für Götze konnte der Name Arheilgen daher natürlich nichts mit heilig zu tun haben, das war ihm zu ungermanisch. Folglich erfand er den germanischen Ortsgründer Araheil. Was der Altgermanist, der laut Homepage der Universität Gießen zu den „führenden deutschen Lexikographen und Namensforschern“ gehört, dabei geflissentlich übersah, ist, dass es den Namen Araheil überhaupt nicht gegeben hat. Die Namensdeutung war also allein von seiner völkisch-nationalen Ideologie motiviert. Mehr von diesem Beitrag lesen