Stadtlexikon Online

Dass das gemacht werden soll, war schon seit längerem immer mal wieder zu hören, jetzt ist es soweit: das Stadtlexikon Darmstadt gibt es in einer kostenlose Onlineversion: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de. Die gedruckte Fassung war mit 50,- € auch viel zu teuer, so dass die Online-Veröffentlichung sehr zu begrüßen ist.

In der Onlinefassung zeigt sich aber auch, wie sehr sich die Zeiten mit dem Internet geändert haben. Die Printfassung war ein ziemlicher Wälzer, der sich im Regal gut gemacht hat und der auch als Geschenk sicher häufig genutzt wurde. In der Onlinefassung zeigt sich schnell, wie limitiert eine solche Veröffentlichung bzgl. des Umfangs ist. Viele Artikel sind zu kurz und oberflächig.

Den ersten Artikel, mit dem ich nicht einverstanden bin, hab ich dann auch gleich gefunden. Kenner dieses Blogs werden schon erahnen, dass es sich um den Ortsnamen dreht und der unbelegten Spekulation, er ginge auf den Personennamen Darmund oder Darimund zurück: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de/d/darmstadt-ortsname/. Diese Erklärung würde aufgrund des „häufigen Vorkommens der Endung -heim oder -stat in Verbindung mit einem Personennamen“ naheliegen.
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Ortsnamen

Über den Ortsnamen Darmstadt habe ich bereits in meinem Beitrag zur Entstehung des Ortes ausführlich berichtet (siehe hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4), so dass ich mir das hier spare. Statt dessen möchte ich mich einmal mit ein paar Ortsnamen in unmittelbarer Umgebung beschäftigen.

Arheilgen

Arheilgen sollte eigentlich am einfachsten zu erklären sein. In der frühesten bekannten Schreibweise, Araheiligon, ist das Wort heilig sogar noch völlig unverschliffen vorhanden. Dennoch nahm man an, Arheilgen wäre von einem Araheil gegründet worden. Die Behauptung scheint auf den Altgermanisten Alfred Götze zurückzugehen, der von 1925 bis 1946 an der Universität Gießen lehrte. Götze war Anhänger des Nationalsozialismus und folgte daher einem Zeitgeist, der die Ursprünge Deutschlands in einer größtenteils imaginierten germanischen Kultur sah.

So erklärte er Araheil zu einem germanischen Personennamen, obwohl es diesen Namen überhaupt nicht gegeben hat. Die Namensdeutung war allein von seiner völkisch-nationalen Ideologie motiviert. Mehr von diesem Beitrag lesen

Das Echo mal wieder…

Ich sollte beim Echo mal zum Korrekturlesen anheuern…

Weil es für solche Sachen bei Echo-Online irgendwie nie eine Kommentarfunktion gibt, erwähne ich es mal hier (dann ist auch mal wieder ein Beitrag im Blog 😉 ). Aus dem Artikel „Von der fränkischen Siedlung zur Heinerstadt“ über einen Vortrag des Professors für Denkmalpflege und Baugeschichte Frank Oppermann (http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Von-der-fraenkischen-Siedlung-zur-Heinerstadt;art1231,4743216)

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kurzer Vermerk zu keltischen Ursprüngen

nur ein kurzer Vermerk, mehr für mich selbst, aber ich dachte, ich könnte ihn hier auch öffentlich hinschreiben, falls jemand zufällig eine Idee dazu hat.
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Kelten in Südhessen

Da ich zurzeit nicht so sehr den Antrieb für fundierte, aufwendigere Beiträge habe, mal ein paar lose Gedanken, die mir so durch den Kopf gegangen sind, ohne Anspruch auf vollständig historische Stichhaltigkeit.

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Was eine Zahl alles verraten kann…

Die Verwaltung des mittelalterlichen Darmstadts war genau betrachtet ein Kuriosum, zumindest was ein auf den ersten Blick wenig bedeutsames Detail betrifft: es wurde von einem Schöffengericht mit 14 Mitgliedern verwaltet. In anderen Städten und Dörfern bestand ein solches Gremium üblicherweise entweder aus 12 oder 7 Personen.

Diese Zahlen hatten eine lange Tradition. Der Ursprung liegt möglicherweise in der Einteilung des Jahres in 12 Monate und der Woche in 7 Tage, konkret war es aber ein Bezug auf die 12 Apostel Christi, die wiederum eine Anspielung auf die 12 Stämme Israels gewesen sein dürften, sowie die 7 als Summe aus der Dreieinigkeit als Symbol des Göttlichen und den vier Elementen als Symbol der Erde. Deshalb gab es ursprünglich auch drei geistliche und vier weltliche Kurfürsten.

In Arheilgen und Eberstadt gab es 12 Schöffen, in Bessungen und Wixhausen 7. Daraus lässt sich vermuten, dass die Frage, für welche der beiden Varianten man sich entschied, eher willkürlich war. Von der Größe und Bedeutung des Dorfes kann es nicht abhängig gewesen sein, denn dann hätte Bessungen, das vor dem Aufstieg Darmstadts der zentrale Ort der Gegend gewesen ist, nicht die kleinere Zahl gewählt.

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Nachtrag zum ursprünglichen Straßenverlauf

[zum besseren Verständnis sollte zumindest der Artikel: Straßenverlauf in grauer Vorzeit und erstes Stadttor gelesen worden sein]

Als kleinen Nachtrag zu meinen Ausführungen über die von Stadthistorikern immer wieder vertretene Behauptung, dass die alte Bergstraße direkt am Schloss an der Wildhube eines Franken namens Darimund vorbeigeführt haben soll, hätte ich hier noch eine Luftaufnahme der Royal Air Force vom 19.09.1944: http://www.raf.mod.uk/bombercommand/images/c4660.jpg.

Diese Bildquelle wird sensiblen Gemütern vielleicht etwas makaber erscheinen, aber da seit dem Jahrestag der Brandnacht noch nicht mal ganz 2 Wochen vergangen sind, ist das Bild sicher auch unter diesem Aspekt interessant, zeigt es doch die nahezu totale Zerstörung der Altstadt. Wenn manchmal behauptet wird, viel der Bausubstanz der Altstadt wäre noch erhalten gewesen und erst nach dem Krieg unsensibel niedergerissen worden, so kann das diese Aufnahme nicht wirklich bestätigen (und es gab nach der Brandnacht ja noch weitere Luftangriffe). Vor allem das alte Oberdorf, die ältestes Siedlungszelle der Stadt, ist faktisch nicht mehr vorhanden.

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Straßenverlauf in grauer Vorzeit und erstes Stadttor

Ein kleiner Nachtrag noch zum letzten Beitrag und die umstrittene Frage, ob die alte Bergstraße durch das Frankfurter Tor am Schlossgraben oder durch das Arheilger Tor östlich des heutigen Darmstadtiums führte.

Schauen wir uns zunächst an, was für den Verlauf der alten Bergstraße entlang des ehemaligen Frankfurter Tors spricht. Die alte Verbindung zwischen Darmstadt und Arheilgen verlief über die Arheilger Straße (deswegen heißt die ja auch so). Verlängert man die Arheilger Straße gerade nach Süden, so kommt man exakt an der Stelle an, an der das Frankfurter Tor stand. Da die Bergstraße von den Römern ausgebaut wurde und die Römer dafür bekannt sind, schnurgerade Wege gebaut zu haben, scheint es plausibel, dass das der Verlauf der Straße war. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht.

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Stadtentwicklung bis 1900

Darmstadt bis ca. 1250
rot: Lage des ursprünglichen Siedlungsgebiets
Hintergrund-Bildquelle: Google Earth

Die ersten Häuser des Dorfes Darmundestat standen vermutlich östlich des Schlosses auf der kleinen Anhöhe neben dem Darmstadtium. Angelegt wurde das Dorf entlang einer alten Straße, die von Süden nach Norden verlief und deren südlicher Teil die alte Bergstraße war. Der Verlauf dieser Straße ist im heutigen Stadtbild nicht mehr erkennbar. Sie verlief, von Bessungen kommend, entlang der Karlstraße bis zur Holzstraße und von dort parallel zur Stadtmauer in einem leichten Bogen über heute bebautetes Gebiet bis zu dem Punkt, wo man heute östlich des Darmstadtiums auf die Alexanderstraße kommt. Danach ging der Weg weiter nach Arheilgen.

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Der Ursprung Darmstadts – Teil 4 und Fazit

Teil 1  Teil 2  Teil 3

Was lässt sich nun aus all diesen Ideen und Spekulationen schlussfolgern?

Zunächst, dass es eine eindeutige Antwort auf die Frage, wer Darmstadt wann gegründet hat, nicht gibt. Die Informationen aus dieser Zeit sind einfach zu spärlich. Dennoch ist es nicht so, dass man diese Frage mit einem Schulterzucken und einem „Nix-genaues-weiß-man-nicht“ abtun muss, denn einiges ist schon mit einem ausreichenden Maß an Wahrscheinlichkeit festzustellen.
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