Und täglich grüßt der Hindenburg (Folge 42)

Und wieder mal war die Hindenburgstraße Thema, diesmal im Bauausschuss: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/hindenburgstrasse-linke-scheitert-mit-antrag-nach-anbringung-eines-zusatzschilds_18754833.htm.

Die Linke hatte beantragt, den erklärenden Zusatz des Straßenschildes durch den Hinweis „Kriegsherr, Reichspräsident und Wegbereiter Hitlers“ zu ersetzen. Das wäre zumindest originell, meines Wissens gibt es nichts Vergleichbares auf irgendeinem Straßenschild in Deutschland. Zumindest in dieser Formulierung finde ich die Gefahr, dass das missverstanden wird, aber auch sehr groß.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Advertisements

Hindenburg Update

Übrigens läuft das Ermittlungsverfahren zwischenzeitlich auf Hochtouren. Die Anklagepunkte lauten unter anderem auf „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ und „Amtsanmaßung“.

Ich habe eben mal nachgeschlagen, was „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ ist, § 304 StGB:

(1) Wer rechtswidrig Gegenstände der Verehrung einer im Staat bestehenden Religionsgesellschaft oder Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet sind, oder Grabmäler, öffentliche Denkmäler, Naturdenkmäler, Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft oder des Gewerbes, welche in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt werden oder öffentlich aufgestellt sind, oder Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer in Absatz 1 bezeichneten Sache oder eines dort bezeichneten Gegenstandes nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.

(3) Der Versuch ist strafbar.

Gegenstände der Verehrung? Öffentliche Denkmäler? Gegenstände der Kunst? Was genau von diesen, in dem Paragraphen aufgezählten Punkten trifft denn auf Hindenburg zu, der laut der Stadt Darmstadt ein „Wegbereiter der NS-Diktatur“ war? Und wieso ist ein popliger Klebestreifen „nicht unerheblich“ und „nicht nur vorübergehend“?

Die N en Burgstrasse

Eine schöne Pointe ist, dass die „Senioren“, die den tätlichen Angriff auf die Hindenburgstraße verübt haben, zu dem letzten Schild nicht mehr gekommen sind. Das habe ich eben mal fotografiert, es sieht so aus:

20180211_204246

Sorry, die Straßenlaterne hat arg gestört, aber da steht N enburgstrasse. Ich habe auf das Schild in letzter Zeit nicht so geachtet, es könnte natürlich auch ein Altschaden sein, mir wurde aber eben gesagt, dass der EAD das wohl veranstaltet hat, weil er an den Schildern die Klebestreifen abkratzen sollte. Ein Klebestreifen, der dort gar nicht vorhanden war. „Verdammt, das klebt aber dolle, gib mir mal die Kelle…aaah… ups, ohoh!“

Aber selbst, wenn das nur ein Altschaden ist, den hat offenbar keinen gestört, aber kaum, dass ein paar „Senioren“ ein paar Klebestreifen anbringen, wird’s plötzlich hektisch in der Stadtverwaltung. Wenn es ein Altschaden war, dann hat es schon seit einiger Zeit niemanden gestört, dass dort Hindenburgstraße nicht mehr zu lesen ist, wieso also ist es dann ein Problem, wenn „Senioren“ den Schriftzug unleserlich machen?

Übrigens: die „Senioren“ wurden nicht etwa geschnappt, weil eine Polizeistreife zufällig vorbeikam, sondern ein Anwohner hat dafür extra die Polizei gerufen. Weil ein paar Leute Klebestreifen auf Straßenschildern anbringen! Drei Tage vorher war nur wenige Meter weiter in der Neckarstraße ein 20-jähriger brutal überfallen worden, aber Anwohner der Hindenburgstraße binden Polizeikräfte wegen so einer Lappalie. Ja, streng genommen ist es Sachbeschädigung, aber Himmelherrgott das waren ein paar Klebestreifen, da ist überhaupt kein Schaden entstanden, zumindest nicht so sehr wie an dem einzigen Straßenschild, an dem kein Klebestreifen war. So viel politischen Ungehorsam muss eine Demokratie schon aushalten.

Historische Gründe

Kennt Ihr das? Dass Ihr irgendwas schon tausendmal gehört, gelesen oder erlebt habt? In Darmstadt geschieht das regelmäßig an der Hindenburgstraße. Dort haben am späten Montagabend drei – wie das Echo schreibt – „Senioren“ das Straßenschild überklebt und aus der Hindenburgstraße die „Halit-Yozgat-Straße“ gemacht. Nicht zum ersten Mal. Wurden natürlich auf frischer Tat ertappt.

Klaus Honold, früher mal beim Echo, heute „städtischer Sprecher“ sagt dazu:

Mehr von diesem Beitrag lesen

Zur OB-Wahl (Teil 1): ein seltsames Konstrukt

Die anstehende OB-Wahl ist dieses Mal an mir bisher größtenteils vorbeigegangen. Ich habe die Berichterstattung im Echo und im Tagblatt verfolgt und natürlich sind mir die Plakate nicht entgangen, ansonsten aber war ich diesmal wohl etwas demokratiefaul.

Da ich aber die politischen Positionen der meisten Kandidaten kenne, weil sie schon lange in der Darmstädter Kommunalpolitik herumwerkeln, ist meine Meinungsfindung trotzdem nicht allzu kompliziert, so dass ich auch so nur noch zwischen zwei Kandidaten/innen schwanke.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Brandnachtmuseum

Wolfgang Faust schlägt für das Saladin-Eck ein Museum zur Erinnerung an die Brandnacht vor: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/vorstoss-fuer-brandnacht-museum_17730524.htm. Außerdem möchte er, dass dazu eine Stiftung gegründet wird, für die er selbst bereit wäre, eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich zu spenden.

Nun tu ich mir allgemein etwas schwer damit, gegen die Pflege einer Erinnerungskultur zur Stadtgeschichte zu argumentieren, dennoch halte ich den Vorschlag für verfehlt. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Mehr von diesem Beitrag lesen

Und wieder mal die Hindenburgstraße

Und wieder mal ist die Hindenburgstraße Thema: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/umbenennung-der-darmstaedter-hindenburgstrasse-bleibt-thema_17650770.htm

Mehr von diesem Beitrag lesen