Pizarro bat nicht um Asyl

Eine Meldung der letzten Tage, die nach meinem Eindruck etwas unterging, war das Urteil eines Gießener Verwaltungsrichters zu der Frage, ob der NPD-Slogan: „Stoppt die Invasion: Migration tötet! Widerstand jetzt“ volksverhetzend ist.

Der Straftatbestand der Volksverhetzung ist in Abwägung mit der Meinungsfreiheit eine sehr komplizierte Sache und muss ständig neu interpretiert werden. Von daher ist die Frage, ob der Straftatbestand hier erfüllt wurde oder nicht, durchaus diskutabel.

Was aber beunruhigend ist, ist die richterliche Begründung, weshalb der Slogan den Straftatbestand nicht erfüllt. Nicht etwa, weil er nicht so weit ginge, als dass er nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt wäre, sondern weil die Behauptung „Migration tötet“ „empirisch zu beweisen“ wäre. Als Beispiel führt er den Untergang des Römischen Reichs und der Inka an.
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Frauenquote und Straßennamen

Ich habe mal ein bisschen gezählt und dabei festgestellt, dass in Darmstadt bei nach Personen benannten Straßen ein Geschlechterungleichgewicht von ca. 5 zu 1 zu Gunsten der Männer besteht. Eigentlich Grund genug für die Forderung, die 8 jetzt beschlossenen Umbenennungen alle nach Frauen zu benennen.

Das war aber meines Wissens noch nicht Thema in der Diskussion. Tim Huß hat wohl noch vor dem Beschluss des Magistrats gefordert, die Hindenburgstraße nach einer Frau zu benennen (und irgendwie hätte ich als Reaktion darauf erwartet, dass das Luftschiff ja die Hindenburg war). Das war es aber glaub ich schon. Seither sind andere, offenbar relevantere Problematiken Teil der Debatte. So wie das Argument, das ich via Hessenschau kürzlich von einer Gegnerin der Umbenennungen ertragen musste: „Dann findet mich mein Amazon-Zusteller ja nicht mehr“.

Bei so was habe ich wirklich körperliche Schmerzen und muss mir wohl eingestehen, dass wir offenbar in völlig verschiedenen Welten leben.

Geschichte, Mythos und Identität

Vorbemerkung:

Ich habe etwas gezögert, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen soll. Ich habe lange damit gekämpft, Struktur hineinzubringen und finde immer noch, dass diese etwas fehlt. Außerdem war es ursprünglich nicht geplant, den Standpunkt hauptsächlich über popkulturelle Bezüge deutlich zu machen. Das hat sich eingeschlichen, weil ich lange keine zufriedenstellende Einleitung fand. Als ich diese schließlich über Monty Python zu finden glaubte, wuchs dieser Bezug von ursprünglich einem kleinen Absatz auf ein Vielfaches davon. Auf der anderen Seite strich ich Ausführungen wie z.B. über den Mythos von Lilith, Pen&Paper-Rollenspiele oder dem Westerngenre, weil am Ende einfach zu viele Themen angerissen wurden. Es hätte die Argumentation zwar gestützt, aber schon so ist der Text meiner Meinung nach nicht pointiert genug. Mehr Bezüge hätten dies nur noch geschwächt.

Die Stupidität von Geißlerzügen hat wohl niemand so treffend dargestellt wie Monty Python in Ritter der Kokosnuss: Latein vor sich hin singende Menschen in Mönchskutten, die sich in regelmäßigen Abständen ein Brett vor den Kopf schlagen.

Dabei war Ritter der Kokosnuss natürlich kein Versuch, authentisches Mittelalter darzustellen. Es war eher ein Kommentar auf die gesellschaftliche Gegenwart. So werden Anarchisten parodiert, die an linke Studenten der 1960er/70er erinnern. Später plaudert ein Burgherr mit Sir Lancelot (der gerade ein Blutbad angerichtet hat) darüber, dass er reihenweise Wände in seiner Burg einreißen will, um mehr Platz zu schaffen.

In dem Raum, in dem sie sich befinden, ist aber nur eine große, mehrstöckige Wand zu sehen, die offenbar Teil der Fortifikation ist. Wenn man die einreißt, ist die Burg kaputt. Hintergrund der Szene ist ein Trend, der zur Entstehungszeit in den 1970er in Großbritannien grassierte, nämlich Trennwände zu entfernen, um die Räumlichkeiten des Hauses größer zu machen. Im Film landete es, weil damals scheinbar jeder Engländer davon sprach Wände einzureißen.
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Stadtarchivar zu den Straßenumbenennungen

Stadtarchivar Peter Engels hat diese Woche dem Echo ein Interview bzgl. der Straßenumbenennung gegeben:

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/die-burgerschaft-muss-es-wollen_20284108 (Achtung, Bezahlschranke! Hier aber zumindest mit journalistischen Mehrwert.)
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Geschichten, Anekdoten und Blödsinn

Dieser Beitrag ist eine entschärfte und versachlichte Version eines ursprünglich viel kürzeren Isch-wollt-misch-ma-e-bissi-uffräsche-Rant. Wenn man sich dann mal aufgeregt hat, ist es aber auch raus und man merkt schnell: naja, ganz so ist es dann doch nicht. Also habe ich es überarbeitet, versachlicht (nicht völlig), verlängert und gemerkt, dass die eigentliche Argumentation durch interne Verlinkungen ganz gut angesprochen wird, was ich so in diesem Blog selten mache.

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Zum Klugscheißen ungeeignet

Woran merke ich, dass Heinerfest ist? Die Zugriffszahlen auf mein Blog schnellen ungesund in die Höhe, weil gefühlt halb Deutschland auf einmal wissen möchte, wieso die Darmstädter Heiner genannt werden. Und das obwohl der entsprechende Artikel hierzu sowieso schon der mit weitem Abstand am häufigsten aufgerufene dieses kleinen, schwach frequentierten Blogs mit unklarer Lesermotivation ist (oder Autorenmotivation? Egal).
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Die Ironie des Darmund

Es hatte seinerzeit hauptsächlich zwei Gründe, weshalb ich begann, mich mit der Stadtgeschichte Darmstadts zu beschäftigen. Der eine war ein sehr persönliches Interesse an der Geschichte der Hexenverfolgungen und meine Verwunderung darüber, warum ein an sich sehr populäres Thema in Darmstadt nie eine Rolle gespielt hat, obwohl es zumindest einen gut dokumentierten und im Detail sehr interessanten Fall gibt.

Ich hatte damals schriftstellerische Ambitionen und recherchierte den Fall als Grundlage für einen Roman, den ich schreiben wollte, den ich aber nach einigen Monaten wieder aufgab. Auch dafür gab es viele Gründe, einen, den ich mit der Öffentlichkeit teilen kann, ist, dass ich feststellen musste, dass ich zwar ganz gerne einmal historische Romane lese, diese stilistisch aber zu limitiert finde und mich nicht befähigt sah, erfolgreich neue Stilmittel in das Genre einzuführen. Weniger hochtrabend ausgedrückt: Auf Dauer langweilen mich historische Romane.

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