Nochmal die Totenmaske…

(Nachtrag zu diesem Beitrag: Die Totenmaske Shakespeares in Darmstadt)

Hach, wenn man Bücher vermarkten muss… Michael Kibler hat hessenschau.de ein Interview zu seinem neuen Krimi gegeben. Darin sagt er u.a. über die Totenmaske:

… liegt die Totenmaske unten in der Uni-Bibliothek neben den Garderobenspinden für die Studenten hinter einem Fenster, noch nicht mal hell erleuchtet. Es ist unfassbar, wie die Stadt Darmstadt mit ihren hohen Kulturgütern umgeht.

Vielleicht will sich die Stadt Darmstadt aber auch nur nicht vor der gesamten Fachwelt zum Horst machen.

Vor 20 Jahren hätte man gesagt: Es gibt so viele Indizien, die dafür sprechen. Heute sagt jeder: Es ist ja nicht über einen DNA-Test abgesichert. Was ja auch stimmt. Es sprechen starke Indizien dafür, der Rest ist Glaubenssache. Ich persönlich halte sie für echt.

Nee, vor 20 Jahren hat man das auch schon für Unsinn gehalten, Hammerschmidt-Hummel hatte bereits Mitte der 1990er ihre Thesen vorgestellt. Die Fachwelt war wenig überzeugt. Und um einen DNA-Test geht es gar nicht. Sondern darum, dass alles, was für eine Authentizität angeführt werden kann, eine in ihrer Aussagekraft fragwürdige Untersuchungsmethodik ist, die nachweislich in zumindest einem Fall ein eindeutig falsches Ergebnis hervorgebracht hat, und eine mehr als dubiose Auffindungsgeschichte gepaart mit dem Mangel einer historischen Dokumentation der Existenz der Totenmaske. Wo war die Maske denn, bevor sie Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem Mainzer Trödler unter einem Haufen wertlosen Ramsch aufgetaucht sein soll, nachdem der Hofmaler Louis Becker zwei Jahre lang praktisch jedem Trödler auf die Nase gebunden hatte, dass er die Maske sucht, deren Existenz er anhand eines Porträts, das gar nicht Shakespeare zeigt, vermutete?

Die Auffindungsgeschichte ist nicht plausibel, die Methodik zum Nachweis der Echtheit fragwürdig, die Existenz einer Totenmaske historisch nicht belegt und eher unwahrscheinlich, da es zu Zeiten Shakespeares zumindest bei Bürgerlichen noch eher unüblich war, dass Totenmasken angefertigt wurden. Mag sein, dass man das bei jemandem so populärem wie Shakespeare dennoch getan hat, dann stellt sich aber zwingend die Frage, wieso dann so eine populäre Totenmaske mehr als 200 Jahre vollkommen undokumentiert geblieben ist!

Ich verlange ja nicht viel, aber ein bisschen gesunde Skepsis würde mich vielleicht dazu bringen, solche Bücher zu lesen. 😉

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Die Totenmaske Shakespeares in Darmstadt

Nur ein paar kleine Bemerkungen, weil ich darauf jetzt über die Feiertage mehrfach hin angesprochen wurde.

Michael Kibler baut seinen neuen Krimi „Treueschwur“ teilweise um die angebliche Totenmaske William Shakespeares auf, die in der Darmstädter Universitätsbibliothek aufbewahrt wird. Die Frage, die dabei natürlich aufkommt, ist: Handelt es sich dabei wirklich um die Totenmaske Shakespeares?

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Es begann so vielversprechend

Schon vor einigen Wochen hatte die Frankfurter Rundschau einen Bericht über den neuen Pächter der Burg Frankenstein (http://www.fr.de/rhein-main/darmstadt-dieburg-werwolf-wird-burgherr-a-1284395). Als es darum geht, ob Mary Shelley durch die Burg zu ihrem Roman Frankenstein inspiriert wurde, wird der neue Pächter doch tatsächlich mit den Worten zitiert:

„Belegt ist aber nur, dass sie in Gernsheim war“

Genau. 43 Jahre lang konnte man seinem Vorgänger nicht begreiflich machen, dass mehr nicht ist. Shelley war für 3 Stunden in Gernsheim, bei Nacht. Sie war niemals auf der Burg.

Leider geht der Artikel dann aber so weiter:

Dagegen sei sicher, dass der 1673 auf der Burg geborene Theologe, Alchemist und Arzt Johann Konrad Dippel Versuche mit Schwarzpulver in einem der Türme machte.

Au.

Bisher hieß es immer, es wäre Nitroglyzerin gewesen. Dass das nicht sein kann, weil es damals noch gar kein Nitroglyzerin gegeben hat, sollte eigentlich dazu führen, dass man auf die Idee kommt, dass die ganze Geschichte nicht stimmt. Statt dessen ersetzt man das Nitroglyzerin durch Schwarzpulver, das gab’s damals ja.

Klar, niemand kann völlig ausschließen, dass Dippel irgendwann irgendwo irgendwie mal mit Schwarzpulver herumexperimentiert hat, nur gibt es keinerlei Hinweise darauf. Vielleicht hat er auch bei Vollmond im Burghof Sirtaki getanzt, wer weiß? Davon ausgehen würde ich aber nicht. Warum also sollte man davon ausgehen, er hätte mit Schwarzpulver experimentiert?

Außerdem gibt es auf dem ehemals von Kelten genutzten Areal Magnetsteine

Es gibt nicht einen einzigen keltischen Fund auf dem Areal.

Albert Schwanholz, der erste Darmstädter Heiner

Die Überschrift ist eigentlich Betrug. Albert Schwanholz war definitiv nicht der erste Heiner und auch nicht der Erste, der sich selbst als Darmstädter Heiner bezeichnete. Aber er ist der Erste, von dem wir wissen. Er stand 1872 vor Gericht, weil er – unter anderem – von einem Lehrjungen 2 Gulden erpresst hatte. Dabei hatte er ihm mit seiner „Qualität als ‚Darmstädter Heiner'“ gedroht.

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Details

Bleiben wir noch mal kurz bei dem Thema.

Einer der Gründe, warum es so wichtig ist, Digitalisate in hoher Auflösung zur Verfügung zu haben, ist, dass sonst wichtige Details untergehen. Als Beispiel nehme ich noch mal den Stich von 1676:

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Kartengestöber – mit Nachtrag

Kristof hat die südhessische Straßenkarte von 1575 hochgeladen. Diese Karte kannte ich zwar schon seit geraumer Zeit, allerdings in geringerer Auflösung.

Diese Karte gehört aus verschiedenen Gründen zu den interessantesten überhaupt. Ein Grund ist, dass wir auf der Karte die älteste bildliche Darstellung Darmstadts überhaupt finden, auch wenn die Darstellung als schnelle Skizze nur wenig aufschlussreich ist.

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Und Terra X legt nach… noch ein Beitrag aus dem Unbildungsfernsehen

Hatte ich glatt verpasst, wurde aber glücklicherweise darauf aufmerksam gemacht. Nicht nur der kleine Spartensender Kabel 1 Doku hatte in Zusammenhang mit Mary Shelleys Frankenstein unsere Burg Frankenstein und Johann Konrad Dippel im Programm, sondern auch das ZDF: https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/mythos-frankenstein-100.html.

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