Der 22. September in Darmstadt

22. September 1848
Das „Gesetz die Aufhebung der privilegierten Gerichtsstände betreffend“ hebt die Gerichtsstandsprivilegien auf. Damit sind nun zumindest formal vor Gericht alle gleich. Oder fast zumindest, denn das großherzogliche Haus wird ausdrücklich von den Bestimmungen des Gesetzes ausgenommen. Nach der 1820 eingeführten Verfassung ist der Großherzog nach wie vor „heilig“.

Der 21. September in Darmstadt

21. September 1851
Geburt von Johann Albert Schwanholz. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um jenen Albert Schwanholz, der 1872 vor Gericht steht, weil er einen Lehrjungen erpresst und dabei unter anderem mit seiner „Qualität als Darmstädter Heiner“ gedroht haben soll. Es ist die älteste bekannte Erwähnung des Begriffs Heiner als Spitznamen für einen Darmstädter. Die Bedeutung ist damals jedoch noch eine andere und bezeichnet eher einen zwielichtigen Kleinkriminellen als einen in Darmstadt Geborenen.

21. September 1884
Einweihung der umgebauten und erweiterten Bessunger Kirche. Der starke Bevölkerungszuwachs hatte die Erweiterung notwendig gemacht. Die Weihe ist auch Anlass, die Bessunger Kerb von ihrem bisherigen Termin Mitte Oktober auf diesen Tag vorzuverlegen.

Der 20. September in Darmstadt

20. September 1833
Großherzog Ludwig II. verkündet, dass er den Landtag Mitte November auflösen wird. Hintergrund ist ein jahrelanger Streit um die Übernahme der noch aus seiner Zeit als Erbprinz stammenden Privatschulden durch die Staatskasse. Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt 1830 hatte er versucht, 2 Millionen Gulden dem Staatshaushalt aufzubürden, was die 2. Kammer des Landtags mit einer überwältigenden Mehrheit von 41:7 Stimmen ablehnt. 1833 spitzt sich der Streit noch einmal zu, weil der Großherzog für die bevorstehende Hochzeit seines Sohnes das nach wie vor nur als Provisorium vorhandene Neuschloss mit weiteren 650.000 Gulden aus der Staatskasse fertigstellen will. Mit der Auflösung des Landtags will er Druck auf die ihm deutlich gewogenere 1. Kammer ausüben. Ludwig verkalkuliert sich aber, denn auch in der 1. Kammer ist man sich bewusst, was Ludwigs Vorhaben für den Staatshaushalt bedeuten würde.

Der 19. September in Darmstadt

19. September 1909
Erstes Leichtathletiksportfest in Darmstadt.

19. September 1944
Bei einem Luftangriff wird das als Notpostamt genutzte Gemeindehaus der Johannesgemeinde getroffen. Mehr als 60 Menschen sterben.

19. September 1945
Der Volkstaat Hessen geht in dem neu gegründeten Land „Groß-Hessen“, das heutige Bundesland Hessen, auf. Darmstadt verliert seinen Hauptstadtstatus.

Der 18. September in Darmstadt

18. September 1780
In einem Brief an Herzog Karl August von Sachsen-Weimar berichtet Johann Heinrich Merck von den Zuständen am Hofe Landgraf Ludwigs IX. Dessen Mätresse, Louise Madeleine Françoise Simon, von ihm zur „Madame de Bickenbach“ ernannt, soll nicht nur ständig betrunken gewesen sein, sondern auch regelmäßig mit einem Bediensteten in ein Dorf auf dem Land gefahren sein, um dort nackt im Brunnen zu baden und den Bewohnern ihren blanken Hintern mit den Worten: „N’ai-je pas le Cul plus beau que vos visages“ (Ist mein Arsch nicht schöner als eure Gesichter?) zu präsentieren. Den Landgrafen selbst beschreibt er als desinteressiert an den Regierungsgeschäften. Große Teile des Tages verbringt er damit, seinen beiden Kapellmeistern auf einem Klavier mit 2 Fingern Märsche vorzuspielen, die er selbst komponiert haben will. Bis zu 300 Märsche will er so an manchen Tagen komponiert haben. Gnadengesuche werden von ihm nebenbei mit einem schlichten Ja oder Nein abgehandelt, wobei es für einen positiven Bescheid meistens ausreicht, wenn der Landgraf getrunken hat.

Es ist aus heutiger Sicht unklar, wie viele von Mercks Beschreibungen der Realität entsprechen und wie viele Polemik gegenüber einem Landgraf sind, der nicht zuletzt auch wegen seiner Sparreformen unbeliebt war. Die Mätressengeschichte erinnert an manch unhistorische Anekdote vom Hof Ludwigs XIV. Andererseits ist jedoch aus anderen, von Ludwig selbst stammenden Quellen bekannt, dass er am Ende seines Lebens tatsächlich der Meinung war, mehr als 90.000 Märsche komponiert zu haben. Dass er das Darmstädter Bürgermeisteramt einmal auswürfeln ließ und, nachdem sich die beiden Kandidaten weigerten, das zu tun, ohne weitere Begründung einen der beiden ernannt hat, spricht für die von Merck beschriebene Angewohnheit, Beschlüsse im Vorbeigehen nach seiner momentanen Laune zu treffen. Ach ja, und dann waren da ja auch noch die Geister…

18. September 1866
Wenige Wochen nach Abschluss des Friedensvertrags von Prag verlassen die preußischen Besatzungstruppen Darmstadt. Der nach München geflohene Hof kehrt zurück.

Der 17. September in Darmstadt

17. September 1848
Das mithilfe von Spenden wiederhergestellte Grab des 11 Jahre zuvor im Darmstädter Arresthaus gestorbenen Friedrich Ludwig Weidig wird eingeweiht. Etwa 600 Personen nehmen an den Feierlichkeiten teil.

17. September 1945
Beginn des Schulunterrichts. Da 16 von 28 Schulen durch den Krieg zerstört wurden, die Eleonorenschule von der Stadtverwaltung und die Diesterwegschule vom US-Militär genutzt wird, findet der Unterricht in bis zu 4 Schichten statt. Dennoch reichen die noch nutzbaren Schulgebäude nicht aus und es wird teilweise in Gasthöfen und Kellern unterrichtet.

Der 16. September in Darmstadt

16. September 1769
Die Brüder Hähnle und Samuel Hachenburger erhalten von Landgraf Ludwig IX. das Privileg, bei allen jüdischen Hochzeiten in der Obergrafschaft Katzenelnbogen spielen zu dürfen. Damit wird eine mehrere Generationen andauernder Musiktradition begründet, die ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem nach Herz Hähnle Hachenbuger benannten Streichquartett „Die Herzer“ erreicht, welche auch im Datterich erwähnt werden.

Der 15. September in Darmstadt

15. September 1794
Geburt von Heinrich Emanuel Merck. Mit ihm vollzog sich der Übergang des Familienbetriebs Merck von einer Apotheke zu einem pharmazeutisch-chemischen Unternehmen, der heutigen Merck KGaA.

Der 14. September in Darmstadt

14. September 1844
Auf dem Marienplatz findet das erste Radrennen in Darmstadt statt. Wie damals üblich wird es auf Hochrädern ausgetragen.

14. September 1930
Bei der Reichstagswahl erhält die SPD in Darmstadt mit 28,4% die meisten Stimmen. Auf Platz 2 folgt die NSDAP, die mit 24,4% bereits deutlich über dem reichsweiten Ergebnis von 18,3% liegt. Ein Trend, der sich bei den folgenden Wahlen bestätigen wird. Auf Platz 3 liegt die nationalliberale DVP mit 16,6%. Danach folgen die KPD mit 7,3%, die linksliberale DDP mit 6,6%, die Deutsche Zentrumspartei mit 6,4% und die nationalkonservative DNVP mit 2,6%. Auffällig ist, dass die DNVP deutlich schlechter als im reichsweiten Gesamtergebnis abschneidet und die DVP deutlich besser. Das nationalkonservative Klientel scheint sich entweder mit der Wahl der NSDAP radikalisiert oder mit der Wahl der gemäßigteren DVP bewusst von dieser Entwicklung abgesetzt zu haben.

Der 13. September in Darmstadt

13. September 1820
Ein Handelskongress der Staaten des sogenannten „Dritten Deutschlands“ tritt im Darmstädter Marktpalais zusammen. Es ist eine Reaktion auf das 1818 eingeführte preußische Zollgesetz, dem man mit einer eigenen Zollunion entgegentreten will. Nach zweieinhalb Jahren scheitern die Verhandlungen, woraufhin das Großherzogtum Hessen die Seiten wechselt und 1828 mit Preußen den Preußisch-Hessischen Zollvereins gründet, der dann 1834 vom Deutschen Zollverein abgelöst wird.