Geschichte, Mythos und Identität

Vorbemerkung:

Ich habe etwas gezögert, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen soll. Ich habe lange damit gekämpft, Struktur hineinzubringen und finde immer noch, dass diese etwas fehlt. Außerdem war es ursprünglich nicht geplant, den Standpunkt hauptsächlich über popkulturelle Bezüge deutlich zu machen. Das hat sich eingeschlichen, weil ich lange keine zufriedenstellende Einleitung fand. Als ich diese schließlich über Monty Python zu finden glaubte, wuchs dieser Bezug von ursprünglich einem kleinen Absatz auf ein Vielfaches davon. Auf der anderen Seite strich ich Ausführungen wie z.B. über den Mythos von Lilith, Pen&Paper-Rollenspiele oder dem Westerngenre, weil am Ende einfach zu viele Themen angerissen wurden. Es hätte die Argumentation zwar gestützt, aber schon so ist der Text meiner Meinung nach nicht pointiert genug. Mehr Bezüge hätten dies nur noch geschwächt.

Die Stupidität von Geißlerzügen hat wohl niemand so treffend dargestellt wie Monty Python in Ritter der Kokosnuss: Latein vor sich hin singende Menschen in Mönchskutten, die sich in regelmäßigen Abständen ein Brett vor den Kopf schlagen.

Dabei war Ritter der Kokosnuss natürlich kein Versuch, authentisches Mittelalter darzustellen. Es war eher ein Kommentar auf die gesellschaftliche Gegenwart. So werden Anarchisten parodiert, die an linke Studenten der 1960er/70er erinnern. Später plaudert ein Burgherr mit Sir Lancelot (der gerade ein Blutbad angerichtet hat) darüber, dass er reihenweise Wände in seiner Burg einreißen will, um mehr Platz zu schaffen.

In dem Raum, in dem sie sich befinden, ist aber nur eine große, mehrstöckige Wand zu sehen, die offenbar Teil der Fortifikation ist. Wenn man die einreißt, ist die Burg kaputt. Hintergrund der Szene ist ein Trend, der zur Entstehungszeit in den 1970er in Großbritannien grassierte, nämlich Trennwände zu entfernen, um die Räumlichkeiten des Hauses größer zu machen. Im Film landete es, weil damals scheinbar jeder Engländer davon sprach Wände einzureißen.
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Stadtarchivar zu den Straßenumbenennungen

Stadtarchivar Peter Engels hat diese Woche dem Echo ein Interview bzgl. der Straßenumbenennung gegeben:

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/die-burgerschaft-muss-es-wollen_20284108 (Achtung, Bezahlschranke! Hier aber zumindest mit journalistischen Mehrwert.)
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Geschichten, Anekdoten und Blödsinn

Dieser Beitrag ist eine entschärfte und versachlichte Version eines ursprünglich viel kürzeren Isch-wollt-misch-ma-e-bissi-uffräsche-Rant. Wenn man sich dann mal aufgeregt hat, ist es aber auch raus und man merkt schnell: naja, ganz so ist es dann doch nicht. Also habe ich es überarbeitet, versachlicht (nicht völlig), verlängert und gemerkt, dass die eigentliche Argumentation durch interne Verlinkungen ganz gut angesprochen wird, was ich so in diesem Blog selten mache.

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Zum Klugscheißen ungeeignet

Woran merke ich, dass Heinerfest ist? Die Zugriffszahlen auf mein Blog schnellen ungesund in die Höhe, weil gefühlt halb Deutschland auf einmal wissen möchte, wieso die Darmstädter Heiner genannt werden. Und das obwohl der entsprechende Artikel hierzu sowieso schon der mit weitem Abstand am häufigsten aufgerufene dieses kleinen, schwach frequentierten Blogs mit unklarer Lesermotivation ist (oder Autorenmotivation? Egal).
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Die Ironie des Darmund

Es hatte seinerzeit hauptsächlich zwei Gründe, weshalb ich begann, mich mit der Stadtgeschichte Darmstadts zu beschäftigen. Der eine war ein sehr persönliches Interesse an der Geschichte der Hexenverfolgungen und meine Verwunderung darüber, warum ein an sich sehr populäres Thema in Darmstadt nie eine Rolle gespielt hat, obwohl es zumindest einen gut dokumentierten und im Detail sehr interessanten Fall gibt.

Ich hatte damals schriftstellerische Ambitionen und recherchierte den Fall als Grundlage für einen Roman, den ich schreiben wollte, den ich aber nach einigen Monaten wieder aufgab. Auch dafür gab es viele Gründe, einen, den ich mit der Öffentlichkeit teilen kann, ist, dass ich feststellen musste, dass ich zwar ganz gerne einmal historische Romane lese, diese stilistisch aber zu limitiert finde und mich nicht befähigt sah, erfolgreich neue Stilmittel in das Genre einzuführen. Weniger hochtrabend ausgedrückt: Auf Dauer langweilen mich historische Romane.

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Gefährliche Vergleiche und gesellschaftliche Relevanz einer einstigen Provinzposse

Nach dem Magistrat hat jetzt auch die Stadtverordnetenversammlung der Umbenennung von acht Darmstädter Straßen zugestimmt, deren Namensgeber eine politische Einstellung hatten, die sich mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft nicht vereinbaren lässt.

Vorher gab es eine leidenschaftliche Debatte. Scheinbar (ich selbst war nicht vor Ort) allerdings nur über die Hindenburgstraße. Bei den anderen Straßen scheint es kaum Argumentationen dafür oder dagegen gegeben zu haben. Weder bei denen, die hinter den Umbenennungen eine Art Bildersturm vermuten, noch bei jenen, die es für inakzeptabel halten, dass wir Straßen nach Demokratiefeinden benannt haben. Die Rechtfertigung seitens Oberbürgermeister Jochen Partsch, weshalb der Hoetgerweg nicht umbenannt werden soll („eine zu starke Diskreditierung“ vor „seiner übrigen Lebensleistung“), die man so ja auch bei den anderen „Kandidaten“ hätte anwenden können, stieß offenbar auf keinen nennenswerten Widerspruch.

Das zeigt schon, dass es bei der Debatte weniger um die Umbenennungen an sich geht, sondern sehr explizit um die Hindenburgstraße. Der Rest ist eher Kollateralschaden. Das bedeutet aber auch, dass man gegen seit Jahrzehnten festgezurrte Meinungen ankämpft, bei denen Argumentationen eher stilistischen Zweck haben und nicht den Wunsch, zu einem gemeinsamen Konsens zu gelangen.

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Bericht Fachbeirat & Beschluss Magistrat als PDF

Ich wurde jetzt mehrfach gefragt, wo denn der Bericht des Fachbeirats zu den Straßenumbenennungen zu finden ist. Die Erklärungsversuche gingen etwa so: „Erst mal musst du auf die Homepage der Stadt, dann auf Rathaus, dann Politik, dann auf Parlamentsservice und dann musst du auf Recherche Beschlüsse auswählen und dann suchen nach …“ – kurz das war vielen zu kompliziert.

Daher hier mal die 3 entscheidenden PDFs dazu. Keine Ahnung, ob das urheberrechtlich astrein ist, ist mir aber jetzt erst mal egal. Das ist öffentliches Zeugs.

Magistratsbeschluss
Empfehlungen des Fachbeirats
Sämtliche untersuchten Biographien