Überlegungen zur Wildhube

Das Dreieicher Weistum von 1338 erwähnt die im Wildbann Dreieich befindlichen Wildhuben. Von vielen dieser Wildhuben wird angenommen, dass sie die Keimzellen der Orte gewesen sind, die ihren Namen tragen, darunter auch Darmstadt, das nach einem Darmund benannt sein soll, der der erste Wildhübner des Ortes gewesen wäre. Die Wildhube soll am Standort des Schlosses gestanden haben. Damit wäre Darmstadt zur Versorgung der Wildhube entstanden. Gelegentlich ist auch zu lesen, dass die frühen Einwohner der südhessischen Orte Bedienstete der jeweiligen Wildhübner gewesen wären.

Ich halte diese Idee für nicht sehr überzeugend. Zu viele Dinge passen da nicht zusammen. Schon die uneinheitliche Benennung der Huben spricht eher dafür, dass diese Ortsnamen vor der Einrichtung der Huben existierten und die Huben nach den Orten benannt wurden, nicht umgekehrt. In Darmstadt wird die Wildhube als noch existierend erwähnt in einer Zeit, als am Standort des Schlosses bereits eine Wasserburg stand, also keine Wildhube.

Ich vermute den Standort der Wildhube eher in Kranichstein. 1399 wird dort das Einsiedel-Rod erwähnt, aus dem sich danach in knapp 200 Jahren das heutige Jagdschloss Kranichstein entwickelte. Im Gegensatz zum Darmstädter Schloss ist dadurch eine konstante Nutzung für den Jagdbetrieb, also der Hauptaufgabe der Wildhuben, zumindest bis ins 14. Jahrhundert zurück nachweisbar.

Zwei Dinge, die diese Auffassung stützen könnten, sind mir nun aufgefallen.

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*Daru-munðaż

Heinrich Tischner, der sich schon seit vielen Jahren intensiv mit den Ortsnamen in Südhessen auseinandersetzt, hat seine durchaus originelle Erklärung für den Ortsnamen Darmstadt als Stätte am Eichenberg jetzt verworfen und nimmt nun ebenfalls einen Personennamen an: *Daru-munðaż (link), was im Prinzip Darmund entspricht.
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Stadtlexikon Online

Dass das gemacht werden soll, war schon seit längerem immer mal wieder zu hören, jetzt ist es soweit: das Stadtlexikon Darmstadt gibt es in einer kostenlose Onlineversion: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de. Die gedruckte Fassung war mit 50,- € auch viel zu teuer, so dass die Online-Veröffentlichung sehr zu begrüßen ist.

In der Onlinefassung zeigt sich aber auch, wie sehr sich die Zeiten mit dem Internet geändert haben. Die Printfassung war ein ziemlicher Wälzer, der sich im Regal gut gemacht hat und der auch als Geschenk sicher häufig genutzt wurde. In der Onlinefassung zeigt sich schnell, wie limitiert eine solche Veröffentlichung bzgl. des Umfangs ist. Viele Artikel sind zu kurz und oberflächig.

Den ersten Artikel, mit dem ich nicht einverstanden bin, hab ich dann auch gleich gefunden. Kenner dieses Blogs werden schon erahnen, dass es sich um den Ortsnamen dreht und der unbelegten Spekulation, er ginge auf den Personennamen Darmund oder Darimund zurück: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de/d/darmstadt-ortsname/. Diese Erklärung würde aufgrund des „häufigen Vorkommens der Endung -heim oder -stat in Verbindung mit einem Personennamen“ naheliegen.
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Der Ursprung Darmstadts – Teil 3

Teil 1  Teil 2

Ein Oberbürgermeister, der nicht an den Ortsgründer glauben will

Obwohl es Mehrheitsmeinung unter Ortsnamensforschern blieb, dass Darmstadt sich vom Personennamen Darimund ableitet, gab es immer wieder auch Zweifler. Einer dieser Zweifler wurde später sogar Oberbürgermeister: Heinz Winfried Sabais. Mit dem plakativen Satz: „Ich glaube nicht an Darimund“ stellte er am 31. Dezember 1966 im Darmstädter Echo seine Thesen zum Ortsnamen Darmstadt vor. Er entwickelte gleich eine ganze Reihe von Erklärungen, wobei er die meisten davon selbst sofort wieder verwarf.

Einige dieser Ideen, die er dann selbst nicht so recht glauben wollte, waren:
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Der Ursprung Darmstadts – Teil 2

zu Teil 1

Bewaffnete Förster

Nachdem man Darmstadt – rein spekulativ – zur Gründung eines Franken namens Darmund erklärt hatte, ließ man der Fantasie nun völlig freien Lauf. Darmund wurde bald – ohne Erklärung warum – meistens Darimund geschrieben. Und man beließ es keineswegs bei dieser kleinen Variation. Darimund wurde zum Wildhübner des Wildbanns Dreieich erklärt, dessen Wildhube dort gestanden haben soll, wo heute das Schloss steht. Darmstadt hätte damit seinen Ursprung nicht etwa in einer gezielten Besiedlung, mit der die Franken ihr neu erobertes Gebiet sichern wollten, sondern in der königlichen Freizeitgestaltung. Darmstadt wäre entstanden, weil der König bzw. Kaiser hier auf die Jagd gehen wollte.

Diese Auffassung hält sich hartnäckig. Auf der offiziellen Internetpräsenz der Stadt Darmstadt liest man:

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Der Ursprung Darmstadts – Teil 1

Die erste Frage, die sich stellt, wenn man sich mit der Geschichte eines Ortes beschäftigt, ist natürlich die nach der Gründung dieses Ortes. In meinem alten Blog hatte ich mich sehr intensiv damit auseinandergesetzt, weshalb einigen vieles von dem, was jetzt kommt, schon bekannt sein wird. Ich habe ja gesagt, dass ich schamlos Themen aus meinem alten Blog recyclen werde ;-). Wem das Thema zu trocken ist, keine Sorge, ich werde bald auch wieder Sachen schreiben, die weniger theoretisierend sind. Man kommt aber, wenn man sich mit der Geschichte eines Ortes beschäftigt, um dessen Gründung einfach nicht herum.

Wie bei vielen, wenn nicht den meisten Orten ist die Gründung auch bei Darmstadt eher rätselhaft, da über die ersten Jahrhunderte des Ortes keinerlei Aufzeichnungen existieren. Die frühste erhaltene Erwähnung Darmstadts wird auf die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert und außer der später nicht mehr auftauchenden Schreibweise Darmundestat gibt diese Erwähnung keine relevanten Informationen über die Stadt.

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