Geschichten, Anekdoten und Blödsinn

Dieser Beitrag ist eine entschärfte und versachlichte Version eines ursprünglich viel kürzeren Isch-wollt-misch-ma-e-bissi-uffräsche-Rant. Wenn man sich dann mal aufgeregt hat, ist es aber auch raus und man merkt schnell: naja, ganz so ist es dann doch nicht. Also habe ich es überarbeitet, versachlicht (nicht völlig), verlängert und gemerkt, dass die eigentliche Argumentation durch interne Verlinkungen ganz gut angesprochen wird, was ich so in diesem Blog selten mache.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Werbeanzeigen

Die Ironie des Darmund

Es hatte seinerzeit hauptsächlich zwei Gründe, weshalb ich begann, mich mit der Stadtgeschichte Darmstadts zu beschäftigen. Der eine war ein sehr persönliches Interesse an der Geschichte der Hexenverfolgungen und meine Verwunderung darüber, warum ein an sich sehr populäres Thema in Darmstadt nie eine Rolle gespielt hat, obwohl es zumindest einen gut dokumentierten und im Detail sehr interessanten Fall gibt.

Ich hatte damals schriftstellerische Ambitionen und recherchierte den Fall als Grundlage für einen Roman, den ich schreiben wollte, den ich aber nach einigen Monaten wieder aufgab. Auch dafür gab es viele Gründe, einen, den ich mit der Öffentlichkeit teilen kann, ist, dass ich feststellen musste, dass ich zwar ganz gerne einmal historische Romane lese, diese stilistisch aber zu limitiert finde und mich nicht befähigt sah, erfolgreich neue Stilmittel in das Genre einzuführen. Weniger hochtrabend ausgedrückt: Auf Dauer langweilen mich historische Romane.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Überlegungen zur Wildhube

Das Dreieicher Weistum von 1338 erwähnt die im Wildbann Dreieich befindlichen Wildhuben. Von vielen dieser Wildhuben wird angenommen, dass sie die Keimzellen der Orte gewesen sind, die ihren Namen tragen, darunter auch Darmstadt, das nach einem Darmund benannt sein soll, der der erste Wildhübner des Ortes gewesen wäre. Die Wildhube soll am Standort des Schlosses gestanden haben. Damit wäre Darmstadt zur Versorgung der Wildhube entstanden. Gelegentlich ist auch zu lesen, dass die frühen Einwohner der südhessischen Orte Bedienstete der jeweiligen Wildhübner gewesen wären.

Ich halte diese Idee für nicht sehr überzeugend. Zu viele Dinge passen da nicht zusammen. Schon die uneinheitliche Benennung der Huben spricht eher dafür, dass diese Ortsnamen vor der Einrichtung der Huben existierten und die Huben nach den Orten benannt wurden, nicht umgekehrt. In Darmstadt wird die Wildhube als noch existierend erwähnt in einer Zeit, als am Standort des Schlosses bereits eine Wasserburg stand, also keine Wildhube.

Ich vermute den Standort der Wildhube eher in Kranichstein. 1399 wird dort das Einsiedel-Rod erwähnt, aus dem sich danach in knapp 200 Jahren das heutige Jagdschloss Kranichstein entwickelte. Im Gegensatz zum Darmstädter Schloss ist dadurch eine konstante Nutzung für den Jagdbetrieb, also der Hauptaufgabe der Wildhuben, zumindest bis ins 14. Jahrhundert zurück nachweisbar.

Zwei Dinge, die diese Auffassung stützen könnten, sind mir nun aufgefallen.

Mehr von diesem Beitrag lesen

*Daru-munðaż

Heinrich Tischner, der sich schon seit vielen Jahren intensiv mit den Ortsnamen in Südhessen auseinandersetzt, hat seine durchaus originelle Erklärung für den Ortsnamen Darmstadt als Stätte am Eichenberg jetzt verworfen und nimmt nun ebenfalls einen Personennamen an: *Daru-munðaż (link), was im Prinzip Darmund entspricht.
Mehr von diesem Beitrag lesen

Stadtlexikon Online

Dass das gemacht werden soll, war schon seit längerem immer mal wieder zu hören, jetzt ist es soweit: das Stadtlexikon Darmstadt gibt es in einer kostenlose Onlineversion: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de. Die gedruckte Fassung war mit 50,- € auch viel zu teuer, so dass die Online-Veröffentlichung sehr zu begrüßen ist.

In der Onlinefassung zeigt sich aber auch, wie sehr sich die Zeiten mit dem Internet geändert haben. Die Printfassung war ein ziemlicher Wälzer, der sich im Regal gut gemacht hat und der auch als Geschenk sicher häufig genutzt wurde. In der Onlinefassung zeigt sich schnell, wie limitiert eine solche Veröffentlichung bzgl. des Umfangs ist. Viele Artikel sind zu kurz und oberflächig.

Den ersten Artikel, mit dem ich nicht einverstanden bin, hab ich dann auch gleich gefunden. Kenner dieses Blogs werden schon erahnen, dass es sich um den Ortsnamen dreht und der unbelegten Spekulation, er ginge auf den Personennamen Darmund oder Darimund zurück: http://www.darmstadt-stadtlexikon.de/d/darmstadt-ortsname/. Diese Erklärung würde aufgrund des „häufigen Vorkommens der Endung -heim oder -stat in Verbindung mit einem Personennamen“ naheliegen.
Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Ursprung Darmstadts – Teil 3

Teil 1  Teil 2

Ein Oberbürgermeister, der nicht an den Ortsgründer glauben will

Obwohl es Mehrheitsmeinung unter Ortsnamensforschern blieb, dass Darmstadt sich vom Personennamen Darimund ableitet, gab es immer wieder auch Zweifler. Einer dieser Zweifler wurde später sogar Oberbürgermeister: Heinz Winfried Sabais. Mit dem plakativen Satz: „Ich glaube nicht an Darimund“ stellte er am 31. Dezember 1966 im Darmstädter Echo seine Thesen zum Ortsnamen Darmstadt vor. Er entwickelte gleich eine ganze Reihe von Erklärungen, wobei er die meisten davon selbst sofort wieder verwarf.

Einige dieser Ideen, die er dann selbst nicht so recht glauben wollte, waren:
Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Ursprung Darmstadts – Teil 2

zu Teil 1

Bewaffnete Förster

Nachdem man Darmstadt – rein spekulativ – zur Gründung eines Franken namens Darmund erklärt hatte, ließ man der Fantasie nun völlig freien Lauf. Darmund wurde bald – ohne Erklärung warum – meistens Darimund geschrieben. Und man beließ es keineswegs bei dieser kleinen Variation. Darimund wurde zum Wildhübner des Wildbanns Dreieich erklärt, dessen Wildhube dort gestanden haben soll, wo heute das Schloss steht. Darmstadt hätte damit seinen Ursprung nicht etwa in einer gezielten Besiedlung, mit der die Franken ihr neu erobertes Gebiet sichern wollten, sondern in der königlichen Freizeitgestaltung. Darmstadt wäre entstanden, weil der König bzw. Kaiser hier auf die Jagd gehen wollte.

Diese Auffassung hält sich hartnäckig. Auf der offiziellen Internetpräsenz der Stadt Darmstadt liest man:

Mehr von diesem Beitrag lesen