Leibgardistendenkmal

Das Echo über das Leibgardistendenkmal: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/darmstadt-laesst-das-leibgardistendenkmal-restaurieren_17154893.htm

Richtig an dem Artikel ist, dass man zwischen den Regimentern des 1. und des 2. Weltkriegs deutlich unterscheiden muss. Die „Reinwaschung“ des 1. Weltkriegs als „rein militärische Katastrophe“ ist aber genauso fragwürdig wie die pauschale Verurteilung aller Teilnehmer des 2. Weltkriegs. Neben den großen Unterschieden der beiden Kriege gibt es nämlich auch eine Menge Parallelen. Vor allem, wenn man sich mal mit der Propaganda, die vor und während des 1. Weltkriegs stattfand, näher beschäftigt hat, kann man kaum leugnen, dass die Ansichten über andere Völker sich nicht sehr von jenen während des 2. Weltkriegs unterschieden. Hitlers Sozialisierung als Rassist und Antisemit wurde maßgeblich durch die Propaganda des 1. Weltkriegs begünstigt und die allgemeine Verrohung der Menschlichkeit war auch eine Folge des 1. Weltkriegs und der Rechtfertigungspropaganda. Die Verharmlosung des 1. Weltkriegs als „größtenteils militärische Katastrophe“ (wie der Historiker Simon Winder es bezeichnet) ist für jeden, der sich ernsthaft mit der menschlichen Seite bei diesem Konflikt auseinandergesetzt hat, schwer zu ertragen.

Und dass diese vor unangebrachtem Pathos triefende Löwenstatue als „künstlerisch wertvoll“ bezeichnet wird, ist auch nur schwer nachvollziehbar. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Leute die Benennung der Schrecken des 2. Weltkriegs als selbstgefällige Pose vor sich hertragen, was die Schrecken des Krieges an sich aber betrifft, immer noch in den gefährlichen Denkmustern des 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts feststecken.

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Altes Hoftheater

Auf der Baustelle in der Alexanderstraße will man Reste des alten Hoftheaters bzw. dem alten Opernhaus entdeckt haben: http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Reste-des-Alten-Hoftheaters-auf-603qm-Baustelle-freigelegt;art1231,5958296.

Da nach der Entdeckung der viel spannenderen Fundamente des Hölzernen Hauses im Schlosshof kaum was passiert ist, hält sich meine Erregung darüber aber sehr in Grenzen, vorsichtig ausdrückt. Liegt aber vielleicht auch ein wenig daran, dass ich grade mein Bad sanieren lasse und staubige Mauer momentan wirklich nicht mehr sehen will. 😉

Datierung des Achteckhauses

Heute hat das Echo über die Neugestaltung der Freiflächen am Achteckhaus (Jazzclub) berichtet. In der Bildunterschrift wird bemerkt, dass das Haus 1627 erbaut worden sei. Als ich kürzlich einen Beitrag über die Pankratius-Vorstadt verfasst habe, war ich etwas vorsichtiger und sprach vage von einem vermutlichen Bau der 1630er-Jahren, weil mir die Quellen dazu nicht ganz eindeutig erscheinen. Ich habe den Beitrag jetzt aber trotzdem geändert und ein „vielleicht 1627“ eingefügt.

Die Datierung auf das Jahr 1627 geht auf eine Tauschurkunde zwischen Landgraf Georg II. und seinem Kanzler Dr. Antonius Wolff von Todenwarth vom 11. Oktober 1627 zurück. Dort ist von einem neuaufgebauten Haus zu Darmstadt am Aschaffenburger Tor stadteinwärts links zwischen Stadtwaage und Jägerhaus, vorne mit zwei Toren zur Gasse, hinten am Hundsgarten die Rede. Mit dem Aschaffenburger Tor (ein sonst nicht üblicher Name) kann eigentlich nur das Jägertor gemeint gewesen sein, das sich an der Ecke Alexanderstraße/Mauerstraße befand. Wo sich damals die Stadtwaage befand, ist mir grad nicht ganz klar, aber stadteinwärts links, ist für mich eigentlich die andere Straßenseite, also nicht dort, wo das Achteckhaus steht. Zudem dürfte mit dem Hundsgarten das Gelände der beiden Hundeställe des Jagdhauses gemeint gewesen sein. Auch diese dürften auf der anderen Straßenseite, also heute Richtung Erich-Ollenhauer-Promenade/Merckstraße, gelegen haben.

Fest steht, dass Wolff von Todenwarth im Besitz des Hauses war. Dieser hatte aber noch mehr Grundbesitz in der Gegend. Unter anderem verkaufte der Landgraf ihm 1632 auch den Arheilger Garten vor dem Sporertor zu Darmstadt zwischen dem Weg gen. der guthe mann und der Alten Straße nach der Bannwiese. Der Weg „der guthe mann“ entspricht etwa der heutigen Lauteschlägerstraße. Mit der Bannwiese könnte die Bangertswiese gemeint sein, muss aber nicht. Dann wäre die „Alte Straße“ vermutlich in etwa die heutige Pankratiusstraße. Wenn aber nicht, dann könnte das Achteckhaus auch erst nach 1632 von Todenwarth selbst erbaut worden sein.

Was nix kost…

Hurra, die Mathildenhöhe hat’s auf die Liste für die Bewerbung zum Weltkulturerbe der UNESCO geschafft. Was uns das bringt: nochmal 560.000,- € zusätzliche Kosten. Dankeschön. Dabei hatten Grüne, CDU und FDP doch vor zwei Jahren behauptet, dass die Aufnahme auf die sogenannte Tentativliste keine Kosten verursachen würde. Die Aufnahme nicht, nur der vorauseilende Gehorsam. Die Frage, die ich damals in einem Beitrag hier gestellt habe, ob denn irgendwem was fehlen würde, wenn die Mathildenhöhe kein Weltkulturerbe wird und was denn nun der genaue Nutzen dieser Auszeichnung wäre, hat mir übrigens bis heute immer noch niemand befriedigend beantworten können.

Weltkulturerbefarce

Ein paar ungeordnete Gedanken über eine aktuelle Diskussion.

Die Mathildenhöhe soll jetzt also Weltkulturerbe werden. Zumindest hat die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag den Beschluss gefasst, einen Antrag auf Aufnahme der Mathildenhöhe in die Warteliste zu stellen, gegen die Stimmen von Uwiga, Linke und Teile von Uffbasse. Da stellen sich natürlich einige der typischen Fragen, zum Beispiel: warum? Oder: was nützt uns das? Und die grundsätzlich immer aufkommende Frage: Was kost’s?

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Das Nachbarhaus der Krone

Es gibt ja die Ansicht, dass Archäologie die gezielte Zerstörung eines Fundes ist. Das hat dazu geführt, dass immer seltener Funde überhaupt wirklich untersucht werden, weil man nichts zerstören will. So geht’s zum Beispiel der Menhiranlage bei Roßdorf, bei der eine konsequente, gezielte archäologische Grabung sensationelle Erkenntnisse hervorbringen könnte. Da man aber einen (an sich ja schon größtenteils zerstörten) Fund nicht zerstören will, bleiben wir eben dumm.

Wenn es nicht um wirklich große Fundstätten geht, muss die Zerstörung eben aus ökonomischen Gründen angezeigt sein, damit man Entdeckungen macht, so wie jetzt beim Abriss des Saladin-Gebäudes. Da ist urplötzlich ein vergessenes Fenster aufgetaucht. Viel interessanter als das Fenster finde ich aber den sich deutlich abzeichnenden „Abdruck“ eines ehemaligen Nachbargebäudes (Bild 6 in der Echo-Galerie).
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