Gedankenfetzen zum Krieg (6)

Der Krieg hat übrigens nicht erst dieses Jahr begonnen, sondern bereits 2014. Dieses Jahr ist er lediglich weiter eskaliert.

Ich empfehle hierzu ein Buch, das man eigentlich gelesen haben sollte, um mitdiskutieren zu können: Stanislaw Assejew: In Isolation – Texte aus dem Donbass ist eine Sammlung journalistischer Texte, die Assejew in den Jahren 2014 bis 2017 über die Situation im Donbass geschrieben hat. Als der russische Einmarsch vor Kiew zum Stocken kam, wurde viel darüber geredet, dass Putin sich so sehr mit Ja-Sagern umgeben hätte, dass er über die tatsächliche Situation in der Ukraine schlecht informiert war, dass er erwartet hätte, mit offenen Armen als Befreier empfangen zu werden. Liest man Assejews Texte kommt man zu dem Schluss, dass eigentlich wir schlecht informiert waren, denn Assejew nannte das Buch „In Isolation“ unter anderem deshalb, weil er sich im Donbass isoliert fühlte, da er nach wie vor zur Ukraine hielt.

Die Situation war festgefahren. Die Ukraine schaffte es nicht, die Gebiete zurückzuerobern und die Ukraine-Befürworter fühlten sich von Kiew im Stich gelassen. Gleichzeitig kamen aber auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Separatisten nicht voran. Man beschoss sich gegenseitig mit Waffen, die zum Teil aus Russland und zum Teil auch aus dem Westen kamen, aber es war eine Pattsituation.

Für Putin war das ein Problem, denn der eigentliche Plan einer schrittweisen Aneignung des Ostens, den er mit der Krim begonnen hatte, funktionierte offenbar nicht. Daher eskalierte er den Krieg, um eine schnelle Entscheidung herbeizuführen.

Deswegen war Selenskyj zu Beginn des Krieges zu Verhandlungen und Gebietsabtretungen bereit. Er konnte sie von den Separatisten nicht zurückerobern, wie sollte das dann gegen die russische Armee funktionieren? Es ging darum, den Westen der Ukraine, ohnehin das Gebiet, aus dem er in Zukunft weniger Opposition zu erwarten hat, zu retten. Dann aber lieferte die Nato so viele Waffen, dass man nahezu auf Augenhöhe kämpfen kann. Mit dem Ergebnis, dass die Eskalationsstufe im Donbass jetzt um ein vielfaches höher ist, die militärische Pattsituation aber ähnlich wie seit 2014. Wenn der Westen nicht als Gegenleistung für die Waffenlieferung Aufnahme von Friedensverhandlungen fordert, wird der Krieg noch Jahre dauern.

And I begged her, give me horses
To trample down my enemies
So eager was my passion
To devour this waste of life

But she wouldn’t think of battle that
Reduces men to animals
So easy to begin
And yet impossible to end

Uriah Heep, Lady in Black

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