Stand der Dinge

Es wird sicher schon jeder gemerkt haben, aber viel los ist hier in letzter Zeit nicht mehr. Ich hatte in den letzten Wochen/Monaten mehrere Versuche gestartet mich zu motivieren, bspw. hatte ich einen Beitrag über die Baugeschichte des Schlosses begonnen, dann aber nach etwa der Hälfte die Lust dran verloren. Zwei/drei andere Versuche verliefen ähnlich, so dass ich mir eingestehen muss, dass ich allgemein ein wenig die Lust an der Stadtgeschichte verloren habe.

Gelegentliche Kommentare zur Kommunalpolitik sind nach dem “Relaunch” meines Blogs angesichts der Vorgeschichte mit Heinertown auch eher selten geworden und waren eigentlich auch nie der eigentliche Kern des Blogs. Ich war und bin nur der Meinung, dass man einen politischen Standpunkt haben und den auch gelegentlich zum Ausdruck bringen sollte, und in einem Blog über die Darmstädter Stadtgeschichte bietet sich das auch geradezu an, denn der offizielle Spagat der Stadtoberen zwischen den Ehrungen des großherzoglichen Schmarrns und den Ehrungen Georg Büchners ist eigentlich ziemlich bizarr – oder drücken wir es netter aus: willkürlich und dadurch irgendwie inhaltslose Worthülsen.

Ich habe aber keinerlei Interesse an einen kommunalpolitischen Blog. Nach der Aktion von Heinertown damals hab ich bei einigen Leuten zwischen den Zeilen durchaus deutlich lesen können, dass eigentlich von mir erwartet wurde, dass ich mich dagegen zur Wehr setze und nicht klein beigebe, wie ich es dann getan habe. Genau da lag aber eines der Probleme, nachdem mich mehrere Parteien bzw. Wählergruppen und sowohl die Online- als auch die Printredaktion des Echos deswegen kontaktiert hatten, wurde mir klar, dass ich im Begriff war, ein kommunalpolitisches Thema zu werden, und zwar nicht wegen irgendwas inhaltlichem, sondern als Person. Mit dem Gedanken konnte ich mich nun überhaupt nicht anfreunden, am Ende vielleicht sogar von Fremden auf der Straße erkannt zu werden. Außerdem hatte ich nicht das Gefühl, dass es bei einer juristischen Auseinandersetzung wirklich um Meinungsfreiheit ginge, sondern das Ganze einfach nur eine Provinzposse werden würde. Daran wollte ich nicht teilhaben. Also hab ich die Reißleine gezogen, um mich ganz für mich alleine und wieder rein privat mit der Stadtgeschichte beschäftigen zu können. Dass mir das einige als falsch oder gar feige ausgelegt haben dürften, hab ich dabei mit einkalkuliert und kann auch damit leben.

Dass ich dann, nachdem sich die Wogen geglättet hatten, wieder einen Blog eröffnete, war irgendwo folgerichtig, zumal ich die Beschäftigung mit diesem Thema im Netz vermisste. Jetzt aber fühle ich mich irgendwie leer was das Thema Darmstadt betrifft. Wenn ich mich überhaupt damit beschäftige, dann kreisen meine Gedanken nur um Themen, über die ich hier schon ausführlich geschrieben habe, und noch mal darüber schreiben mir wie eine ständige Selbstwiederholung vorkäme.

Kurzum: als regelmäßiges Projekt werde ich den Blog beenden. Solange WordPress nicht aus irgendeinem Grund den kostenfreien Betrieb kappt, werde ich aber natürlich alle Beiträge stehen lassen. Wäre ja schade darum. Hin und wieder werde ich sicher auch mal einen Beitrag schreiben, z.B. wenn das Echo mal wieder Quark über die Stadtgeschichte schreibt. Wenn mir was auf den Nägeln brennt, das nichts direkt mit der Stadtgeschichte zu tun hat (dann also wohl Kommunalpolitik), werde ich auch das sicher schreiben. Aber ob das Morgen sein wird, in einem halben Jahr oder vielleicht sogar später, kann ich nicht sagen.

Ansonsten werde ich mich anderen Dingen widmen. Neben Privatem spiele ich mit dem Gedanken einen Blog über eine andere Leidenschaft von mir aufzumachen: Folkmusik (primär irisch, schottisch, aber auch die davon stark beeinflusste amerikanische). Da ich da über die Hintergründe aber selbst noch viel zu lernen habe, dürfte das ein gänzlich anderer Blog werden, mehr eine persönliche Suche nach Interpretationen als ein Präsentieren von Fakten, mit der Prämisse der Folkmusik als (sehr frei nach einem berühmten Zitat von Woody Guthrie) Gegenentwurf des aktuellen “Urheberrechtssongwriting” als lebendiges, sich ständig – sowohl musikalisch als auch inhaltlich – veränderndes und weiterentwickelndes Gemeinschaftsprodukt. Ganz genau weiß ich das aber noch nicht.

Bis dahin.

Mein Wunsch für die Zukunft: kritischere Historiker

Heute im Echo ein Artikel von Peter Engels über den Wiederaufbau der Stadtverwaltung nach dem 2. Weltkrieg: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/demokratie-mit-erlaubnis-der-amerikaner_15842248.htm

Der Artikel ist etwas dröge geschrieben. Das liegt wohl daran, dass Engels zu viele Aspekte in zu wenig Text unterbringen musste. Immerhin muss man ihm positiv zugestehen, dass er zumindest in diesem knappen Rahmen um ein komplettes Bild bemüht war. Ludwig Metzger wird nicht – wie sonst immer – durchweg gelobhudelt, sondern zumindest ganz leicht lässt Engels auch mal Kritik zu, als er z.B. erwähnt, dass Metzger nie eine schlüssige Begründung für seine zeitweilige Zusammenarbeit mit der KPD geben konnte. Dass die einzig schlüssige Begründung eigentlich nur Machtkalkül gewesen sein kann, schwingt da zwischen den Zeilen mit.

Ein paar andere Stellen bereiten mir dagegen etwas Bauchschmerzen. Dass Metzger sich der Anweisung der Amerikaner verweigerte, alle ehemaligen NSDAP-Mitglieder aus der Stadtverwaltung zu entlassen, wird mit dem Satz beschrieben:

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Was Niebergall sonst noch so geschrieben hat…

Angesichts der spontanen Politisierung einer Aufführung des unpolitischen Datterichs und auch der aktuellen Glorifizierung Ernst Elias Niebergalls angesichts des Jubiläumsjahrs fiel mir ein, dass Niebergall tatsächlich ein politisches Werk verbrochen hat: “Der Mann aus Marais” heißt es und hat die französische Revolution zum Thema. Ich muss zugeben, dass ich nur die ersten zwei Sätze davon kennen, weil sie Georg Hensel im Anhang zur 1975er Ausgabe des Datterichs zitiert, diese Sätze haben es aber schon in sich:

Frankreich hatte die heiligen Bande des Königtums gebrochen, um sich in die drückenden Fesseln seiner Stellvertreter schmieden zu lassen. Aber Ludwigs XVI. schuldloses Haupt, dem zügellosen Pöbel hingeworfen, konnte den aufsteigenden Sturm nicht beschwören…”

Laut Hensel geht es in dem Werk um einen “royalistischen Vater, [der] aus Pflichtgefühl seinen republikanischen Sohn dem Tod [überlässt]”.

Vielleicht sollte man im Jubiläumsjahr auch mal über die Werte reden, denen Niebergall offenbar anhing. Vielleicht ist Niebergall ja doch der richtige Held für gewisse Leute… ;-)

Datterich gestern

War da jemand gestern zufällig dabei und weiß näheres?: http://www.echo-online.de/nachrichten/kunstundkultur/Demonstration-stoert-Datterich-Auffuehrung-in-Darmstadt;art1161,6296896
Wirkt auf mich etwas unkoordiniert.

Zumindest, was man eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, sollte rüberkommen. Das einzige, was ich halbwegs zu erkennen glaube, ist ein Hinweis darauf, dass das Stück teilweise von Lokalprominenz gespielt wird, deren Biographie eher dem Gegenteil der Rollen, die sie verkörpern, entspricht. Aber dass auch Stücke, die im weitesten Sinne von der sozialen Unterschicht handeln (stimmt beim Datterich ja nicht mal 100%-ig), später von der Oberschicht zur Selbstbeweihräucherung vereinnahmt werden, ist ja ein eher gewöhnliches Phänomen. Die lokale Selbststilisierung eines Markwort finde ich auch eher was zum fremdschämen. Aber deswegen eine Theateraufführung zu unterbrechen? Wenn man stört, dann so, dass auch klar und nachvollziehbar wird, warum das geschieht. Sonst tut man dem Publikum, an das man das richtet, und dessen Fähigkeit zur Selbstreflektion auch gewaltig unrecht und sorgt dann erst recht dafür, dass man selbst nicht ernst genommen wird.

Update:

also, aus der weiteren Berichterstattung lässt sich erschließen, dass es wohl hauptsächlich darum ging, dass Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, im Stück den Bennelbächer gespielt hat. Angesichts der Griechenland-Berichterstattung der BILD wurde es wohl als unpassend und zynisch empfunden, dass Döpfner in einem Stück über einen notorischen Schuldner mitspielt. Die Aktion war wohl sehr spontan und dementsprechend unbeholfen und undurchdacht wirkt sie auch. Ein inhaltlicher Vergleich zwischen Datterich und Griechenland, nur weil bei beidem irgendwo mal das Wort Schulden auftaucht, ist aber eher konfus und weit hergeholt und eigentlich sogar ein Eigentor, wenn man sich das Stück mal ganz genau ansieht.

Man könnte nämlich durchaus der Meinung sein, dass der Datterich an seiner Misere ein wenig selbst schuld ist – zumindest Bennelbächer ist im Stück dieser Meinung: “Ich for mei Dahl spiel net mer mit em: ma kann nor bei em valihrn. Mit seine poor Batze, wo er in seim brodkrimmelige Sack hot, will er Ahm des Geld erausluppern: wie er gewinnt, do werd’s vafresse un vasoffe, un Ahm sei Geld is aus dem Spiel. Valihrt er, do bleibt er’sch Ahm schullig un ‘mer krikt nix, un iwwadem bemohkelt er, daß mer’m net genug uf die Finger gucke kann. Mich soll er lahfe losse.” – so gesehen war Döpfner vielleicht sogar die Idealbesetzung ;-).

Wir sind die …

Eine kleine Randbemerkung im Echobericht über die Lilienfeier, die vor lauter Uffstiech nicht untergehen sollte, wie ich finde:

[…] und in der Mitte, auch für die Kameras gut sichtbar, schwebt ein Geist: Der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber, von dem seine anwesenden Parteifreunde auf Anfrage übereinstimmend berichten, sie hätten ihn zuletzt vor zwei Jahren in Darmstadt erblickt. http://www.echo-online.de/sport/svdarmstadt98/Lilien-feiern-Triumph-mit-Tausenden-Fans;art1168,6250776

Und gerade vorhin hatten wir bei einem viel zu frühen Glas Bier auf der Bastion darüber diskutiert, was davon zu halten ist, dass Partsch nicht am Karolinenplatz gesprochen hat. Ich hab da noch ein wenig zynisch bemerkt, dass die OB-Wahl noch zu weit weg ist. Aber wenn ich jetzt das mit dem Huber lese, ist es doch irgendwie sympathisch, dass sich nicht bei jeder Gelegenheit beim Urnenpöbel angebiedert wird. ;-)

Wahrheit ist geschäftsschädigend

Ach, wenn man einmal mit dem Frankenstein anfängt, ergeben sich immer gleich jede Menge andere Dinge. Eines, was ich gerade erfahren habe, ist folgendes:

Die staatliche Schlösserverwaltung des Landes Hessen hat in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein 50.000 Exemplare eines Faltblatts drucken lassen (müsste das hier sein, gibt’s auch in Englisch). Es ist die typische kostenlose Auslegeware für interessierte Touristen, wie man sie auf fast allen Burgen und Schlössern findet. Finanziert wurde der Druck von Steuergeldern. Als Gaststättenbetreiber einer Burggaststätte sollte man für so ein Geschenk des Landes Hessens und engagierter Bürger eigentlich dankbar sein, sollte man meinen. Nicht so jedoch auf der Burg Frankenstein, denn der Gaststättenpächter Mathias Bührer, der da oben Hausrecht hat, weigert sich das Faltblatt zu verteilen. Der Grund? In dem Faltblatt steht eben auch, dass die häufig getroffene Behauptung einer Verbindung der Burg mit Mary Shelleys Roman Frankenstein oder der moderne Prometheus unhaltbar ist. Das stimmt zwar, ist aber eine geschäftsschädigende Feststellung.

Wer mal da oben im Restaurant zu Gast ist, kann Herrn Bührer ja mal auf das Faltblatt ansprechen. Ist doch schade, dass der Steuerzahler da etwas bezahlen muss, das dann niemand nutzen kann, weil es dem persönlichen Geschäftsmodell eines Gaststättenbetreibers widerspricht.


Disclaimer/Haftungsausschlussklausel: Dieser Blogeintrag ist nicht geschäftsschädigend! Leute an der Nase herumführen dagegen schon.

Altes Hoftheater

Auf der Baustelle in der Alexanderstraße will man Reste des alten Hoftheaters bzw. dem alten Opernhaus entdeckt haben: http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Reste-des-Alten-Hoftheaters-auf-603qm-Baustelle-freigelegt;art1231,5958296.

Da nach der Entdeckung der viel spannenderen Fundamente des Hölzernen Hauses im Schlosshof kaum was passiert ist, hält sich meine Erregung darüber aber sehr in Grenzen, vorsichtig ausdrückt. Liegt aber vielleicht auch ein wenig daran, dass ich grade mein Bad sanieren lasse und staubige Mauer momentan wirklich nicht mehr sehen will. ;-)

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