Heimatkundlicher Forschungsstillstand (2)

Im Nachgang zum vorherigen Beitrag habe ich noch ein paar Dinge nachschlagen wollen und da bin ich über etwas gestolpert, das mir eine Ergänzung wert ist.

Peter Engels macht als Stadtarchivar eine gute und wichtige Arbeit, die ich sehr schätze. Er hat aber auch einen schwachen Fuß, und das ist die Vorgeschichte. Da hat er schon des Öfteren Aussagen getroffen, die mich sehr verwundert haben.

So steht beispielsweise in dem von ihm verfassten und 2002 erschienenen „Geschichte Bessungens“:
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Heimatkundlicher Forschungsstillstand

Das Echo druckt zurzeit in loser Folge Artikel aus dem Buch „Darmstädter Geheimnisse“. Untertitel „Spannendes aus der Heimat der Heiner mit Kennern der Stadtgeschichte“. Zumindest das, was das Echo bislang abgedruckt hat, hält das Versprechen des Untertitels leider nicht.
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Verschleppter Hindenburg

Eine Anfrage des Darmstädter Echos hat ergeben, dass seit dem Magistratsbeschluss, die Hindenburg- und sieben weitere Straßen umzubenennen, absolut nichts passiert ist.

Der aktuelle Zeitplan ist folgender:

– am 26. August gibt es ein Symposium mit Experten
– am 02. September eine Informationsveranstaltung für Bürger und
– am 18. September eine Ausstellung zu den Ergebnissen des Straßenbenennungsbeirats
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Meistgelesen 2019

Mal wieder Zeit für etwas Statistik.

Insgesamt bin ich überrascht, dass mein Blog trotz mäßigem Outputs doch immer noch ordentliche Zugriffe hat. Ein Rückgang ist aber auch deutlich spürbar. 2016 hatte ich etwa dreimal so viele Zugriffe wie 2019. Auch war kein 2019 veröffentlichter Beitrag in den Top 10.

Spitzenreiter ist nach wie vor der Beitrag über den Darmstädter Heiner. Erstaunlich, welches Interesse ein vermutlich erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommener Spitzname weckt, der nur durch den damaligen Heimatkunde-Hype popularisiert wurde.

Mit Abstand dahinter liegt Shakespeares Totenmaske, wobei der besser strukturierte Nachfolgeartikel weit abgeschlagen erst auf Platz 13 liegt. Da stellt sich die Frage, ob man ältere Texte nicht grundsätzlich überarbeiten und in neuere Beiträge einarbeiten sollte. Nur ist ein Blog mit Zeitstempel dazu eigentlich nicht gedacht.

Das Thema Frankenstein und Dippel scheint sich dagegen zumindest im deutschsprachigen Raum erledigt zu haben. Kein Artikel dazu hatte mehr als 30 Zugriffe. Da Walter Scheele meines Wissens dazu gar nichts mehr macht, auch keine Führungen mehr, wird deutlich, wie sehr das Thema an seiner Person hing. Meiner Meinung nach war der Sargnagel aber schon früher, als er mit Nazi-Ufos anfing. Da haben selbst die ihm wohlwollend Gesonnenen nicht mehr hinter ihm stehen können. Die Auswirkungen davon haben eben nur ein bisschen gedauert.

Im englischsprachigen Raum scheint es auf dem ersten Blick noch Thema zu sein, zumindest taucht mein englischsprachiger Beitrag dazu auf Platz 4 auf. Andererseits ist der englischsprachige Raum aber auch viel größer und der Artikel ist in der englischsprachigen Wikipedia verlinkt. Dafür sind die gerade mal dreistelligen Zugriffe dann doch sehr überschaubar – und nebenbei ein Indiz für die geringe Reichweite von Quellangaben bei Wikipedia.

Weitere Artikel mit ordentlichen Zugriffszahlen sind: Stadtentwicklung bis 1900, Darmstadt im Krieg, Die Teufelsklaus auf dem Herrgottsberg, Geschichte der Juden in Darmstadt (hier habe ich leider immer ein wenig die Befürchtung, dass so einige, die danach suchen, etwas völlig anderes finden wollen), Hexenverfolgung 1582 – Teil 1, Die irren Herrscher von Darmstadt, Riwwelmatthes und Der Ursprung Darmstadts – Teil 1.

Bei den beiden mehrteiligen Artikeln fällt jedoch auf, dass der jeweilige 2. und 3. Teil deutlich weniger Zugriffe hat. Leider ein Indiz dafür, dass die jeweils 1. Teile nicht ausreichend Interesse wecken konnten.

Ein paar Artikel, die meiner Meinung nach sowohl letztes Jahr, als auch insgesamt deutlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, sind:

Beiträge zur Stadtgeschichte:

  • Ein wunderlicher Bibliothekar – Karl Wunderlich war Sammler von Zauberbüchern und auch sonst ein wunderlicher Zeitgenosse.
  • Der Brief Simon Leisrings an Landgraf Georg II. – Leisring war Superintendent und schickte am 19. Februar 1635 einen Brief an Landgraf Georg II., in dem er die Situation in der Stadt beschrieb, die in diesem Jahr als Folge des 30-jährigen Krieges und eines Pestausbruchs kurz vor der vollständigen Auslöschung stand.
  • Der Hainumstreit und die Entstehung der Fasanerie
  • Die Darmstädter Kolonie am Llano – 1847 gründete eine Gruppe Darmstädter eine kommunistische Kolonie in Texas – eine meiner Meinung nach filmreife Geschichte. Wo sind die Werner Herzogs von heute?
  • Der Eselsritt des bösen Hunderts – Hier ist auch interessant, was man über den Eselsritt in der geschichtlichen und heimatkundlichen Literatur bis heute liest. Aus den Quellen geht nämlich was ganz anderes hervor.
  • Fahrendes Volk – An den als „Zigeuner“ bezeichneten Gruppen kann man einen über Jahrhunderte hinweg gesellschaftlich getragenen Rassismus darlegen, der bis in unsere heutige Zeit hineinwirkt.
  • Der Fall Dorothea Daniel – Dorothea Daniel wurde Opfer mehrerer Vergewaltigungen und deswegen anschließend wegen Ehebruchs hingerichtet. Sie war bei Weitem nicht das einzige Opfer von Gesellschaft und Justiz, aber das Beispiel ist besonders eindringlich.
  • Darmund und seine Freunde – Überlegungen zu Ortsnamen in Hessen
  • Was Niebergall sonst noch so geschrieben hat… – Ein nur kurzer Hinweis bzw. ein nur kurzes Zitat des Datterich-Autoren, der Niebergall jedoch in einem ganz anderen Licht darstellt als den knuffigen Mundart-Onkel, der den Darmstädtern so einige geflügelte Mundart-Aphorismen geschenkt hat. Tatsächlich war er ein vehementer Gegner der Französischen Revolution, der Demokratie und der Republik, ein Befürworter einer autoritären Monarchie und ein Apologet Ludwigs XVI.

Politisches:

Darüber hinaus kann ich auch nicht verstehen, weshalb der Steinkreis auf der Scheftheimer Wiese auf so wenig Interesse stößt. Ich selbst habe ihn aber nur in einem allgemeinen Artikel über die vorgeschichtliche Zeit eingebaut: Aus der Vorzeit: Menhire und Steinkreise.

Pizarro bat nicht um Asyl

Eine Meldung der letzten Tage, die nach meinem Eindruck etwas unterging, war das Urteil eines Gießener Verwaltungsrichters zu der Frage, ob der NPD-Slogan: „Stoppt die Invasion: Migration tötet! Widerstand jetzt“ volksverhetzend ist.

Der Straftatbestand der Volksverhetzung ist in Abwägung mit der Meinungsfreiheit eine sehr komplizierte Sache und muss ständig neu interpretiert werden. Von daher ist die Frage, ob der Straftatbestand hier erfüllt wurde oder nicht, durchaus diskutabel.

Was aber beunruhigend ist, ist die richterliche Begründung, weshalb der Slogan den Straftatbestand nicht erfüllt. Nicht etwa, weil er nicht so weit ginge, als dass er nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt wäre, sondern weil die Behauptung „Migration tötet“ „empirisch zu beweisen“ wäre. Als Beispiel führt er den Untergang des Römischen Reichs und der Inka an.
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Sinn und Unsinn von Streiks im Öffentlichen Nahverkehr

Ab Dienstag wollen die Busfahrer mal wieder streiken…

Das Streikrecht gehört zu den wichtigsten Rechten, die die Demokratie hervorgebracht hat, weil es eine Demokratisierung des strukturell noch feudal angelegten Wirtschaftssystems zufolge hatte. Auch wenn der Streik, so wie er bei uns heute üblicherweise organisiert wird, eher oligarchisch als demokratisch ist, ist das Streikrecht eines der wichtigsten Instrumente des sozialen Ausgleichs, denn wie sollte der wirtschaftlichen Macht von Konzernen etwas entgegengesetzt werden ohne eine Organisation der Arbeiterschaft und Angestellten in Gewerkschaften?

Das Problem ist, dass der Streik heute nicht als ultima ratio dient, sondern als ein geläufiger Verhandlungsschritt während Tarifverhandlungen. Das bedeutet, dass das bereits in der Verhandlungsstrategie der Arbeitgeber mit einkalkuliert und dementsprechend auch in den ersten Angeboten der Arbeitgeber schon eingepreist ist. Das erste Angebot ist daher bewusst deutlich schlechter als das, was man bereit ist, zu geben. In Verhandlungen geht man immer mit Verhandlungsmasse.
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Meinungen anderer Leute

Heute mal etwas aus der Rubrik: Wenn man selbst keine Zeit oder Lust hat, was zu schreiben, einfach mal auf Geschriebenes von anderen verweisen.

Carsten über die politischen Aussagen eines leitenden Beamten der Darmstädter Straßenverkehrsbehörde: http://blog.neunmalsechs.de/2019/10/10/wer-macht-die-verkehrspolitik-in-darmstadt/

Ich habe den Fall selbst nicht beobachtet und überhaupt eben erst davon erfahren, weshalb ich mich zumindest vorerst nicht konkret dazu äußern werde, aber prinzipiell ist es in Zeiten, in denen alle politischen Richtungen versuchen, komplexe gesellschaftliche Entwicklungen auf lineare, klar strukturierte Ursachen zu simplifizieren, vielleicht nicht schlecht sich bewusst zu machen, dass eine menschliche Gesellschaft ein chaotisches System ist, das man nicht wie bei einem Computerspiel durch ein Dutzend Stellschrauben kontrollieren kann, da die Realität ein offenes System ist.

Nebenbei, kleine Randbemerkung: Ich persönlich habe nie ein Auto besessen, außer Spielzeugautos als Kind und ein paar 1:18-Modelle als Jugendlicher. Ich hab’s überlebt… auch wenn’s einige Mal knapp war, weil es für Linksabbieger offenbar eine Zumutung ist, Fußgänger über die Ampel zu lassen.

Ach, und weil ich beim Verlinken anderer Blogger bin, Marcs Beitrag hier: https://zeitsturmradler.de/2019/10/08/quick-copy-paste-gewalt-in-partnerschaften-und-linksextreme-straftaten/ fand ich auch gut.