Bevor es Darmstadt gab

Die frühesten menschlichen Spuren auf dem Gebiet des heutigen Darmstadts sind etwa 7.000 bis 8.000 Jahre alt und gehen auf die Bandkeramiker zurück, einer steinzeitlichen Kultur von Ackerbauern. Ihre Siedlungen bestanden nur aus wenigen Langhäusern, aus heutiger Sicht eher Höfe als Dörfer. Viele dieser Dörfer dürfte es in der Darmstädter Umgebung nicht gegeben haben. Die Bodenbeschaffenheiten waren zu schlecht für größere Siedlungstätigkeiten.

Eine erste Blüte erlebte der Siedlungsraum vor etwa 4.500 Jahren. Der nur noch in Überresten vorhandene Steinkreis auf der Scheftheimer Wiese kurz vor Roßdorf deutet auf ein kulturelles Zentrum hin. Er liegt weit abseits anderer Funde der sogenannten Megalithkultur und dürfte von größerer Bedeutung sein, als ihm heute zugestanden wird.

Ab dieser Zeit wird es unübersichtlich.

Früher neigte man dazu, Kulturen zeitlich strikt zu trennen. Im Darmstädter Raum bedeutete dies, dass zuerst die Bandkeramiker kamen, dann die Rössener Kultur, dann die Schnurkeramiker, dann die Glockenbecherleute, dann die Hügelgräberkultur, dann die Hallstattkultur, dann die Kelten, dann die Sueben, dann die Römer, dann die Alemannen und schließlich die Franken. Ein Nebeneinander wurde allenfalls in Übergangsphasen zugestanden.

Aus heutiger Sicht ist das zu schematisch. Die Übergänge waren fließend. Es muss von einem multikulturellen Nebeneinander ausgegangen werden, das sich in der römischen Zeit mit der gleichzeitigen Existenz von Römern, Kelten und Germanen noch verstärkte, zumal Kelten, Germanen und, zumindest was ihre Legionen betraf, auch die Römer bereits ein Konglomerat unterschiedlicher Völker und Stämme waren. Auch spätere „Völker“ wie die Franken und die Alemannen waren Zusammenschlüsse kleinerer Stämme.

Darmstadt selbst dürfte spätestens im 8. Jahrhundert gegründet worden sein, vermutlich jedoch um einige Jahrhunderte früher. Schon im 1. Jahrhundert vor Christus muss eine durch die Sueben gegründete Vorgängersiedlung am Standort der mittelalterlichen Stadt existiert haben. Ob von diesem Zeitpunkt an eine durchgängige Siedlung bestand, diese durch die Alemannen neu gegründet wurde oder erst in der Zeit der fränkischen Landnahme wieder entstand, ist weder aus Funden noch aus Dokumenten rekonstruierbar.

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