Überlegungen zu den Parallelen zwischen Südhessen und der Wetterau

Ich habe immer wieder versucht Parallelen zu ziehen zwischen den -Stadt-Orten Südhessens und jenen in der Wetterau. Dabei habe ich die Hypothese aufgestellt, dass diese -Stadt-Orte keine simple Siedlungstätigkeit widerspiegeln, sondern einen strategisch-militärischen Hintergrund in der Zeit des fränkisch-alemannischen Konflikts haben könnten, bspw. als kleine militärische Wachposten, die vielleicht mit Leuchtfeuern wichtigere Stützpunkt vor Angriffen warnen konnten.

Sinn macht das aber nur, wenn man eine zentrale Befestigung hat, in der man für solche Fälle die sehr begrenzte Anzahl an Truppen zusammenziehen kann. In der Wetterau gibt es diesen Punkt: den Glauberg. Dieser war nicht nur Standort der keltischen Höhensiedlung, für die er heute so berühmt ist, sondern später stand dort auch die Höhensiedlung eines alemannischen Kleinkönigs, die noch später durch eine fränkische Großburg ersetzt wurde.

Auffällig ist, dass es auf der einen Seite des Glaubergs eine Kette von nah beieinander liegenden -Stadt-Orten gibt und auf der anderen Seite gar keine. Wenn wir die Möglichkeit eines unwahrscheinlichen Zufalls ausklammern, ist dies nur auf eine Weise erklärbar: es sind Orte, die in einer sehr kurzen Zeitspanne zur Sicherung eines Grenzgebietes entstanden sind. Eine spätere, „normale“ Siedlungstätigkeit hätte auch zumindest einige -Stadt-Orte auf der anderen Seite des Glaubergs hervorgebracht.

Vor diesem Hintergrund kommt nur der Konflikt zwischen den Franken und den Alemannen infrage. Daraus wiederum ergibt sich nahezu zwangsläufig, dass die -Stadt-Orte einen militärischen Hintergrund gehabt haben müssen. Aber welchen genau? Und zu welcher Seite gehörten sie?

Man muss bedenken, dass Europa zu jener Zeit deutlich dünner besiedelt war als heute. Kampffähige Männer waren rar. Für die einfallenden Franken hätte es wenig Sinn gemacht, die Kampfkraft in lauter kleine Einheiten aufzusplitten, um eine Burg zu belagern, die erst auf dem übernächsten Hügel lag. Sie hätten sich auch nicht über längere Zeit dort eingerichtet und Höfe, aus denen vermutlich diese Orte entstanden sind, gegründet, sondern versucht, den Glauberg möglichst schnell zu erobern. Am besten so schnell, dass die Verteidiger keine Chance hatten, sich auf den Angriff vorzubereiten, Truppen zusammenzuziehen, zusätzliche Vorräte anzulegen, etc.

Aus demselben Grund machte es allerdings für die Alemannen Sinn, dort kleine Stützpunkte anzulegen. Nach Süden und Osten hat man vom Glauberg einen großartig weiten Blick, jegliche Gefahr wäre früh auszumachen. Richtung Westen und Norden ist das allerdings nicht so. Tatsächlich liegen mit nur einer Ausnahme die Stadt-Orte hinter einer Erhebung, die die Sicht vom Glauberg aus verdeckt. Sowohl große Armeen, als auch kleine Spähtrupps könnten sich nahezu ungesehen dem Glauberg auf weniger als 5 Kilometer nähern. Auf der anderen Seite eine Kette von Stützpunkten zu haben, die mit Lärmfeuern nahende Gefahren schnell zum Glauberg übermitteln konnten, damit man dort Vorbereitungen treffen konnte, erklärt die Anordnung der -Stadt-Orte sehr gut, besser als simpler Zufall oder Orientierung entlang einer Straße.

Und während Ranstadt, die beiden Mockstadts und die beiden Florstadts in erster Linie das Tal überblicken, scheinen Orte wie Wöllstadt, Ilbenstadt, Bönstadt und Erbstadt nach Süden und Südwesten Richtung Frankfurt ausgerichtet zu sein, mutmaßlich um vor einem Einfall aus Südwesten zu warnen. Die Stat-Orte decken also die beiden möglichen Richtungen ab, aus denen die Franken den Glauberg ansteuern konnten.

Eine ähnliche Struktur finden wir in Südhessen, allerdings ist es hier bei Weitem nicht so eindeutig. Eine Linie von Stockstadt bis Eberstadt scheint den Weg nach Süden abzudecken, nördlich davon scheinen die Stadt-Orte Richtung Mainz ausgerichtet zu sein, die Ramstadts den Weg in den Odenwald abzuriegeln und Bürstadt/Bobstadt wiederum blocken den Weg von Worms aus. Es ist alles aber deutlich weniger offensichtlich als in der Wetterau. Möglicherweise war es schlechter durchdacht, die Orte entstanden in mehreren Wellen oder die örtlichen Begebenheiten mit dem sumpfigen Boden und dem Altneckarbett waren maßgeblicher als strategische Überlegungen.

Das größte Problem ist allerdings, dass anders als in der Wetterau kein zentraler Stützpunkt bekannt ist. Ohne solch einen Stützpunkt macht eine Kette von Warnposten aber keinen Sinn, denn keiner dieser Orte wäre für eine tatsächliche Verteidigung geeignet, sondern nur dafür, Truppen rechtzeitig in Alarmbereitschaft zu versetzen, damit man diese an einem Punkt zusammenziehen und Vorbereitungen für den Angriff treffen konnte.

Intuitiv würde man wohl den Frankenstein als perfekten Ort für solch einen zentralen Stützpunkt annehmen. Tatsächlich wäre der Zeitgewinn, den Frankenstein mit Lärmfeuern zu warnen, wenn eine fränkische Armee den Rhein oder den Main überschritt, aber wohl viel zu gering, als dass es solch eine aufwendige Kette an Stützpunkten rechtfertigen würde. Selbst wenn man die Nacht oder schlechtes Wetter nutzen würde, würde man nicht so viel Zeit gewinnen, dass es für die Alemannen von großem Nachteil wäre, warten zu müssen, bis man vom Frankenstein aus sehen kann, dass da was kommt. Alemannische Truppen aus dem Umland hätten ja eine ähnliche Zeit gebraucht, um auf den Frankenstein zu kommen, wie die angreifenden Franken. Den Frankenstein zu warnen, dass jemand die Flüsse überschritten hat, wäre zu spät, wenn dieser jemand es bereits getan hatte.

Sinn macht eine solch Kette von Warnposten also nur, wenn es eine Warnung für jemanden war, der weiter im Hinterland saß als der Frankenstein. Auch der Glauberg liegt ja nicht direkt über den Stat-Orten, sondern sozusagen einen Hügel weiter. Und da werden wir auch in Südhessen fündig, nämlich im Fischbachtal. Dort gibt es die Heuneburg (nicht zu verwechseln mit der ungleich berühmteren Heuneburg in Baden-Württemberg) und die wiederum war wahrscheinlich die Höhensiedlung eines alemannischen Kleinkönigs, genau wie der Glauberg zu jener Zeit.

Es ist einige Jahre her, dass ich zuletzt bei der Heuneburg war, aber wenn ich mich richtig erinnere, ist der Hügel heute so bewaldet, dass es schwer ist, die Sichtverhältnisse zu überprüfen. Rein von den Satellitenbildern her wären aber ähnliche Begebenheiten wie am Glauberg denkbar. Auffällig ist zumindest, dass es südlich und östlich der alemannischen Höhenburg mit einer Ausnahme urplötzlich keine Stat-Orte mehr gibt, ähnlich wie am Glauberg. Lediglich Michelstadt stört da das Bild, ist aber aus verschiedenen Gründen, auf die ich vielleicht ein anderes Mal eingehen werde, ohnehin ein Sonderfall.

Das Problem ist, dass die Struktur der -Stadt-Orte in Südhessen leider nicht so eindeutig ist wie vor dem Glauberg. Vor allem die Linie Stockstadt-Eberstadt scheint eher den Weg nach Süden zu schützen und nicht so sehr den Weg in den Odenwald. Dort ist aber aus alemannischer Zeit nichts mit dem Glauberg Vergleichbares bekannt. Auch Bobstadt und Bürstadt allein scheinen ein bisschen zu wenig zu sein, um vor einem Übertritt der Franken bei Worms zu warnen.

Der Befund in Südhessen bleibt also deutlich weniger eindeutig und deutlich spekulativer als in der Wetterau.

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6 Responses to Überlegungen zu den Parallelen zwischen Südhessen und der Wetterau

  1. R.A. says:

    „Auffällig ist, dass es auf der einen Seite des Glaubergs eine Kette von nah beieinander liegenden -Stadt-Orten gibt und auf der anderen Seite gar keine. Wenn wir die Möglichkeit eines unwahrscheinlichen Zufalls ausklammern, ist dies nur auf eine Weise erklärbar: es sind Orte, die in einer sehr kurzen Zeitspanne zur Sicherung eines Grenzgebietes entstanden sind.“
    Wenn es nicht noch weitere Punkte gibt, die im Text nicht beschrieben sind, wäre ich mit dieser Schlu8folgerung vorsichtig.
    Eigentlich kann man daraus eher schließen, daß es eine Grenze gab, und zwar zwischen „Stadt“-Leuten nördlich der Grenze und anderen Leuten südlich. Weder Konflikt noch kurze Zeitspanne sind aus der reinen Namensverteilung erschließbar.

    „Tatsächlich liegen mit nur einer Ausnahme die Stadt-Orte hinter einer Erhebung, die die Sicht vom Glauberg aus verdeckt.“
    Wäre es denn dann nicht zwingend, Glaubeg-Vorposten AUF diesen Erhebungen anzulegen? Damit sie sowohl freie Sicht ins Vorland wie die Sicherverbindung zum Glauberg haben?
    Hinter der Erhebung, d.h. vom Glauberg nicht sichtbar, sind sie doch eigentlich ziemlich sinnlos. Höchstens als vorgeschobene potentielle Angriffspunkte von Norden gegen den Glauberg (obwohl das m. E. nichts zur Kriegsführung dieser Zeit paßt).

    „scheinen Orte wie Wöllstadt, Ilbenstadt, Bönstadt und Erbstadt nach Süden und Südwesten Richtung Frankfurt ausgerichtet zu sein, mutmaßlich um vor einem Einfall aus Südwesten zu warnen.“
    Wenn der Glauberg eine alemannische Grenzfestung war, und Angriffe der Franken aus dem Südwesten zu fürchten waren – dann die die Vorwarnung das geringere Problem.
    Dann bräuchte der Glauberg nämlich in erster Linie eine gesicherte Verbindung zum alemannischen Kernland im Süden!

    „Ohne solch einen Stützpunkt macht eine Kette von Warnposten aber keinen Sinn“
    Muß nicht sein. Wenn die Wetterau eine vorgeschobene Grenzregion war, so war Südhessen schon Teil des alemannischen Siedlungsgebiets. Da würde die Verteidigung (nach Vorwarnung) nicht über Mauern laufen, sondern über Männer. Da reicht es, wenn die Vorposten Alarm geben und dann ein ein Sammelpunkt benutzt wird, der nicht sehr vorbereitet oder gar befestigt sein muß. Das können sogar mehrere potentielle Sammelpunkte sein, je nachdem welcher Vorposten Alarm gibt.

  2. Jörg says:

    „Eigentlich kann man daraus eher schließen, daß es eine Grenze gab, und zwar zwischen „Stadt“-Leuten nördlich der Grenze und anderen Leuten südlich. Weder Konflikt noch kurze Zeitspanne sind aus der reinen Namensverteilung erschließbar.“

    Kommt natürlich auch ein bisschen darauf an, was man unter „kurzer Zeitspanne“ genau versteht ;-). Die meisten dieser Orte sind ziemlich nah beieinander, teilweise direkte Nachbarorte, dazu nicht auf einem Haufen, sondern eher entlang einer Linie, gleichzeitig ist das Suffix sehr selten und abseits dieser Linie praktisch nicht vorhanden. Ich tue mir etwas schwer mir vorzustellen, wie das über einen längeren Zeitraum funktioniert haben kann. Keine anderen Orte, die sich da hingepflanzt und den strategisch ja wichtigen Platz belegt haben, keine Veränderung des Grenzverlaufs, der es nötig gemacht hätte, weiter nördlich, südlich oder östlich Stadt-Orte zu legen. Wir haben ja entlang dieser hypothetischen Grenzen in alle Himmelsrichtungen auffällige Lücken, in denen es keine oder fast keine -Stadt-Orte gibt. Das würde a) eine sehr stabile Grenze voraussetzen, in der b) nur nach sehr langen Zeiträumen ein neuer Ort gegründet wurde.

    „Wäre es denn dann nicht zwingend, Glaubeg-Vorposten AUF diesen Erhebungen anzulegen? Damit sie sowohl freie Sicht ins Vorland wie die Sicherverbindung zum Glauberg haben?“

    Ja, und die wird es mit ziemlicher Sicherheit auch gegeben haben. Nur die Leute, die das eigentlich gemacht haben, mussten ja irgendwo gelebt haben, und zwar dort, wo sie sich auch versorgen konnten, deswegen waren die Höfe weiter unten, auf der Anhöhe selbst wird dann nur ein einfacher Posten gewesen, vielleicht sogar nur ein Unterstand, das reicht. Für die Franken gab es keinen Grund, diesen Posten nach der Eroberung weiter zu betreiben, die vorhandenen Höfe konnten aber weiter genutzt werden. Und so entstanden dann daraus Dörfer.

    Die Frage, die jetzt wahrscheinlich aufkommt, ist wohl, warum man die Höfe dann nicht auf die andere Seite gebaut hat, die eher unter dem Schutz des Glaubergs stand, zumal es vielleicht auch nötig war, mit dem Glauberg mehr zu kommunizieren, als mit Feuern möglich war, ohne dazu jedes Mal den Hügel überwinden zu müssen.

    Letzteres lässt sich einfach klären, denn tatsächlich gibt es genau einen Stadt-Ort auf der anderen Seite: das heutige Hofgut Leustadt. Das liegt auf halbem Weg zwischen dem Glauberg und Ober-Mockstadt und ist vom Glauberg aus zu erkennen. Die Kommunikation kann also darüber stattgefunden haben, das würde dann auch erklären, warum es auf der einen Seite nur diesen einen Stadt-Ort gibt. Und auch warum ausgerechnet aus diesem kein späteres Dorf entstanden ist, er lag einfach zu ungünstig.

    Der andere Punkt ist etwas schwieriger, warum legte man die Orte in unsichereres Gebiet, den Hügel hätte man ja auch dann als Warte nutzen können, wenn die Höfe auf der anderen Seite gelegen hätten. Aber zum einen sieht man auch von einem erhöhten Punkt nicht alles, kleinere Hügel und Wälder können tote Winkel schaffen, außerdem waren das zwar sicher nur Minimaleinheiten, aber sicher bewaffnet, kleine Spähtrupps hat man also abfangen können. Und das wäre ein enormer Vorteil gewesen, dem Feind Informationen zu entziehen.

    „Dann bräuchte der Glauberg nämlich in erster Linie eine gesicherte Verbindung zum alemannischen Kernland im Süden!“

    Was sicher auch einer der Gründe ist, warum der Glauberg trotz seiner guten Befestigung früh gefallen sein dürfte. Nur was machst du so als Kleinkönig in deiner Burg, wenn die direkte Verbindung ins Kernland besetzt ist? Außerdem widerspricht das eine ja nicht dem anderen, eine gesicherte Verbindung zum Kernland existierte vielleicht ja auch, die muss sich ja nicht in Orten, die auf -Stadt enden ausdrücken.

    „Da reicht es, wenn die Vorposten Alarm geben und dann ein ein Sammelpunkt benutzt wird, der nicht sehr vorbereitet oder gar befestigt sein muß. Das können sogar mehrere potentielle Sammelpunkte sein, je nachdem welcher Vorposten Alarm gibt.“

    Das ist durchaus möglich. Mein Versuch in den Überlegungen hier war, ob aus diesem rein spekulativem Anschein, den die Anordnung der Orte auf mich macht, ein öfter verwendetes System der Alemannen zu finden ist, und daraus entstand die Idee, da oben gibt’s den Glauberg, wenn es in Südhessen genau so war, müsste es auch hier irgendetwas in die Richtung gegeben haben.

  3. R.A. says:

    „Kommt natürlich auch ein bisschen darauf an, was man unter „kurzer Zeitspanne“ genau versteht ;-).“
    Richtig. Einerseits so kurz, daß sich in der Siedlungsstruktur nichts veränder hat. Andererseits so lang, daß aus jedem dieser Wachtürme eine dauerhafte kleine Siedlung entsteht, die auch anschließend weiterlebt.

    „Die Kommunikation kann also darüber stattgefunden haben, das würde dann auch erklären, warum es auf der einen Seite nur diesen einen Stadt-Ort gibt.“
    Die Erklärung verstehe ich nicht. Daß diese eine Siedlung Zwischenstation zu einer weiter draußen gewesen sein könnte ist noch klar. Das erklärt aber nicht, warum ansonsten die vermuteten Versorgungshöfe immer auf der feindwärts gelegenen Seite der vermuteten Wachtürme gelegen haben sollen.

    „außerdem waren das zwar sicher nur Minimaleinheiten, aber sicher bewaffnet, kleine Spähtrupps hat man also abfangen können.“
    Ich habe schon generell Probleme bei der Vorstellung, daß ein alemannischer Kleinkönig in einem solchen Umfang strategische Siedlungen gegründet haben soll. Das entspricht nicht dem, was ich von der Gesellschaftsstruktur dieser Zeit zu wissen glaube (das ist allerdings sehr spärlich).
    Ich habe aber echte Probleme mit diese Vorposten so stark vorzustellen, daß die einen Spähtrupp (also um die 5-10 Mann) abfangen können.
    Alleine schon für die Besatzung eines Wachturms braucht man 2-3 Leute. Und das mal fast ein Dutzend. Das ergibt eine Mannschaftsstärke die größer ist als die, die später ein Gaugraf (also bessere wirtschaftliche Grundlage und größeres Gebiet) als „stehende Truppen“ bei sich hatte. Und auf dem Glauberg selber muß es ja noch die eigentliche Garnison gegeben haben.

    „Nur was machst du so als Kleinkönig in deiner Burg, wenn die direkte Verbindung ins Kernland besetzt ist?“
    Dumm gucken 😉 Das ist schon eine interessante Frage.
    Beim Anblick der Landkarte ist mir ohnehin etwas unklar, wo genau eigentlich die Verbindungswege zum alemannischen Kernland verlaufen sein könnten. Eine Weiterverwendung des römischen Straßennetzes wäre naheliegend, dazu natürlich Ergänzungen.
    Und eigentlich habe ich so ein Gefühl, daß die Alemannen nicht wirklich den Glauberg benutzen können, wenn sie nicht auch den Frankfurter Raum kontrollieren. Was dann Glauberg-Vorposten Richtung Südwesten überflüssig machen würde.

    „die muss sich ja nicht in Orten, die auf -Stadt enden ausdrücken.“
    Sicher. Aber dazu müßte man wissen, was genau „-Stadt“ für die Alemannen bedeutete. Wenn es sich auf eine militärische Gründung bezog, würde man solche Orte auch für die Sicherung der Verbindungslinie finden.

    „ein öfter verwendetes System der Alemannen“
    Gibt es dazu Forschungen aus anderen Regionen? Und wenn die Alemannen so ein System verwendet hätten, müßte man es ähnlich (bei vielleicht anderen Benennungen) auch bei anderen Stämmen finden.

    • Jörg says:

      „Das erklärt aber nicht, warum ansonsten die vermuteten Versorgungshöfe immer auf der feindwärts gelegenen Seite der vermuteten Wachtürme gelegen haben sollen.“

      Naja, auch von dem Posten auf dem Hügel siehst du nicht unbedingt alles, kann schon Sinn machen, noch den ein oder anderen Blickwinkel zu haben. Das sind da ja noch keine Siedlungen im eigentlichen Sinn, sondern ein paar wenige Gebäude, in denen man zum Beispiel Nahrung einlagern und zubereiten kann, damit die Wachposten was zu essen haben. Dann noch ein paar Schlafplätze und das wird’s wohl schon gewesen sein.

      Des Weiteren verlief dort ja auch eine Straße, d.h. das war kein Grenzgebiet, in dem das einzige mögliche Szenario eine herannahende Armee war, sondern da kamen auch jede Menge andere Leute vorbei. Ein Bote aus dem Reich der Sachsen mit wichtiger Nachricht für irgendjemand Wichtiges im Kerngebiet der Alemannen, den lässt du durch, willst ihn aber vielleicht doch kontrollieren, wenn er theoretisch auch auf dem Weg zu den feindlichen Franken sein könnte. Oder du dir vielleicht mit irgendeinem anderen alemannischen Kleinkönig nicht grün bist. Wenn du dann von der anderen Seite des Hügels erst mal rüberlaufen musst, ist der Bote wahrscheinlich längst durch. An Informationen zu kommen, war damals definitiv nicht leicht und daher um so wichtiger.

      „Ich habe aber echte Probleme mit diese Vorposten so stark vorzustellen, daß die einen Spähtrupp (also um die 5-10 Mann) abfangen können.“

      Okay, das ist sicher ein Punkt.

      „Alleine schon für die Besatzung eines Wachturms braucht man 2-3 Leute. Und das mal fast ein Dutzend.“

      Da allerdings möchte ich einhaken, dass alle Posten nicht zwangsläufig dauerhaft gleichzeitig besetzt gewesen sein müssen. Du hast da eine kleine Truppe, die das Tal kontrollieren soll und die sind mal an dem einen Posten und mal an dem anderen. Vor Ort sind dann vielleicht bloß Bedienstete, die das Gut verwalten. So was haben wir später im Hochmittelalter ständig, da waren dieselben Ritter als Burgmannen an einer ganzen Reihe von Burgen beschäftigt und hatten meist einen Hof vor Ort, konnten aber logischerweise immer nur in einer der Burgen sein. Klar, im Hochmittelalter herrschten andere Zustände als im 5./6. Jahrhundert, aber wir reden ja auch nicht von Burgen, sondern nur von Posten, an denen die Leute einen Schlafplatz und was zu essen bekamen.

      „Eine Weiterverwendung des römischen Straßennetzes wäre naheliegend, dazu natürlich Ergänzungen.“

      Das definitiv. Es gibt ja bis heute noch viele Straßen, die sich zumindest grob an den alten Römerstraßen orientieren.

      „Und eigentlich habe ich so ein Gefühl, daß die Alemannen nicht wirklich den Glauberg benutzen können, wenn sie nicht auch den Frankfurter Raum kontrollieren. Was dann Glauberg-Vorposten Richtung Südwesten überflüssig machen würde.“

      Gut, hier sind wir natürlich auch soweit im spekulativen Raum, da nicht eindeutig klar ist, ob in der Zeit, von der wir sprechen (und ja nicht 100%-ig genau benennen können), die Franken tatsächlich schon größeren Einfluss im Frankfurter Raum hatten. Die Pfalz in Frankfurt ist, so weit ich weiß, erst ab dem 7./8. Jahrhundert nachweisbar. Was aber nicht unbedingt etwas heißen muss, vieles, was wahrscheinlich älter ist, ist erst ab dieser Zeit nachweisbar ;-).

      „Sicher. Aber dazu müßte man wissen, was genau „-Stadt“ für die Alemannen bedeutete.“

      Ja, und das wissen wir leider nicht. Vielleicht ist es ein Lehnwort aus dem Lateinischen (vielleicht von stationes), typisch ist ja, dass alte Römersiedlung irgendwas mit Altenstadt o.ä. benannt wurden. Allerdings gibt’s das Suffix auch bei Thüringern und Sachsen bzw. Angeln, wo ein römischer Einfluss unwahrscheinlich ist.

      „Gibt es dazu Forschungen aus anderen Regionen?“

      Ich weiß es nicht genau, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es Forschungen gibt, die die Verteilung von Suffixen rund um alemannische Höhensiedlung untersucht hat. Aber ich werde mal schauen, ob sich da was findet.

  4. R.A. says:

    „auch von dem Posten auf dem Hügel siehst du nicht unbedingt alles“
    Ja, aber vom Hof im Tal sieht man sehr wenig. Insbesondere wenn man eigentlich am Arbeiten ist.

    „sondern ein paar wenige Gebäude, in denen man zum Beispiel Nahrung einlagern und zubereiten kann,“
    Die dann aber auch fast keinen Schutz im militärischen Sinn bieten.

    Ich habe mit diesem Punkt wirklich zentral Schwierigkeiten. Die Versorgung geschieht eigentlich immer von hinten, ist einem Vorposten etc. nie vorgelagert.

    „dass alle Posten nicht zwangsläufig dauerhaft gleichzeitig besetzt gewesen sein müssen.“
    Guter Punkt.

    „ich kann mir nicht vorstellen, dass es Forschungen gibt, die die Verteilung von Suffixen rund um alemannische Höhensiedlung untersucht hat.“
    Mißverständnis. Ich meinte keine Sprachforschungen, sondern solche zu den Militärstrategien. Ich bin schon ziemlich skeptisch bei der ganzen Idee einer so umfassenden strategischen Planung in dieser Zeit.

    Im Hochmittelalter haben Burgen oder Städte vorgeschobene Warntürme oder Warten – aber da sind wir schon viel weiter (insbesondere bei der wirtschaftlichen Basis) und es sind meist nur einige wenige, für die wichtigsten Verbindungswege. Fast ein Dutzend wie beim Glauberg ist irre viel, da hätten die ja jeden Ziegenpfad überwacht.

    Noch bei den Angelsachsen (auch deutlich später als die Alemannen und besser organisiert) gibt es zwar reichlich Burgen gegen die Wikingereinfalle, aber nur rudimentär ein strategisches System für Kommunikation und Vorwarnung.

    Es würde mich überraschen, wenn die Alemannen schon so ausgefeilte Systeme gehabt hätten – und deswegen die Frage, ob es über die Defensivmaßnahmen vergleichbarer germanischer Stämme Forschungen gibt.

    • Jörg says:

      „Ja, aber vom Hof im Tal sieht man sehr wenig. Insbesondere wenn man eigentlich am Arbeiten ist.“

      Von den meisten dieser Orte sieht man schon sehr gut ins Tal. In Ober-Florstadt bspw. gibt es eine Straße „Auf der Warthe“, der Name ist sicherlich jüngeren Datums, aber es zeigt, dass der Ort zur Beobachtung des Tals offenbar gut geeignet war.

      „Die dann aber auch fast keinen Schutz im militärischen Sinn bieten.“

      Müssen sie ja auch nicht. Das sind Wachposten, keine Verteidigungsposten, die warnen den Glauberg, dort fängt man an sich vorzubereiten, während die Wachen selbst zurückmarschieren. Es gibt auch Leute, die annehmen, die alemannischen Höhensiedlungen wären in erster Linie Fliehburgen gewesen, steht wohl bei Marcellinus, glaub ich, irgendwas in die Richtung.

      „is. Ich meinte keine Sprachforschungen, sondern solche zu den Militärstrategien. Ich bin schon ziemlich skeptisch bei der ganzen Idee einer so umfassenden strategischen Planung in dieser Zeit. “

      Ich glaube nicht, dass das Ganze eine aufwendige, strategische Planung voraussetzt. Du sitzt da auf dem Glauberg, schaust nach Westen und denkst: „Gnumpf, blöder Hügel, wenn sich dahinter jetzt eine Armee versteckt, stellen wir da doch lieber mal einen Posten hin“. Zur Versorgung des Postens hat man vielleicht in einem ersten Schritt nur Leustadt gebaut, dann aber gemerkt: „Hey, macht vielleicht auch Sinn, wenn wir auf der anderen Seite ein bisschen runtergehen, da steht eh noch jede Menge altes Römerzeugs, das wir weiternutzen können (etwa die Hälfte der Orte sind am Standort ehemaliger römischer Standorte, der Limes verlief ja auch da), wir decken das Tal noch besser ab und haben so dann sogar Kontrolle über die Straßen und Wege. Nur jetzt jedes Mal über den Hügel zurück um Nahrung, Kleidung, Waren des alltäglichen Bedarfs zu holen? Boah, anstrengend, und das Personal ist den ganzen Tag unterwegs, ohne sonst irgendwas machen zu können, also bauen wir doch ein paar Hütten, wo wir ein paar Vorräte anlegen. Und wenn wir dann schon mal dabei sind, pflanzen wir doch auch gleich was an.

      Ich finde, dass das eigentlich ein recht natürlicher Vorgang ist, der sich auch ohne großartig aufwendige strategische Planung einstellen kann.

      „Fast ein Dutzend wie beim Glauberg ist irre viel, da hätten die ja jeden Ziegenpfad überwacht.“

      Was ich nicht ganz ausschließen würde ist, dass es ursprünglich weniger Orte waren. Alemannische Siedlungen waren in der Zeit nicht für die Ewigkeit gebaut, maximal 50 Jahre hielten die Häuser. Scheinbar war es so, dass solche alten Häuser dann nicht ausgebessert wurden, man riss sie auch nicht ein und baute ein neues, sondern man ging ein Stück weiter und baute da ein neues Haus. Wäre natürlich auch eine mögliche Erklärung, warum die Stadt-Orte da wie an einer Perlenschnur stehen und es nahezu vollständig abreißt, wenn man ein Stück in eine andere Richtung geht.

      Ob in dem Fall die Namen erhalten blieben, bin ich nicht sicher, aber wenn noch Überreste der alten Häuser zu erkennen waren, bezeichnete man diese vielleicht auch noch mit dem alten Namen.

      „und deswegen die Frage, ob es über die Defensivmaßnahmen vergleichbarer germanischer Stämme Forschungen gibt.“

      Kann ich dir nicht mit Sicherheit sagen, aber wenn es bei keinem römischen Schreiber erwähnt wird, dürfte das schwer nachzuweisen sein, archäologisch stelle ich mir einen Nachweis von einigen aus Holz gebauten Wachposten, die im Notfall ein bisschen Feuer gemacht haben, sehr schwer vor.

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