Die Ironie des Darmund

Es hatte seinerzeit hauptsächlich zwei Gründe, weshalb ich begann, mich mit der Stadtgeschichte Darmstadts zu beschäftigen. Der eine war ein sehr persönliches Interesse an der Geschichte der Hexenverfolgungen und meine Verwunderung darüber, warum ein an sich sehr populäres Thema in Darmstadt nie eine Rolle gespielt hat, obwohl es zumindest einen gut dokumentierten und im Detail sehr interessanten Fall gibt.

Ich hatte damals schriftstellerische Ambitionen und recherchierte den Fall als Grundlage für einen Roman, den ich schreiben wollte, den ich aber nach einigen Monaten wieder aufgab. Auch dafür gab es viele Gründe, einen, den ich mit der Öffentlichkeit teilen kann, ist, dass ich feststellen musste, dass ich zwar ganz gerne einmal historische Romane lese, diese stilistisch aber zu limitiert finde und mich nicht befähigt sah, erfolgreich neue Stilmittel in das Genre einzuführen. Weniger hochtrabend ausgedrückt: Auf Dauer langweilen mich historische Romane.

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Kurz korrigiert

Das Echo über das erste Phungo-Festival in Pfungstadt: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/pfungstadt/erstes-phungo-festival-in-pfungstadt-elf-tage-musik-und-spass_17105555.htm

Den Veranstaltern wünsche ich natürlich viel Erfolg, als Blog mit einem Schwerpunkt in der regionalen Geschichte korrigiere ich aber auch gerne kleine Fehler. So heißt es im Artikel:

Den Namen Phungo haben die Veranstalter übrigens aus der Stadtgeschichte entlehnt. So soll der Name Pfungstadts auf einen römischen Siedler namens Phungo zurückgehen.

Dass ich die These vom Ortsgründer Phungo (bzw. üblicherweise wird der Name als Pungo rekonstruiert) für eher unwahrscheinlich halte und auch warum, hatte ich schon öfters erwähnt, z.B. hier. Wissen tue ich es aber natürlich nicht.

Was aber definitiv falsch ist, dass es sich bei Pungo oder Phungo um einen „römischen Siedler“ gehandelt haben könnte. Erstens ist der Name gar nicht römisch, sondern ein rekonstruierter germanischer Name und zweitens gab es Pfungstadt zur römischen Zeit noch gar nicht. Die Römer siedelten in der Gegend und man kann nie ganz ausschließen, dass die späteren germanischen Siedler alte römische Siedlungsplätze weitergenutzt haben (es gibt einige Beispiele, bei denen es definitiv so war), der Name Pfungstadt stammt aber definitiv nicht aus römischer Zeit.

Ortsnamen

Über den Ortsnamen Darmstadt habe ich bereits in meinem Beitrag zur Entstehung des Ortes ausführlich berichtet (siehe hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4), so dass ich mir das hier spare. Statt dessen möchte ich mich einmal mit ein paar Ortsnamen in unmittelbarer Umgebung beschäftigen.

Arheilgen

Arheilgen sollte eigentlich am einfachsten zu erklären sein. In der frühesten bekannten Schreibweise, Araheiligon, ist das Wort heilig sogar noch völlig unverschliffen vorhanden. Dennoch nahm man in dem denkfaulen Wahn, alle nicht sofort völlig verständliche Ortsnamen auf Personennamen fiktiver Ortsgründer zurückführen zu müssen, an, Arheilgen wäre von einem ominösen Araheil gegründet worden. Die Behauptung scheint auf den Altgermanisten Alfred Götze zurückzugehen, der von 1925 bis 1946 an der Universität Gießen lehrte. Götze war Anhänger des Nationalsozialismus.

Für Götze konnte der Name Arheilgen daher natürlich nichts mit heilig zu tun haben, das war ihm zu ungermanisch. Folglich erfand er den germanischen Ortsgründer Araheil. Was der Altgermanist, der laut Homepage der Universität Gießen zu den „führenden deutschen Lexikographen und Namensforschern“ gehört, dabei geflissentlich übersah, ist, dass es den Namen Araheil überhaupt nicht gegeben hat. Die Namensdeutung war also allein von seiner völkisch-nationalen Ideologie motiviert. Mehr von diesem Beitrag lesen