Weltkulturerbefarce

Ein paar ungeordnete Gedanken über eine aktuelle Diskussion.

Die Mathildenhöhe soll jetzt also Weltkulturerbe werden. Zumindest hat die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag den Beschluss gefasst, einen Antrag auf Aufnahme der Mathildenhöhe in die Warteliste zu stellen, gegen die Stimmen von Uwiga, Linke und Teile von Uffbasse. Da stellen sich natürlich einige der typischen Fragen, zum Beispiel: warum? Oder: was nützt uns das? Und die grundsätzlich immer aufkommende Frage: Was kost’s?

Dass das überhaupt was kosten soll, finde ich recht seltsam. So klingt das auf der Internetseite der Unesco überhaupt nicht. Da steht was von „Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes“ oder von dem „Welterbe der ganzen Menschheit“, das erhalten werden müsse, von „Einzigartigkeit“ und „Authentizität“. Dass die Stätten nur dann schützenswertes Welterbe der ganzen Menschheit sind, wenn die Länder oder Städte bereit und in der Lage sind, entsprechend in eine Bewerbung zu investieren, steht da nicht. Aber einzigartig und authentisch zu sein, muss man sich eben auch erst mal leisten können.

Sicher verstehe ich das nur wieder mal falsch. Sicher hat es nichts mit finanziellen Möglichkeiten zu tun, dass Europa als zweitkleinster Kontinent der Welt deutlich mehr Welterbestätte hat als alle anderen Kontinente, selbst mehr als das riesige Asien.

Eine Frage stellt sich da aber dennoch zwingend: Darmstadts Kassen sind leer, der Magistrat hat gerade den Rotstift bei vielen Einrichtungen angesetzt, muss Bibliotheken schließen, et cetera, et cetera. Wenn wir dann an dieser Stelle viel Geld in die Hand nehmen, sollte man erwarten, dass dabei auch was Handfestes für uns rausspringt. Aber tut es das? Was haben wir davon ein Weltkulturerbe zu besitzen?

Nun, wir locken Touristen nicht mehr mit dem Satz: „Hier befindet sich die Mathildenhöhe, eines der Zentren des Jugendstils“, sondern mit „Hier befindet sich das Weltkulturerbe Mathildenhöhe“ an. Schön. Allerdings sind in den letzten 10 Jahren allein in Deutschland 11 Stätten in die Liste der Unesco aufgenommen worden. Im Schnitt also mehr als eine pro Jahr! Eine solch inflationär verteilte Auszeichnung wird bald kein besonderes Merkmal sein und kaum mehr auffallen als der Grüne Punkt.

Überhaupt die Kosten: ich habe nicht herausbekommen können, wie hoch die eigentlich sein werden. Manchmal heißt es nur ein paar Tausender. Das wäre ja noch akzeptabel. Als Passau letztes Jahr über eine Bewerbung diskutierte, ging man aber von Kosten von 300.000,- Euro aus! Daraus lässt sich wohl schließen, dass die tatsächlichen Kosten ziemlich schwer zu kalkulieren sind.

Und sonst? Angeblich dient das Unesco-Siegel ja dem Schutz dieser Stätten. Da stellt sich zunächst einmal die Frage, ob die Mathildenhöhe denn gefährdet ist? Der Hochzeitsturm wird, trotz leerer Kassen und obwohl er in keinem allzu schlechten Zustand war, gerade wieder rausgeputzt. Als das Ehepaar Sander kürzlich ein Museum auf der Mathildenhöhe bauen wollte, das von vielen als Verschandlung des Ensembles angesehen wurde, hat man diese Pläne nach relativ kurzer Diskussion wieder eingestampft. Und das obwohl es für die Stadt erhebliche Schadensersatzforderungen nach sich ziehen könnte, weil sie damit einen gültigen Vertrag gebrochen hat!

Auch sonst hat trotz der hohen Kosten für die Instandhaltung nie jemand die Mathildenhöhe in Frage gestellt, sieht man mal von der Anfangszeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab, als die wenigsten Darmstädter mit der neuen Stilrichtung etwas anfangen konnten und – nicht ganz zu Unrecht – bemängelten, dass zugunsten der einseitigen Förderung des Jugendstils andere Kunstrichtungen vernachlässigt wurden.

Und wenn doch irgendwer aus irgendwelchen Gründen auf die Idee käme, die Mathildenhöhe unangebracht zu verändern, was würde das Unesco-Siegel bringen? Da kann man mal die Leute im Dresdner Elbtal fragen. Das gehörte bis vor kurzem zum Unesco Welterbe. Dann kam man auf die Idee, dort eine Brücke über die Elbe zu bauen, die angeblich die Landschaft verschandeln würde. Das war zumindest die Meinung der Unesco. Und was konnte sie tun, um den Bau zu verhindern?

Richtig: gar nichts. Mit Ausnahme des Entzugs des Welterbetitels, was dann aber auch eine merkwürdige Ansicht ist. Man kann sich darüber streiten, wie sehr die Brücke die Landschaft verschandelt, ich persönlich kann da nichts Dramatisches sehen, sofern man nicht grundsätzlich gar keine Brücken mehr bauen will. Man fragt sich aber zwangsläufig, ob die Pyramiden von Gizeh ihren Welterbestatus verlieren würden, wenn jemand an unpassender Stelle eine Eisdiele baut, die den Blick auf die Bauten ein wenig stört. Wären sie dann nicht mehr schützenswert? Kein „Welterbe der ganzen Menschheit“? Nicht mehr „einzigartig“ und „authentisch“? Meine Güte, behaltet die Sanders im Auge, nicht, dass die ihr Museum in Chichén Itzá bauen und die alten Maya-Bauten plötzlich kein Welterbe der ganzen Menschheit mehr sind!

Bei allem Sarkasmus, es sollte eigentlich offensichtlich sein, dass die Bewerbung der Mathildenhöhe zur Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco ein teurer Spaß mit fraglichem Nutzen ist. Ja, ich weiß, Grüne, CDU und FDP haben am Donnerstag extra betont, dass die jetzt beschlossene Aufnahme in die sogenannte Tantalos- Tentativliste noch keine Kosten verursacht, sondern erst eine spätere Bewerbung, über die dann die Stadtverordnetenversammlung erneut abstimmen muss. Das stimmt wohl, aber glaubt man wirklich, irgendwem weismachen zu können, dass nach solch einer Aufnahme auf die Tentativliste nicht zwangsläufig eine Bewerbung folgen wird? Das ist ja die „erklärte Absicht“ (wie das Echo schrieb) der grün-schwarzen Koalition. Außerdem frage ich mich auch, ob das Gutachten, das Prof. Werner Oechslin im Auftrag der Stadt angefertigt hat, umsonst war? Muss wohl. Erst die eigentliche Bewerbung kostet uns ja Geld.

Prof. Oechslin, anerkannter Kunsthistoriker, ist übrigens der Meinung, dass die Mathildenhöhe diese Auszeichnung verdient hat. Warum ist mir nicht ganz klar. Dazu müsste mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein.

Angemeldete Güter sollten daher:
(i) ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft darstellen;

(ii) für einen Zeit- oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen;

(iii) ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur darstellen;

(iv) ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheits-Geschichte versinnbildlichen;

(v) ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform, Boden- oder Meeresnutzung darstellen,die für eine oder mehrere bestimmte Kulturen typisch ist, oder der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, insbesondere, wenn diese unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels vom Untergang bedroht wird;

(vi) in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft sein. (Das Komitee ist der Ansicht, dass dieses Kriterium in der Regel nur in Verbindung mit einem weiteren Kriterium angewandt werden sollte);

(vii) überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung aufweisen;

(viii) außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte darstellen, einschließlich der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiographischer Merkmale;

(ix) außergewöhnliche Beispiele bedeutender im Gang befindlicher ökologischer und biologischer Prozesse in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen sowie Pflanzen- und Tiergemeinschaften darstellen;

(x) die für die In-situ-Erhaltung der biologischen Vielfalt bedeutendsten und typischsten Lebensräume enthalten, einschließlich solcher, die bedrohte Arten enthalten, welche aus wissenschaftlichen Gründen oder ihrer Erhaltung wegen von außergewöhnlichem universellem Wert sind.
http://www.unesco.de/348.html

Und was davon trifft nun auf die Mathildenhöhe zu? Nummer 2? Die Güter zeigen einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung von Architektur? Naja, einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung der Architektur sicher, wenn man auch darüber streiten könnte, ob der sonderlich groß war, aber ein bedeutender Schnittpunkt menschlicher Werte? Die Künstlerkolonie war seinerzeit eine durch und durch elitäre Angelegenheit. Geschnitten hat sich da nix.

Punkt 4 könnte auch noch passen: „ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen“, da könnte man bei der Mathildenhöhe wohl zustimmen. Blöderweise geht der Satz aber noch weiter: „die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheits-Geschichte versinnbildlichen“. Das auf die Mathildenhöhe anzuwenden, wäre ziemlich haarsträubend.

Vielleicht ist das der falsche Ansatz.

An was denkt man zuerst, wenn man an die Mathildenhöhe denkt? Vermutlich an den Hochzeitsturm, wohl einer der bekanntesten Bauten des Jugendstils. Oder? Beim Wikipedia-Artikel über den Jugendstil liest man einen interessanten Satz:

Es handelt sich um eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich einig waren, also der Ablehnung der bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Lustig. Die berühmten „fünf Finger“ des Hochzeitsturms sind genau das: Anlehnung an historisch überlieferte Formvorbilder, denn wie Großherzog Ernst Ludwig selbst über die Turmspitze sagte:

Das gibt doch einen ganz schönen Abschluß, der nebenbei an die Renaissancegiebel Alt-Darmstadts anklingt […]

Das klingt ja fast so, als würde ausgerechnet der Hochzeitsturm die Vorgabe verletzen, die laut Wikipedia die einzige Schnittmenge in den verschiedenen, sonst nur schwer auf einen Nenner zu bringenden Jugendstilströmungen darstellt. Dabei dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass der Hochzeitsturm dem Jugendstil zuzurechnen ist. Tatsächlich gehört er zu den bekanntesten Werken dieser Kunstrichtung überhaupt. Doch mit der Definition von dem, was denn nun Jugendstil überhaupt ist, tut man sich sichtlich schwer. August Buxbaum beispielsweise prägte in dieser Zeit das Stadtbild abseits der Mathildenhöhe und war ein leidenschaftlicher Gegner des Jugendstil. Trotzdem werden auch seine Gebäude immer mal wieder dem Jugendstil zugerechnet.

Das zweite markante Gebäude, das einem bei der Mathildenhöhe nach dem Hochzeitssturm einfällt, ist wohl die Russische Kapelle, finanziert übrigens – man könnte auch sagen gestiftet – vom russischen Zaren. Die ist aber nun wirklich kein Jugendstil. Da hat sich komischerweise nie eine Bürgerinitiative darüber beschwert, dass das Ding nicht in das Jugendstil-Ensemble passt. Dabei ist es ein echter Stilbruch.

Okay, man sieht es deutlich und ich gebe es auch zu: zum Kunsthistoriker tauge ich nicht. Und nur in dieser Hinsicht ist die Mathildenhöhe von Interesse. Zur „normalen“ Geschichte trägt sie nicht viel bei, denn sie war letztendlich kaum mehr als das Hobby des letzten Großherzogs, beschränkte sich auf einige wenige Jahre und ist heute so eine Art Dauerausstellung architektonischer Experimente.

Glücklicherweise aber gibt es Experten, die da mehr von verstehen als ich. Zum Beispiel der bereits erwähnte Prof. Dr. Dr. Oechslin. Der kommt in einem 38-seitigem Gutachten zu dem Ergebnis:

An der Erfüllung der UNESCO-Kriterien kann also nicht gezweifelt werden; sie werden in exzellenter Weise erfüllt.

Wenn ein Experte zu diesem Ergebnis kommt, kann ich dem wenig entgegensetzen, nur weil ich die Auflistung der Kriterien anders verstehe. Das wäre anmaßend und dumm, zumal Oechslin – im Gegensatz zu mir – sich sicherlich genau angeschaut haben wird, wie die Unesco ihre eigenen Kriterien in der Praxis interpretiert.

Glücklicherweise gibt es da aber andere Leute, die Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe beispielsweise. Die hat in einem offenen Brief Oechslins Argumente auseinander genommen und ihn wie die Verantwortlichen der Stadt heftig kritisiert. Seltsamerweise ist dieser Brief auf der Homepage der Bürgerinitiative auf Anhieb nicht zu finden, aber es gibt andere, die ihn prominenter veröffentlicht haben, Uffbasse zum Beispiel.

Der Brief hat’s in sich. Mein erster spontaner Eindruck war: Prof. Oechslin hat von gar nichts ne Ahnung und Jochen Partsch wäre ohne die Bürgerinitiative jetzt kein Oberbürgermeister. Gut, das ist sicher eine Überinterpretation meinerseits, aber wenn man etwas erreichen will, sollte man vor der Veröffentlichung eines solchen Briefes sich schon mal Gedanken drüber machen, wie das wirkt, was man da schreibt.

Ich bin ja ein sehr wankelmütiger Mensch. Nach der Lektüre von Oechslins Gutachten war ich überzeugt, dass die Mathildenhöhe die Welterbe-Kriterien erfüllt. Dann las ich den Brief der Bürgerinitiative und war plötzlich der gegenteiligen Meinung, denn inhaltlich zerlegt dieser Brief Stück für Stück Oechslins Argumente. Ich hätte gar nicht gedacht, dass man so stichhaltig gegen Oechslins Ausführungen argumentieren könnte, sondern höchstens so armselig wie ich es ein paar Abschnitte weiter oben versucht habe. Die Argumente der Bürgerinitiative sind nicht diplomatisch vorgetragen, aber gut.

Doch jetzt kommt der Witz: Die Bürgerinitiave hat das nicht getan, um eine Bewerbung zum Welterbe zu verhindern, sondern gerade weil sie diese Bewerbung unterstützt.

Ja, das wirkt jetzt erst mal ein wenig schizophren, aber man ist eben der Meinung, dass Oechslins Argumente dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird. Um das zu verhindern, müssen natürlich bessere Argumente für eine Kategorisierung der Mathildenhöhe als Weltkulturerbe her. Solche Argumente sucht man in dem Brief aber vergebens. Die sollen vermutlich (so ganz klar wird das nicht) bei zukünftigen, von der Bürgerinitiative organisierten Informationsveranstaltungen ausdiskutiert werden. Die Krux ist, dass solche Versammlungen in Konkurrenz zu den von OB und Kulturamt geplanten Veranstaltungen stehen.

Ich habe von vielen Leuten die Meinung gehört, dass dieser Brief anmaßend, arrogant und besserwisserisch war. Recht passend fand ich die Bemerkung, es wäre der Versuch katholischer als der Papst zu sein, aber ohne zu verraten wie. Nüchtern muss man feststellen, dass es kaum ergebnisorientiert sein dürfte, jetzt eine Reihe von Konkurrenzveranstaltungen zu organisieren. Am 1. August ist Stichtag. Da soll der Antrag auf Aufnahme in die Tentativliste erfolgen. Dass man sich da in dieser Stimmung noch konstruktiv einigt, ist eher nicht zu erwarten. Es wäre reichlich absurd, würde die Stadt sich nötigen lassen, auf ein positives Gutachten eines anerkannten Experten zu verzichten. Zumindest müsste die Bürgerinitiative bis zum 1. August ein stichhaltigeres Gutachten vorlegen. Wohlgemerkt, die Stichhaltigkeit des Oechslin-Gutachtens wurde bislang nur von der Bürgerinitiative in Frage gestellt. Dass die deutsche Kultusministerkonferenz, die über den Antrag entscheidet, auf die ja durchaus guten Argumente der Bürgerinitiative selbst gekommen wäre, bezweifle ich irgendwie.

Es ist eine sonderbare Farce: dass nichts die Chancen des Antrags so verschlechtert hat wie die Handlungsweise der Bürgerinitiative, will man dort offenbar nicht einsehen.

Unabhängig davon bleibt ein kurzes Fazit: Kann die Mathildenhöhe Weltkulturerbe werden? Ich glaube ja. Das hochtrabende Geschwafel der Unesco hat nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun. Man muss sich nur mal anschauen, was so zum Welterbe erklärt wurde, das Fagus-Werk in Alfeld zum Beispiel, viel braucht es offensichlich nicht, um diesen Status zu bekommen (außer vielleicht viel Geld). Von daher ist die Verleihung einer solchen Auszeichnung nichts weiter als Teil des Stadtmarketings. Wenn wir genug Geld in die Bewerbung investieren, werden wir diese Auszeichnung auch bekommen.

Das Problem ist eher, dass der Status Welterbe gar keinen effektiven Nutzen hat (außer eben für die Vermarktung der Stadt). Der angebliche Schutz solcher Kulturstätten ist in der Praxis nicht vorhanden. Die Unesco-Plakette hat weder die Buddha-Statuen von Bamiyan noch das Dresdner Elbtal geschützt. Die vollkommen unterschiedlichen Hintergründe dieser beiden Fälle zeigen aber auch, dass das keine unglücklichen Einzelfälle waren, sondern dass der Status Welterbe, wenn’s wirklich mal drauf ankommt, vollkommen wertlos ist.

Wertlos, aber teuer. Und mit der Gefahr, dass die Unesco den Status auch schnell wieder aberkennt, weil sie einen Mülleimer auf der Mathildenhöhe als Verschandelung empfindet. Effektiver kann man Geld wohl nicht zum Fenster rauswerfen. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Stadt schmerzhafte Einsparungen durchsetzen muss.

Vielleicht kann man die Diskussion auf eine einfache Frage verkürzen: würde irgendwem irgendetwas fehlen, wenn die Mathildenhöhe kein Weltkulturerbe werden würde?

Na?

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3 Responses to Weltkulturerbefarce

  1. Danke!

  2. Walter Kuhl says:

    Köstlich, hat mir gut gefallen. Wobei es dann doch ganz interessant ist, etwa den Mathildenhöhen-Hype in der Darmstädter Zeitung von 1901 zu lesen (online als Digitalisat der ULB).

    Gibt es nicht gerade eine Internergeschichte, um Haushaltsthemen auf einer eigenen Plattform zu diskutieren? So als Vorschlag zur Kostensenkung, anstatt wieder einmal das Gartenamt zu lichten oder Fahrradbrücken zu bauen.

    • Naja, diskutieren find ich da ein bisschen übertriebenen Begriff, aber man kann auf der Homepage der Stadt Vorschläge zur Haushaltssanierung machen. Zum wirklichen Diskutieren ist das System aber eher nicht geeignet. Was die Stadt da gemacht hat, ist quasi eine Kommentarfunktion wie bei nem Blog.

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