Aus der Vorzeit: Menhire und Steinkreise

Schon die Frage nach der Gründung Darmstadts gibt viel Raum für Spekulation, wie ich ja schon erwähnt hatte. Noch weiter zurückzugehen, ist da natürlich noch schwieriger. Die Frage, was war hier eigentlich los, bevor die Alamannen oder Franken oder wer auch immer die meisten Orte in unserer Gegend gegründet haben, ist nur sehr unzureichend zu beantworten. Historische Quellen aus dieser Zeit gibt es praktisch keine. Lediglich was die römischen Geschichtsschreiber – oft aus dritter oder vierter Hand – erfahren und aufgeschrieben haben, gefiltert durch die Brille des sich zivilisatorisch weit überlegen Fühlenden, nicht selten von simpler politischer Propaganda beeinflusst, gibt uns ein stark verzerrtes Bild von den Menschen, die damals in unserer Region lebten. Wahrscheinlich hatte Captain Kirk mehr objektive Informationen über romulanische Trinksitten als Tacitus über die Siedlungsstruktur der Germanen. Von daher sind für uns heute archäologische Erkenntnisse für die Zeit vor dem Fränkischen Reich weitaus aufschlussreicher.

Doch da gehen die Probleme weiter: unsere Gegend ist offenbar zu uninteressant für gezielte archäologische Grabungen. Bei uns gibt es meist nur Notgrabungen, d.h. wenn beispielsweise irgendwo eine neue Straße gebaut wird und man stößt rein zufällig auf einen archäologischen Fund, dann darf der Wissenschaftler mal ganz schnell ein paar Scherben einsammeln. Systematische Erkenntnisse sind bei solch einer Zufallswissenschaft natürlich sehr schwierig und so wundert es auch nicht, wenn die meisten bekannten Funde in und um Darmstadt noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Damals war die Bergung von Funden aber noch weit von heutigen Standards entfernt und so ist nicht immer klar, was wo wie gefunden wurde. Einige Funde wurden auch im Krieg vernichtet, andere schmoren mangels Forschungsgelder in irgendwelchen Archiven. Kurz: eigentlich wissen wir gar nichts!

Oder fast nichts.

Die frühesten Spuren menschlicher Zivilisation im Darmstädter Raum gehen bis in die Jungsteinzeit zurück. Am Fuß der Ludwigshöhe, auf der Rosenhöhe, in der Ahastraße und im Herrngarten wurden Steinwerkzeuge gefunden, die den Bandkeramikern zugeordnet werden, einer steinzeitlichen Kultur von Ackerbauern, die vor etwa 7.000 bis 8.000 Jahren in Europa verbreitet war. Ihre Siedlungen bestanden vermutlich nur aus wenigen, sehr großen Langhäusern, nach heutiger Vorstellung eher ein Hof als ein Dorf. Diese Bauten standen wohl nicht allzu lange. Gab das Acker- oder Weideland nichts mehr her, zog man weiter und baute einen neuen Hof.

Die natürlichen Gegebenheiten Südhessens waren für steinzeitliche Siedlungen eher ungünstig. Noch Jahrtausende später – im 11. Jahrhundert nach Christus – wird Südhessen als sumpfige Landschaft mit trägen, morastigen und übelriechenden Wasserläufen beschrieben, eine schlammige, stinkende, neblige, unheimliche Gegend, die mit Pferden nur schwer durchquerbar ist, von ganzen Armeen von Fröschen und Stechfliegen beherrscht. Wenn noch im Mittelalter die Gegend so unwirtlich war, wie muss sie erst auf steinzeitliche Siedler gewirkt haben? Unwegsames Gelände, mäanderartige, stinkende Wasserläufe, die den Weg versperren, dazwischen Sumpf und Moor. Man konnte kaum etwas anbauen, sich dafür leicht verirren und jung sterben. Wer wollte hier leben?

Wahrscheinlich gehörte der Darmstädter Raum daher nur zur Peripherie, also zum äußeren Rand eines Siedlungszentrums, das sich von der Wetterau bis in die Gegend um Dieburg ausgebreitet hatte. Erst als die Steinzeit langsam zu Ende ging und die Menschen begannen neben Stein auch Kupfererz zu verarbeiten, scheint der technische Fortschritt der damaligen Menschen mehr als nur ein paar verstreute Hütten im Darmstädter Raum möglich gemacht zu haben.

Eines der bedeutensten Zeugnisse aus dieser Zeit sind die Überreste eines Steinkreises auf der Scheftheimer Wiese kurz vor Roßdorf, aber noch auf Darmstädter Germarkung. Vor etwa 4.500 Jahren, so zumindest die grobe Schätzung, haben Menschen hier eine vorgeschichtliche Kultstätte errichtet. Der größte, wohl ursprünglich zentrale Stein, an dem die gesamte Anlage ausgerichtet war, ist 2,18 Meter hoch und hat ein Gewicht von rund 4 Tonnen. Über viele Jahrhunderte, währenddessen die Anlage gut sichtbar gewesen sein muss, hatte man sich nicht darum gekümmert. Sie wird vor 1967 in keinem Dokument erwähnt. Lediglich ein alter Flurname, heylige Wieße, könnte auf die einst religiöse Bedeutung der Anlage zumindest hindeuten. Die einfachere Erklärung für solch eine Bezeichnung ist allerdings, dass dieses Stück Wiese in kirchlichem Besitz war. Eine christliche Umdeutung, wie sie gelegentlich bei Menhiren vorkam, ist zumindest nicht nachweisbar, so dass eine kultische Verehrung bis in christlicher Zeit wohl nicht stattfand.

Nur wenige Steine befinden sich noch an ihrem ursprünglichen Standort. Manch einen lässt dies auf eine mutwillige Zerstörung schließen. Auch das geschah an verschiedenen Stellen mit alten Sakralstätten, als sich das Christentum bei uns verbreitete. Zwischen dem Ende der Megalithkultur und der Etablierung des Christentums liegen jedoch mehrere Jahrtausende, eine durchgängige, traditionelle Weiternutzung des Steinkreises durch Kelten oder Germanen ist unwahrscheinlich, so dass auch eine bewusste Zerstörung des Steinkreises durch Christen als „Bekehrungsmaßnahme“ ebenso unwahrscheinlich ist. Wenn so etwas stattfand, wurden solche Stätten auch eher „christianisiert“ anstatt zerstört, indem man ihnen beispielsweise ein Kreuz einmeißelte. Spektakuläre Machtdemonstrationen wie die Zerstörung der sächsischen Irminsul durch Karl den Großen haben sich zwar fest ins kollektive Gedächtnis gebrannt, waren aber wohl eher die Ausnahme als die Regel.

Wahrscheinlich war es eher das konsequente Desinteresse, das die Zerstörung des Roßdörfer Steinkreises begünstigte. Vor allem die Umleitung des Ruthsenbachs im Jahr 1704 dürfte der Anlage enorm geschadet haben. Danach taucht auch der Flurname heylige Wieße nicht mehr auf. Ein weiterer, wichtiger Stein wurde Anfang der 1950er Jahre zerstört, angeblich weil ein Landwirt ihn sprengte und in einen nahen Bombentrichter schüttete. Erst 1967 erkannte der Heimatforscher Heinrich Gunkel den Wert der Anlage. Mindestens 14 Felsen (von denen sich heute nur noch 7 vor Ort befinden) konnten dem Steinkreis eindeutig zugeordnet werden. Spätere Untersuchungen lassen weitere Menhire vermuten, die noch unter der Oberfläche liegen.

Damit die kleineren Steine nicht von Andenkenjägern mitgenommen wurden, brachte man sie ins Museum nach Ober-Ramstadt. In Darmstadt, wo man Jahrzehnte später versuchte, den Keltenfürst vom Glauberg für sich zu vereinnahmen, interessierte man sich für diesen bedeutenden Fund direkt vor der eigenen Haustür nicht. Das hat sich auch später nicht geändert. Bis heute ist die Anlage nur oberflächlich untersucht worden. Von einigen einfachen Befunden wie dem Material der Steine (Granitporphyr) abgesehen, ist alles nur Spekulation. Dabei hat der Steinkreis das etablierte Bild der Megalithkultur umgeworfen. Denn eigentlich war man sich sicher, dass diese sich gar nicht bis in unsere Gegend ausgebreitet hatte. Auch heute – mehr als 40 Jahre nach der Entdeckung des Steinkreises – liest man das noch häufig.

Wie bedeutend die Anlage einmal gewesen sein könnte, macht folgender Vergleich deutlich: der Boitiner Steintanz in Mecklenburg-Vorpommern ist laut Wikipedia einer „der wenigen bedeutenden Steinkreise Deutschlands“, er besteht aus 30 Steinen, von denen der größte mit ca. 1,60 Meter erheblich kleiner als der größte Roßdörfer Stein mit 2,18 Meter ist. Der Unterschied zwischen diesen beiden Anlagen ist wohl darin zu sehen, dass der Boitiner Steintanz aus vier (ursprünglich wohl fünf) kleineren Steinkreisen besteht, während die Roßdörfer Anlage nur aus einem, dafür aber vermutlich größeren bestand.

Das Interesse an einer genaueren Erforschung dieses bedeutenden Fundes hält sich seltsamerweiße sehr in Grenzen. So bestätigte der archäologische Bezirksleiter des Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, Holger Göldner, 2008 in der Frankfurter Rundschau zwar, dass der Steinkreis bei Roßdorf einzigartig ist und für die „Megalithkultur […] eigentlich zu weit im Süden“, sagte aber im gleichen Atemzug, dass er von einer weiteren Erforschung gar nichts hält: „Grabung bedeutet immer Zerstörung“. Damit hat er recht. Aber das ist nun einmal Archäologie. Außerdem besteht durchaus die Gefahr, dass die Anlage aufgrund der Unterspülung durch den Ruthsenbach und dem Wurzeldruck der Bäume ohnehin weiter zerstört wird. Eine archäologische Sicherung des Befundes wäre also dringend notwendig.

Man könnte der Meinung sein, dass dieser Steinkreis für Darmstadt nicht von Bedeutung ist, da er immerhin fast fünf Kilometer vom Standort der mittelalterlichen Stadt entfernt ist, doch auch auf dem Gebiet der mittelalterlichen Stadt befindet sich ein Menhir. Scheinbar zumindest. Der Hinkelstein, der dem Hinkelsturm der alten Stadtmauer seinen Namen gibt, steht nämlich nicht aufrecht, wie das ein Menhir eigentlich sollte, sondern liegt auf der Seite. Und das wohl schon seit sehr, sehr langer Zeit. Mehr noch: es gibt keinen Beleg dafür, dass er jemals aufrecht stand. Deshalb gilt dieser große Felsen, der heute versteckt hinter der Stadtbibliothek ein Schattendasein führt, in der Forschung auch lediglich als eiszeitlicher Findling, also als eine natürliche Felsformation, die dort schon so lag, lange bevor die Menschen begannen Steinmonumente zu errichten. Für diese Annahme spricht, dass der Hinkelstein nur der größte Felsen eines ganzen Geröllfeldes gewesen zu sein scheint, das sich in seinem unmittelbaren Umfeld befunden hat.

Auffällig ist allerdings, dass der Hinkelstein nahezu exakt westlich des Steinkreises auf der Scheftheimer Wiese liegt. Die Abweichung beträgt weniger als ein Grad bzw. rund siebzig Meter (auf fünf Kilometer durch unebenes Gelände). Die Bauwerke der Megalithkultur sind häufig nach astronomischen Begebenheiten ausgerichtet. Eine exakte Ausrichtung nach Osten wäre beispielsweise zur Beobachtung des Sonnenaufgangs während der Tag- und Nachtgleiche nützlich. Eine Entfernung von fünf Kilometer ist dafür aber deutlich zu weit, so dass eine solche Ausrichtung nur symbolischen Wert gehabt hätte, beispielsweise für eine Prozession.

Doch der Darmstädter Hinkelstein soll kein umgestürzter Menhir gewesen sein. Er wurde nie ernsthaft als Zeugnis einer vergangenen Kultur in Erwägung gezogen. Ein Grund ist: weil die Megalithkultur sich nicht bis nach Südhessen ausgebreitet hatte. Dass diese Ansicht seit der Entdeckung des Roßdörfer Steinkreises überholt ist, scheint da nicht sonderlich zu stören. Das liegt vor allem daran, dass die wenigen Ausführungen über die Herkunft des Darmstädter Hinkelsteins hauptsächlich aus der Zeit vor der Entdeckung des Steinkreises stammen.

Eine der wichtigsten Quellen für die Darmstädter Vorgeschichte und die archäologischen Befunde ist ein Aufsatz von Werner Jorns aus dem Jahr 1960. Dort heißt es: „Die Enttrümmerung der Darmstädter Altstadt [hat] den Hinkelstein am Hinkelsturm zu ortsgebundenem, gewachsenem Granit degradiert“. Jorns beweist damit allerdings nur, dass er kein Interesse daran gehabt hatte, sich näher mit dem Hinkelstein zu beschäftigen. Wenn er schreibt, die Enttrümmerung hätte den Fels zum ortsgebundenem, gewachsenem Granit degradiert, so suggeriert er mit dem Wort degradiert eine neue wissenschaftliche Erkenntnis, die die früher herrschende Meinung, der Hinkelstein sei ein umgefallener Menhir, erst nach dem Krieg ersetzte, weil man nun den Stein besser untersuchen konnte. Vor der Zerstörung der Altstadt im 2. Weltkrieg war dies nicht möglich gewesen, weil man den Fels überbaut hatte. Der Hinkelstein wurde als Teil einer Hauswand genutzt, der vordere Teil befand sich in die Küche der Bewohner, nur ein kleiner Teil am hinteren Ende ragte auf die Straße hinaus und war somit der Öffentlichkeit zugänglich.

Doch Jorns war schlecht informiert. Die Zuordnung des Hinkelsteins als nichtkultischer Felsen fand schon viel früher statt. In dem 1881 postum erschienen Werk Gesammelte kleine Schriften bezeichnete der in Darmstadt geborene Agrarwissenschaftler Wilhelm von Hamm den Hinkelstein als einen noch nicht beseitigte[n] Granitfindling. Noch deutlicher ist Karl Stoltz in Geologische Bilder aus dem Grossherzogtum Hessen (erschienen 1908): „[…] wollsackähnliche Granitblöcke findet man nur noch vereinzelt in Darmstadt, so z.B. den Hinkelstein in der Altstadt. In früherer Zeit lagen sie an verschiedenen Stellen vielfach herum: am Ballonplatz, in der Stiftstrasse (Knabenarbeitsanstalt), am Kapellplatz usw.“ Es war also keineswegs Ergebnis von neuen wissenschaftlichen Untersuchungen gewesen, auf die Jorns sich beziehen konnte. Es war bloß eine Erzähltradition, die zudem einige Fragen aufwirft.

Zunächst könnte man meinen, das Vorkommen einer ganzen Reihe von Granitblöcken, die durch sogenannte Wollsackverwitterung entstanden sind, wäre ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich bei dem Hinkelstein um den Teil eines Geröllfeldes handelt, dessen Ursprung bis in die Eiszeit zurückgeht. Der Begriff des Hinkelsteins ist aber eindeutig geklärt: ursprünglich nannte man diese Steine Hünensteine. Später missverstand (oder verballhornte) man das Wort zu Hühnerstein, woraus sich dann die Dialektform Hinkelstein entwickelte. Hünensteine nannte man diese Felsen, weil man früher glaubte, nur Hünen, also Riesen hätten sie aufrichten können. Man traute den eigenen Vorfahren diese Leistung nicht zu. Wenn nun aber überall in der Darmstädter Altstadt Granitfindlinge herumlagen, wieso nannte man nur diesen einen Hinkelstein? Weil er der größte war? Oder weil er einmal aufrecht stand?

Die Megalithkultur ist durch den Roßdörfer Steinkreis eindeutig in unmittelbarer Nähe Darmstadts nachgewiesen. Warum hätten diese Leute damals mit großem Aufwand brauchbare Steine über mehrere Kilometer zur Scheftheimer Wiese transportieren sollen, diesen wunderbar geeigneten Felsen auf dem Gebiet des späteren Darmstadts aber einfach liegenlassen? So perfekt geeignete Felsen wie der Darmstädter Hinkelstein lagen ja nicht an jeder Ecke herum.

Es wurde ein typischer Fehler gemacht. Man schloss von der Möglichkeit auf die Notwendigkeit. Die Möglichkeit, dass der Darmstädter Hinkelstein bloß Teil eines eiszeitlichen Geröllfeldes ohne kultische Bedeutung ist, wurde zur Notwendigkeit erklärt. Und wenn etwas erst einmal notwendig so gewesen sein muss, dann folgert man daraus schnell die seltsamsten Schlüsse. So kam es, dass der Darmstädter Hinkelstein trotz seiner erklärten Unbedeutsamkeit eine echte Skurrilität ist. Denn jener Teil, der – wenn er denn jemals aufrecht gestanden hätte – die Unterseite des Menhirs gewesen wäre, besteht aus einer derart glatten Fläche, dass man ihn regelrecht aufstellen möchte.

Glatt bedeutet hierbei natürlich streng genommen nicht, dass es tatsächlich eine glatte Oberfläche ist. Selbstverständlich fühlt sich der Stein auch dort rauh an. Aber im Gegensatz zum Rest des Felsens, der unförmig und unregelmäßig geformt ist, ist diese Seite so gerade, als hätte man dort ein Stück abgesägt. Eine Bearbeitung in der Steinzeit folgerte man daraus natürlich nicht. Auch heute noch trauen wir unseren frühen Vorfahren ungern viel zu. Die Erklärung ist viel drolliger: spielende Kinder, die den Hinkelstein über Jahrhunderte hinweg als Kletterfelsen genutzt hätten, sollen ihn im Laufe der Zeit konsequent abgeschliffen haben. Dass dies nur an einer Seite stattgefunden haben soll, ergibt sich aus einer Besonderheit des Darmstädter Hinkelsteins, denn dieser war, wie bereits erwähnt, überbaut worden, so dass eben nur diese eine Seite zur Straße hinausragte. Folglich konnten die Kinder auch nur auf dieser Seite ihre Kletterübungen machen.

Diese schöne Erklärung hat jedoch einen Haken. Natürlich ragte nicht nur die Unterseite aus dem Haus heraus, sondern auch ein Teil des übrigen Fels. Nicht viel zwar, aber doch genug, dass ein Kind daran hochklettern konnte. Diese seitlichen Stellen weisen aber keinerlei Veränderungen zur ursprünglich unregelmäßigen, gerundeten Form des Felsens auf. Dass die Altstadtkinder den Felsen über Jahrhunderte hinweg immer nur von einer Seite erklettert haben sollen, nicht jedoch von den anderen zugänglichen Stellen, die zudem für ein Kind leichter zu bewältigen waren, ist nicht plausibel.

So sehr das alles auch ein bezeichnendes Bild auf einige Regionalforscher wirft, man darf deswegen jetzt nicht in die Falle tappen und den Darmstädter Hinkelstein ohne Beleg für einen umgefallenen Menhir halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei tatsächlich nur um einen eiszeitlichen Findling handelt, der als Teil eines Geröllfeldes schon immer an dieser Stelle lag, ist keineswegs gering. Es sollte aber jeden Historiker daran erinnern, es sich nicht immer so leicht zu machen. Man kann nicht einfach eine These aus dem 19. Jahrhundert nachplappern, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob neue Erkenntnisse, wie beispielsweise die Entdeckung des Roßdörfer Steinkreises, dazu führen könnten, den Darmstädter Hinkelstein neu bewerten zu müssen. Denn auch wenn er nichts als ein Findling ist, wieso hat die Megalithkultur ihn nicht genutzt, wo er für ihre Zwecke doch so ideal gewesen wäre? Auch die Nichtnutzung dieses Felsens kann als Indiz für die Lebensverhältnis in Südhessen vor 5.000 Jahren dienen.


(Einige Menhire des Steinkreises, Fotos von Joachim S. Müller.
Auf Betreiben des Kulturhistorischen Vereins Roßdorf ist die Anlage zwischenzeitlich etwas
hergerichtet worden, Gestrüpp wurde entfernt und einer der Steine, der in den Ruthsenbach
gestürzt war, wieder aufgerichtet. Ein 360 Grad-Panorama kann man sich hier ansehen.
Interessant ist dort auch der Blick vom Steinkreis weg auf die Wiese. Ein Stein befand sich
ursprünglich mehrere Meter auf dieser Wiese, so dass man erahnen kann,
wie große die Anlage einmal gewesen sein muss)

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One Response to Aus der Vorzeit: Menhire und Steinkreise

  1. Wenn du magst, bedien dich: http://www.flickr.com/search/?q=steinkreis+darmstadt&w=74743437%40N00&s=int&ss=2&m=tags Sind zwar nicht so prima, die Bilder, aber immerhin.

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