Das verrückte Ampelmännchen

In Pirmasens wurde Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt nun zum „regionaltypischen Ampelmännchen“ auserkoren: https://www.rheinpfalz.de/lokal/pfalz-ticker_artikel,-landgraf-ludwig-soll-in-pirmasens-die-ampeln-zieren-_arid,5069531.html

Lui 9 war Herrscher von Hessen-Darmstadt, hielt sich aber über weite Strecken seines Lebens in Pirmasens auf, was damals eine weit abseits des Herrschaftsgebiets liegende kleine Exklave war. Das zuvor kleine Dörfchen baute er zur Garnisonsstadt aus. Militärischer Nutzen: überschaubar, um nicht zu sagen: nicht vorhanden. Es ging Lui 9 nur darum, mit Soldaten spielen zu können.

Auch sonst war er nicht ganz bei Trost. Er litt zumindest zeitweise an Halluzinationen, ließ Geisterjagden veranstalten, Bürgermeister auswürfeln und behauptete (exakt!) 92.176 Märsche geschrieben zu haben. Eat This, Bob Dylan, mit deinen popligen 600 Songs!

 

Die irren Herrscher von Darmstadt (eine polemische Übersicht)

Manchmal ist es bemerkenswert, über welche Kleinigkeiten man sich immer wieder ärgern kann. Das harmlose Wörtchen „Zeithintergrund“ beispielsweise. Man müsse den Zeithintergrund beachten, das ist das immer wieder gebrachte Totschlagargument, wenn man auf Unmenschlichkeiten und Verbrechen von historischen Persönlichkeiten hinweist, auch dann wenn sich die Historikergemeinde dazu entschlossen hat, dass das „große Persönlichkeiten“ sind. Antisemitische Predigten Martin Luthers oder sein Aufruf Hexen zu verbrennen? „Das muss man vor dem Zeithintergrund sehen“. Das Blutgericht von Verden, bei dem Karl der Große der Überlieferung nach 4.500 Sachsen abschlachten ließ? Auch wenn die überlieferte Opferzahl umstritten ist (einige Historiker gehen von etwa einem Zehntel dieser Zahl aus), es war trotzdem Massenmord! Gleichwohl wird Karl der Große in modernen Geschichtsdokumentationen als vorbildlicher Herrscher dargestellt, der ein Weltreich schuf, das wahlweise – je nach politischer Botschaft – entweder die Wurzel Deutschlands oder Europas war.

Obwohl wir in unserer heutigen Gesellschaft solch irrationale Auswüchse brutaler Gewalt zutiefst ablehnen, hat man den Eindruck, als rufe gerade diese unmenschliche Skrupellosigkeit gegenüber seinen Feinden eine gewisse Faszination hervor, so als wären es die Kanten und Risse von dem Idealbild eines „guten Herrschers“, die die Person erst „echt“ und respektabel im Auge des Betrachters machen. Das kommt daher, dass das meiste, was wir über historische Persönlichkeiten erzählt bekommen, nicht Geschichte ist, sondern Geschichten.

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Amtliche Nettigkeiten

Wenn man heute offizielle bzw. amtliche Protokolle oder Verfügungen liest, dann sind die meist sehr verklausuliert, so dass man erst mal darüber nachdenken muss, was eigentlich wirklich gemeint ist. Früher war man da deutlich direkter und ehrlicher und so wissen wir aus einigen Dokumenten, was z.B. die Leute im Stadtrat wirklich voneinander gedacht haben. Auch der Landgraf bzw. später der Großherzog nimmt in seinen Schreiben kein Blatt vor den Mund.

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Der Landgraf und die Geister

Ich stecke etwas im Sommerloch und wenn ich mir die Zugriffszahlen auf das Blog ansehe, bin ich da wohl nicht der Einzige. 😉 Deshalb habe ich etwas aus meinem alten Blog hervorgeholt und veröffentliche es noch mal (etwas überarbeitet). Das ist eine meiner Lieblingsepisoden aus der Darmstädter Geschichte und deshalb auch wert noch einmal erzählt zu werden.

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