Darmstadt und die Revolution

Darmstadt galt im Vormärz und während der 1848/49er Revolution als eine Hochburg der Reaktion. Hier herrschte das „System du Thil“, benannt nach Karl du Thil, dem Regierungschef des Großherzogtums, der mit seinem autoritärem Führungsstil zum Hassobjekt der liberalen und demokratischen Bewegung wurde, mehr noch als das Staatsoberhaupt Großherzog Ludwig II.

Letzterer war eine politisch blasse Erscheinung, der es sich gleich zu Beginn seiner Herrschaft 1830 mit dem Landtag verscherzte bei dem dreisten Versuch seine in seiner Zeit als Erbprinz angehäuften Privatschulden in Millionenhöhe auf den Landeshaushalt zu übertragen. Die zweite Kammer des Landtags lehnte diesen Antrag mit der überwältigenden Mehrheit von 41 zu 7 Stimmen ab. Der Antrag der Regierung, das Schloss für mehr als eine halbe Million Gulden auszubauen, wurde daraufhin kleinlaut zurückgezogen. Der Großherzog war demontiert und die liberalen Kräfte gestärkt. Da nützte es auch nichts, dass man versuchte schlechte Stimmung zu erzeugen, indem man das Gerücht streute, der Großherzog erwäge es mitsamt seinem Hof nach Gießen umzuziehen. Noch 1830 konnte der Landtag eine Lockerung der staatlichen Zensur durchsetzen, so dass erstmals auch kritische politische Zeitungen im Land erlaubt wurden.

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