Den Hindenburg machen (2) – Wider dem Narrativ

Tatsächlich gibt es einmal fast so etwas wie Neuigkeiten. Wie dem Echo mit Berufung auf Oberbürgermeister Partsch zu entnehmen ist, werden in etwa zwei Monaten die Empfehlungen des „Fachbeirats für die Prüfung der Darmstädter Straßennamen“ bekannt gegeben.

„Geprüft wurden vor allem mögliche Verflechtungen von Namenspaten während der Nazizeit. Man kann aber nicht immer die Lebensleistung von Menschen auf die NS-Zeit reduzieren.“

Mehr von diesem Beitrag lesen

Werbeanzeigen

Den Hindenburg machen

Die SPD hat diese Woche vorgeschlagen, die Hindenburgstraße in Mirjam-Pressler-Straße umzubenennen, nach der kürzlich verstorbenen, in Darmstadt geborenen Schriftstellerin.

Ein neuer Name, aber ein altes Thema, folglich gibt es auch die alten Ablehnungsreflexe, die schon großes „Die Ente bleibt draußen“-Potential haben. Mittlerweile ist es müßig zu wiederholen, dass das Thema seit Jahren gegessen wäre, hätte man die Umbenenunng 2006, als es der Magistrat beschlossen hatte, durchgeführt (zumal es damals wohl an gewissen Animositäten scheiterte, während die vorgebrachten Argumente eher vorgeschoben waren).
Mehr von diesem Beitrag lesen

Und täglich grüßt der Hindenburg (Folge 42)

Und wieder mal war die Hindenburgstraße Thema, diesmal im Bauausschuss: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/hindenburgstrasse-linke-scheitert-mit-antrag-nach-anbringung-eines-zusatzschilds_18754833.htm.

Die Linke hatte beantragt, den erklärenden Zusatz des Straßenschildes durch den Hinweis „Kriegsherr, Reichspräsident und Wegbereiter Hitlers“ zu ersetzen. Das wäre zumindest originell, meines Wissens gibt es nichts Vergleichbares auf irgendeinem Straßenschild in Deutschland. Zumindest in dieser Formulierung finde ich die Gefahr, dass das missverstanden wird, aber auch sehr groß.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Die N en Burgstrasse

Eine schöne Pointe ist, dass die „Senioren“, die den tätlichen Angriff auf die Hindenburgstraße verübt haben, zu dem letzten Schild nicht mehr gekommen sind. Das habe ich eben mal fotografiert, es sieht so aus:

20180211_204246

Sorry, die Straßenlaterne hat arg gestört, aber da steht N enburgstrasse. Ich habe auf das Schild in letzter Zeit nicht so geachtet, es könnte natürlich auch ein Altschaden sein, mir wurde aber eben gesagt, dass der EAD das wohl veranstaltet hat, weil er an den Schildern die Klebestreifen abkratzen sollte. Ein Klebestreifen, der dort gar nicht vorhanden war. „Verdammt, das klebt aber dolle, gib mir mal die Kelle…aaah… ups, ohoh!“

Aber selbst, wenn das nur ein Altschaden ist, den hat offenbar keinen gestört, aber kaum, dass ein paar „Senioren“ ein paar Klebestreifen anbringen, wird’s plötzlich hektisch in der Stadtverwaltung. Wenn es ein Altschaden war, dann hat es schon seit einiger Zeit niemanden gestört, dass dort Hindenburgstraße nicht mehr zu lesen ist, wieso also ist es dann ein Problem, wenn „Senioren“ den Schriftzug unleserlich machen?

Übrigens: die „Senioren“ wurden nicht etwa geschnappt, weil eine Polizeistreife zufällig vorbeikam, sondern ein Anwohner hat dafür extra die Polizei gerufen. Weil ein paar Leute Klebestreifen auf Straßenschildern anbringen! Drei Tage vorher war nur wenige Meter weiter in der Neckarstraße ein 20-jähriger brutal überfallen worden, aber Anwohner der Hindenburgstraße binden Polizeikräfte wegen so einer Lappalie. Ja, streng genommen ist es Sachbeschädigung, aber Himmelherrgott das waren ein paar Klebestreifen, da ist überhaupt kein Schaden entstanden, zumindest nicht so sehr wie an dem einzigen Straßenschild, an dem kein Klebestreifen war. So viel politischen Ungehorsam muss eine Demokratie schon aushalten.

Historische Gründe

Kennt Ihr das? Dass Ihr irgendwas schon tausendmal gehört, gelesen oder erlebt habt? In Darmstadt geschieht das regelmäßig an der Hindenburgstraße. Dort haben am späten Montagabend drei – wie das Echo schreibt – „Senioren“ das Straßenschild überklebt und aus der Hindenburgstraße die „Halit-Yozgat-Straße“ gemacht. Nicht zum ersten Mal. Wurden natürlich auf frischer Tat ertappt.

Klaus Honold, früher mal beim Echo, heute „städtischer Sprecher“ sagt dazu:

Mehr von diesem Beitrag lesen

Und wieder mal die Hindenburgstraße

Und wieder mal ist die Hindenburgstraße Thema: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/umbenennung-der-darmstaedter-hindenburgstrasse-bleibt-thema_17650770.htm

Mehr von diesem Beitrag lesen

Nachtrag zu Hindenburg & Co.

Endlich mal eine neue Information für mich heute im Echo:

Mittlerweile hat die Arbeitsgruppe Ehrengräber den Auftrag, das Leben und die politische Gesinnung von Namensgebern Darmstädter Straßen und deren Vereinbarkeit mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft zu überprüfen. Dafür hat die Stadt 60 000 Euro bereitgestellt.

Dazu fallen mir zwei Dinge auf: 1. braucht es wirklich 60.000 Oironen, dass man mal die Straßennamen durchgeht und die Biographien der jeweiligen Namensgeber überprüft? Also, wenn die Stadt Geld sparen will, ich hätte das gerne kostengünstiger gemacht.

Und Zweitens: das Hauptargument der Gegner der Umbenennung sind doch die Kosten, die z.B. durch das Ändern des Briefkopfes vor allem für so große Betriebe wie die wbg angeblich entstehen. Dass diese Kosten 60.000,- Euro aber auch nur annährend erreichen, darf wohl eher bezweifelt werden. Das wirkt auf mich so, als würde man jetzt eine Menge Geld ausgeben, um den Namen nicht ändern zu müssen. Ich habe oft als Gegenargument gehört, dass es doch wohl wichtigeres gebe. Das ist richtig. Aber eigentlich muss man sich dann doch eher mal fragen, warum so viele so verbissen die Namensänderung verhindern. Hätte man das vor Jahren, als es zum ersten Mal debattiert wurde, gemacht, würde doch heute kein Hahn mehr danach krähen.