Mobilmachung 1914

Darmstadt war zu Beginn des Jahres 1914 eine tief gespaltene Stadt. Ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung hatte dafür gesorgt, dass das einstmals trotz Hauptstadtstatus eher rückständige Darmstadt nun von allen hessischen Städten die größte Steuerleistung und die höchste Kaufkraft besaß. Wie häufig in solchen Fällen verteilte sich der neue Reichtum jedoch sehr ungerecht. Während es am oberen Ende wenige Spitzenverdiener (weniger als 1%) mit mehr als 100.000,- Mark Jahreseinkommen gab, lebten etwa 70% der Bürger von weniger als 2.000,- Mark im Jahr. Der durch den Aufschwung gestiegene Wohlstand kam also nur bei Wenigen an. Die sichtbaren Folgen davon war ein seltsam scharfer Kontrast zwischen den Stadtvierteln, angefangen bei den bürgerlichen Bauten der Oberschicht entlang der Rheinstraße, den Arbeiterquartieren im Johannes- und Martinsviertel, den Jugendstilbauten und der völlig heruntergekommenen und verwahrlosten Altstadt.

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