Das Neue frisch wagen … es sei denn, ich habe Nachteile davon

Das Institut Mathildenhöhe widmet dem letzten Großherzog Ernst Ludwig eine Ausstellung, bei der „das kreative Schaffen des vielfach begabten Großherzogs im Fokus“ steht. Titel ist: „Das Neue frisch zu wagen!“, Teil eines Mottos, das Ernst Ludwig ursprünglich zuerst gegenüber Olbrich geäußert haben soll. Anlass ist der 150. Geburtstag des Großherzogs am 25. November diesen Jahres.

Bereits einige Tage vorher wäre aber noch ein anderes Jubiläum in Bezug auf Ernst Ludwig erwähnenswert: Am 9. November jährt sich zum 100. Mal die Absetzung des Großherzogs.

Wäre der Beginn von Demokratie und Republik nicht viel eher Anlass für eine Ausstellung als Gedichte, Theaterstücke und Gemälde, deren künstlerischer Wert überschaubar ist und die nur von Interesse sind, weil sie von einem Monarchen stammen, nicht aber aus sich selbst heraus?

Sollten wir gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen nicht lieber die Republik thematisieren als die Monarchie?

Übrigens, als es zu Republik und Demokratie kam, war es mit dem Motto des Großherzogs nicht mehr weit her. Er dachte gar nicht daran, „das Neue frisch zu wagen“. Er weigerte sich abzudanken.

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Anastasia und die mysteriöse Reise des Großherzogs

Am 17. Februar 1920 versuchte eine junge Frau sich durch einen Sprung in den Berliner Landwehrkanal das Leben zu nehmen. Zunächst verweigerte sie jegliche Angaben zu ihrer Identität. Später nannte sie sich erst Anna Tschaikowsky und dann Anna Anderson. Ihr tatsächlicher Name war vermutlich Franziska Schanzkowska bzw. Francisca Czenstkowska. Ab 1922 kam allerdings das Gerücht auf, sie sei in Wahrheit Anastasia Romanowa, eine Tochter von Zar Nikolaus II., die auf  wundersame Weise die Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918, in der die gesamte Zarenfamilie ermordet wurde, überlebt hatte. Ob sie dieses Gerücht selbst in die Welt setzte oder ob es ihr andere Leute, vor allem eine Mitpatientin der Psychiatrie, in der sie  untergebracht war, solange einredeten, bis sie es selbst zu glauben begann, ist nicht ganz klar.

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