Was eine Zahl alles verraten kann…

Die Verwaltung des mittelalterlichen Darmstadts war genau betrachtet ein Kuriosum, zumindest was ein auf den ersten Blick wenig bedeutsames Detail betrifft: es wurde von einem Schöffengericht mit 14 Mitgliedern verwaltet. In anderen Städten und Dörfern bestand ein solches Gremium üblicherweise entweder aus 12 oder 7 Personen.

Diese Zahlen hatten eine lange Tradition. Der Ursprung liegt möglicherweise in der Einteilung des Jahres in 12 Monate und der Woche in 7 Tage, konkret war es aber ein Bezug auf die 12 Apostel Christi, die wiederum eine Anspielung auf die 12 Stämme Israels gewesen sein dürften, sowie die 7 als Summe aus der Dreieinigkeit als Symbol des Göttlichen und den vier Elementen als Symbol der Erde. Deshalb gab es ursprünglich auch drei geistliche und vier weltliche Kurfürsten.

In Arheilgen und Eberstadt gab es 12 Schöffen, in Bessungen und Wixhausen 7. Daraus lässt sich vermuten, dass die Frage, für welche der beiden Varianten man sich entschied, eher willkürlich war. Von der Größe und Bedeutung des Dorfes kann es nicht abhängig gewesen sein, denn dann hätte Bessungen, das vor dem Aufstieg Darmstadts der zentrale Ort der Gegend gewesen ist, nicht die kleinere Zahl gewählt.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Werbeanzeigen

Nachtrag zum ursprünglichen Straßenverlauf

[zum besseren Verständnis sollte zumindest der Artikel: Straßenverlauf in grauer Vorzeit und erstes Stadttor gelesen worden sein]

Als kleinen Nachtrag zu meinen Ausführungen über die von Stadthistorikern immer wieder vertretene Behauptung, dass die alte Bergstraße direkt am Schloss an der Wildhube eines Franken namens Darimund vorbeigeführt haben soll, hätte ich hier noch eine Luftaufnahme der Royal Air Force vom 19.09.1944: http://www.raf.mod.uk/bombercommand/images/c4660.jpg.

Diese Bildquelle wird sensiblen Gemütern vielleicht etwas makaber erscheinen, aber da seit dem Jahrestag der Brandnacht noch nicht mal ganz 2 Wochen vergangen sind, ist das Bild sicher auch unter diesem Aspekt interessant, zeigt es doch die nahezu totale Zerstörung der Altstadt. Wenn manchmal behauptet wird, viel der Bausubstanz der Altstadt wäre noch erhalten gewesen und erst nach dem Krieg unsensibel niedergerissen worden, so kann das diese Aufnahme nicht wirklich bestätigen (und es gab nach der Brandnacht ja noch weitere Luftangriffe). Vor allem das alte Oberdorf, die ältestes Siedlungszelle der Stadt, ist faktisch nicht mehr vorhanden.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Straßenverlauf in grauer Vorzeit und erstes Stadttor

Ein kleiner Nachtrag noch zum letzten Beitrag und die umstrittene Frage, ob die alte Bergstraße durch das Frankfurter Tor am Schlossgraben oder durch das Arheilger Tor östlich des heutigen Darmstadtiums führte.

Schauen wir uns zunächst an, was für den Verlauf der alten Bergstraße entlang des ehemaligen Frankfurter Tors spricht. Die alte Verbindung zwischen Darmstadt und Arheilgen verlief über die Arheilger Straße (deswegen heißt die ja auch so). Verlängert man die Arheilger Straße gerade nach Süden, so kommt man exakt an der Stelle an, an der das Frankfurter Tor stand. Da die Bergstraße von den Römern ausgebaut wurde und die Römer dafür bekannt sind, schnurgerade Wege gebaut zu haben, scheint es plausibel, dass das der Verlauf der Straße war. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Mehr von diesem Beitrag lesen