Die N en Burgstrasse

Eine schöne Pointe ist, dass die „Senioren“, die den tätlichen Angriff auf die Hindenburgstraße verübt haben, zu dem letzten Schild nicht mehr gekommen sind. Das habe ich eben mal fotografiert, es sieht so aus:

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Sorry, die Straßenlaterne hat arg gestört, aber da steht N enburgstrasse. Ich habe auf das Schild in letzter Zeit nicht so geachtet, es könnte natürlich auch ein Altschaden sein, mir wurde aber eben gesagt, dass der EAD das wohl veranstaltet hat, weil er an den Schildern die Klebestreifen abkratzen sollte. Ein Klebestreifen, der dort gar nicht vorhanden war. „Verdammt, das klebt aber dolle, gib mir mal die Kelle…aaah… ups, ohoh!“

Aber selbst, wenn das nur ein Altschaden ist, den hat offenbar keinen gestört, aber kaum, dass ein paar „Senioren“ ein paar Klebestreifen anbringen, wird’s plötzlich hektisch in der Stadtverwaltung. Wenn es ein Altschaden war, dann hat es schon seit einiger Zeit niemanden gestört, dass dort Hindenburgstraße nicht mehr zu lesen ist, wieso also ist es dann ein Problem, wenn „Senioren“ den Schriftzug unleserlich machen?

Übrigens: die „Senioren“ wurden nicht etwa geschnappt, weil eine Polizeistreife zufällig vorbeikam, sondern ein Anwohner hat dafür extra die Polizei gerufen. Weil ein paar Leute Klebestreifen auf Straßenschildern anbringen! Drei Tage vorher war nur wenige Meter weiter in der Neckarstraße ein 20-jähriger brutal überfallen worden, aber Anwohner der Hindenburgstraße binden Polizeikräfte wegen so einer Lappalie. Ja, streng genommen ist es Sachbeschädigung, aber Himmelherrgott das waren ein paar Klebestreifen, da ist überhaupt kein Schaden entstanden, zumindest nicht so sehr wie an dem einzigen Straßenschild, an dem kein Klebestreifen war. So viel politischen Ungehorsam muss eine Demokratie schon aushalten.

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Nochmal die Totenmaske…

(Nachtrag zu diesem Beitrag: Die Totenmaske Shakespeares in Darmstadt)

Hach, wenn man Bücher vermarkten muss… Michael Kibler hat hessenschau.de ein Interview zu seinem neuen Krimi gegeben. Darin sagt er u.a. über die Totenmaske:

… liegt die Totenmaske unten in der Uni-Bibliothek neben den Garderobenspinden für die Studenten hinter einem Fenster, noch nicht mal hell erleuchtet. Es ist unfassbar, wie die Stadt Darmstadt mit ihren hohen Kulturgütern umgeht.

Vielleicht will sich die Stadt Darmstadt aber auch nur nicht vor der gesamten Fachwelt zum Horst machen.

Vor 20 Jahren hätte man gesagt: Es gibt so viele Indizien, die dafür sprechen. Heute sagt jeder: Es ist ja nicht über einen DNA-Test abgesichert. Was ja auch stimmt. Es sprechen starke Indizien dafür, der Rest ist Glaubenssache. Ich persönlich halte sie für echt.

Nee, vor 20 Jahren hat man das auch schon für Unsinn gehalten, Hammerschmidt-Hummel hatte bereits Mitte der 1990er ihre Thesen vorgestellt. Die Fachwelt war wenig überzeugt. Und um einen DNA-Test geht es gar nicht. Sondern darum, dass alles, was für eine Authentizität angeführt werden kann, eine in ihrer Aussagekraft fragwürdige Untersuchungsmethodik ist, die nachweislich in zumindest einem Fall ein eindeutig falsches Ergebnis hervorgebracht hat, und eine mehr als dubiose Auffindungsgeschichte gepaart mit dem Mangel einer historischen Dokumentation der Existenz der Totenmaske. Wo war die Maske denn, bevor sie Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem Mainzer Trödler unter einem Haufen wertlosen Ramsch aufgetaucht sein soll, nachdem der Hofmaler Louis Becker zwei Jahre lang praktisch jedem Trödler auf die Nase gebunden hatte, dass er die Maske sucht, deren Existenz er anhand eines Porträts, das gar nicht Shakespeare zeigt, vermutete?

Die Auffindungsgeschichte ist nicht plausibel, die Methodik zum Nachweis der Echtheit fragwürdig, die Existenz einer Totenmaske historisch nicht belegt und eher unwahrscheinlich, da es zu Zeiten Shakespeares zumindest bei Bürgerlichen noch eher unüblich war, dass Totenmasken angefertigt wurden. Mag sein, dass man das bei jemandem so populärem wie Shakespeare dennoch getan hat, dann stellt sich aber zwingend die Frage, wieso dann so eine populäre Totenmaske mehr als 200 Jahre vollkommen undokumentiert geblieben ist!

Ich verlange ja nicht viel, aber ein bisschen gesunde Skepsis würde mich vielleicht dazu bringen, solche Bücher zu lesen. 😉

Historische Gründe

Kennt Ihr das? Dass Ihr irgendwas schon tausendmal gehört, gelesen oder erlebt habt? In Darmstadt geschieht das regelmäßig an der Hindenburgstraße. Dort haben am späten Montagabend drei – wie das Echo schreibt – „Senioren“ das Straßenschild überklebt und aus der Hindenburgstraße die „Halit-Yozgat-Straße“ gemacht. Nicht zum ersten Mal. Wurden natürlich auf frischer Tat ertappt.

Klaus Honold, früher mal beim Echo, heute „städtischer Sprecher“ sagt dazu:

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Gescheiterte Projekte

Ich misste gerade meine Festplatte etwas aus und stelle fest, dass ich ein Problem damit habe Dinge zu beenden. Im Laufe der Zeit haben sich dort unzählige „Projekte“ (blödes Wort dafür, mir fällt aber gerade nichts besseres ein) angesammelt, die ich nie beendet habe. Dinge, für die ich mich sonst so interessiere und die ich sonst so gemacht habe.

Ich dachte mir daher, da der Blog mittlerweile auch eher gescheitert ist (okay, das könnte man anders deklarieren), könnte ich ihn ja so als Endzwischenlager missbrauchen und dieses gesammelte Unvollendete auf Unterseiten des Blogs verteilen. Nachdem ich das mit zwei Projekten (teilweise!) gemacht habe, habe ich aber auch schon wieder die Lust verloren, praktisch also noch ein gescheitertes Projekt geschaffen.

Wieder löschen wäre jetzt aber auch dämlich, von daher, wen es trotzdem interessiert, hier ist es zu finden: https://darmundestat.wordpress.com/sonstiges/gescheiterte-projekte/ (oder oben über die Leiste bei „Sonstiges“).

Die Totenmaske Shakespeares in Darmstadt

Nur ein paar kleine Bemerkungen, weil ich darauf jetzt über die Feiertage mehrfach hin angesprochen wurde.

Michael Kibler baut seinen neuen Krimi „Treueschwur“ teilweise um die angebliche Totenmaske William Shakespeares auf, die in der Darmstädter Universitätsbibliothek aufbewahrt wird. Die Frage, die dabei natürlich aufkommt, ist: Handelt es sich dabei wirklich um die Totenmaske Shakespeares?

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Gibt’s demnächst mal wieder was?

Das ist eine Frage, die ich in Bezug auf den/die/das (der korrekte Artikel macht mir immer noch Schwierigkeiten 😉 ) Blog seit einiger Zeit gelegentlich gestellt bekomme.

Die kurze Antwort: in nächster Zeit wahrscheinlich eher nicht.

Die lange Antwort:

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Es begann so vielversprechend

Schon vor einigen Wochen hatte die Frankfurter Rundschau einen Bericht über den neuen Pächter der Burg Frankenstein (http://www.fr.de/rhein-main/darmstadt-dieburg-werwolf-wird-burgherr-a-1284395). Als es darum geht, ob Mary Shelley durch die Burg zu ihrem Roman Frankenstein inspiriert wurde, wird der neue Pächter doch tatsächlich mit den Worten zitiert:

„Belegt ist aber nur, dass sie in Gernsheim war“

Genau. 43 Jahre lang konnte man seinem Vorgänger nicht begreiflich machen, dass mehr nicht ist. Shelley war für 3 Stunden in Gernsheim, bei Nacht. Sie war niemals auf der Burg.

Leider geht der Artikel dann aber so weiter:

Dagegen sei sicher, dass der 1673 auf der Burg geborene Theologe, Alchemist und Arzt Johann Konrad Dippel Versuche mit Schwarzpulver in einem der Türme machte.

Au.

Bisher hieß es immer, es wäre Nitroglyzerin gewesen. Dass das nicht sein kann, weil es damals noch gar kein Nitroglyzerin gegeben hat, sollte eigentlich dazu führen, dass man auf die Idee kommt, dass die ganze Geschichte nicht stimmt. Statt dessen ersetzt man das Nitroglyzerin durch Schwarzpulver, das gab’s damals ja.

Klar, niemand kann völlig ausschließen, dass Dippel irgendwann irgendwo irgendwie mal mit Schwarzpulver herumexperimentiert hat, nur gibt es keinerlei Hinweise darauf. Vielleicht hat er auch bei Vollmond im Burghof Sirtaki getanzt, wer weiß? Davon ausgehen würde ich aber nicht. Warum also sollte man davon ausgehen, er hätte mit Schwarzpulver experimentiert?

Außerdem gibt es auf dem ehemals von Kelten genutzten Areal Magnetsteine

Es gibt nicht einen einzigen keltischen Fund auf dem Areal.