Widergesetzliche Überklebung, das wacklige Rückgrat des Magistrats und die obligatorische AfD

Ein paar kleine Nachträge zum Thema Hindenburgstraße:

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Zeichen und Wunder – Hindenburg verlässt uns

Ich gebe ehrlich zu, dass es mich überrascht und ich nicht damit gerechnet habe, aber der Magistrat zeigt Rückgrat und will die Hindenburgstraße tatsächlich umbenennen, damit der Name des Mannes, ohne den Hitler nicht legal an die Macht gekommen wäre, der mit der Dolchstoßlegende einen großen Beitrag zur Entstehung des Nationalsozialismus‘ geleistet hat, aus unserem Stadtbild veschwindet: https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/die-darmstadter-hindenburgstrasse-wird-umbenannt_20133249

Geht tatsächlich eine mittlerweile jahrzehntealte Debatte zu Ende?

Abwarten. Der Aufschrei ist erwartbar. Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht wieder weichkochen lässt wie seinerzeit, als der Magistrat zuletzt eine Umbenennung beschlossen hatte und dann doch wieder eingeknickt war.

Noch überraschender ist aber, dass der Magistrat noch sieben weitere Straßennamen umbenennen will. Peter Grund, Christian Heinrich Kleukens, Hans von der Au, Gustav Brandis, Walter Georgii, Richard Kuhn und Alarich Weiss sollen zumindest namentlich ebenfalls aus dem Stadtbild verschwinden.

Es gäbe noch viel mehr fragwürdige Straßennamen in Darmstadt, wie ich vor einiger Zeit einmal festgestellt habe, aber acht Straßen auf einmal umzubenennen, das wird hart bei der Durchsetzung. Spannend bleibt zumindest zu sehen, wer demnächst sein Wort für NSDAP-Mitglieder wie Peter Grund erheben wird.

Nachtrag:
Die Ironie an der Sache ist ja, dass, wenn sich gewisse Kreise in der Vergangenheit nicht so vehement gegen eine Umbenennung der Hindenburgstraße gesperrt hätten, bei all den anderen, die jetzt auch umbenannt werden sollen, wohl nie so genau hingeschaut worden wäre. Wenn ich den Echo-Artikel richtig verstehe, war bspw. die SS-Mitgliedschaft von Alarich Weiss bislang unbekannt.

Shakespeares Totenmaske und das Flower-Porträt in Wikipedia-Logik

Wikipedia verwirrt mich.

In der aktuellen Version (Stand 10.03.2019) des Artikels über William Shakespeare liest man unter anderem dies:

Weitere Porträts, über deren Authentizität kein breiter Konsens vorliegt und die zum Teil sehr umstritten sind, sind u. a.:

[…]

  • das Flower-Porträt von 1609, das zunächst nach einer Untersuchung der National Portrait Gallery im Jahr 2004 als Fälschung des 19. Jahrhunderts angesehenen wurde. In jüngster Zeit haben neuere Forschungen jedoch zu der Annahme geführt, das nicht, wie zuvor angenommen, dieses Porträt nach der Vorlage des Droeshout-Stichs von 1623 entstanden sei, sondern vermutlich umgekehrt dem Stich von 1623 als Vorlage gedient habe.

„Belegt“ wird dies mit einem Verweis auf „Ina Schabert(Hrsg.): ‚Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt.‘ 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009“.

Blöd nur, dass sich diese Behauptung schon in der 4. Auflage des Buches finden lässt, die bereits im Jahr 2000 erschienen ist (siehe hier), also vor der Untersuchung aus dem Jahr 2004, in der festgestellt wurde, dass Teile des Gemäldes mit Chromgelb (Blei(II)-Chromat) gemalt wurden. Chromgelb wurde 1797 entdeckt und findet erst seit 1818 Anwendung als Pigment. Folglich kann auch das Flower-Porträt nicht früher entstanden sein.

Weiter heißt es:
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Zur Nachahmung nicht empfohlen

Aus Anlass des Besuchs einer Darmstädter Delegation in der neuen Partnerstadt San Antonio erwähnt das Echo die 1847 von Darmstädtern gegründete Siedlung am Llano River: https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/darmstadter-spurensuche-in-san-antonio-aus-der-geschichte-in-die-gegenwart_19980175

Leider nur sehr oberflächig und stellenweise falsch. So wird beispielsweise behauptet, dass sich die Auswanderer mit dem „Bürgerkrieg“ auseinandersetzen mussten. Die Darmstädter Siedlung am Llano River bestand aber lediglich 1847 und 1848, der Sezessionskrieg begann erst 1861, da hatten sich die Auswanderer längst zerstritten und in alle Winde zerstreut.

Ziemlich beschönigend ist es auch, wenn man z.B. einmal dieses hier herausnimmt:
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Zu doof zum…

Die taz berichtet darüber, dass die AfD Darmstadt ihre eigenen Facebook-Posts positiv kommentiert: http://taz.de/Facebook-Posts-der-AfD-Darmstadt/!5576308/

Laut taz hat man die Kommentare zwischenzeitlich gelöscht und hüllt sich in Schweigen. Naja, es bräuchte ja auch Mut zur Wahrheit zuzugeben, dass man da seine eigenen sinnbefreiten Postings ein wenig pimpen wollte.

There must be some way out of here

Heute um kurz vor 12.00 Uhr in der Elisabethenstraße. Das Wetter ist gut, ein bisschen frisch noch, aber strahlend blauer Himmel, der Frühling kündigt sich an, die Menschen sind gut gelaunt…

Oder so…
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Den Hindenburg machen (2) – Wider dem Narrativ

Tatsächlich gibt es einmal fast so etwas wie Neuigkeiten. Wie dem Echo mit Berufung auf Oberbürgermeister Partsch zu entnehmen ist, werden in etwa zwei Monaten die Empfehlungen des „Fachbeirats für die Prüfung der Darmstädter Straßennamen“ bekannt gegeben.

„Geprüft wurden vor allem mögliche Verflechtungen von Namenspaten während der Nazizeit. Man kann aber nicht immer die Lebensleistung von Menschen auf die NS-Zeit reduzieren.“

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