Neue Details zu den Monstermythen auf Burg Frankenstein

Ich hatte ja gerade zugegeben, dass ich manchmal auch einfach bei Google Books recherchiere. Bevor mir einer einen Strick daraus dreht: mir sind sämtliche Schwierigkeiten dabei bewusst. Ein paar interessante Details kann man dennoch immer mal wieder dabei entdecken. Diesmal bin ich seit längerer Zeit mal wieder auf den Mythos um Burg Frankenstein zurückgekommen.

Meine Recherchen dazu hatte ich ja Ende 2011 mit einem immerhin 13-seitigen Aufsatz abgeschlossen, der Anfang 2012 auf der Internetseite des Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein veröffentlicht wurde (nachzulesen hier). Ich hatte dabei festgestellt, dass die häufige Behauptung, Mary Shelley wäre von der Burg Frankenstein zu ihrem berühmten Roman Frankenstein oder der moderne Prometheus inspiriert worden, lediglich ein moderner Mythos ist, der nach dem 2. Weltkrieg entstand, bedingt zum einen durch die Stationierung von US-Truppen nahe der Burg, die später dann auch das jährliche Halloween-Festival ins Leben riefen, und der amerikanischen Tourismusbranche, die Flüge nach Frankfurt verkaufen wollte und deshalb mit einer frei erfundenen Geschichte einen Zusammenhang zwischen der Burg Frankenstein und Shelleys Roman herstellte.

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Johann Conrad Dippel

Letztes Jahr hatte ich mich zu Halloween ja mal mit den Zusammenhängen von Halloween und der Burg Frankenstein beschäftigt (ein Artikel, der diese Tage viele Zugriffe hat). Da sich die Veranstalter des Festival dieses Jahr nicht entblödet haben und mal wieder Werbung machen mit der Lüge, Jacob Grimm hätte 1813 einen Brief geschrieben, in dem es um „schaurige Versuche des Johann Konrad Dippel“ mit Leichenteilen auf dem Frankenstein ginge, ein nicht existenter Brief, der dennoch auf magische Weise die Vorlage für Shelleys Roman Frankenstein gewesen sein soll, möchte ich dem mal die wirkliche Geschichte des Johann Conrad Dippel entgegen setzen. Ich hatte das im alten Blog schon einmal getan. Da es den aber nicht mehr gibt, hier noch mal, natürlich gründlich überarbeitet und verbessert. 

Der auf der Burg Frankenstein geborene und in Nieder-Ramstadt und Darmstadt zur Schule gegangene Johann Conrad Dippel war im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert eine bekannte Persönlichkeit in den deutschsprachigen Ländern sowie einiger angrenzender Staaten wie Holland, Dänemark und Schweden. Auch im 19. Jahrhundert wurde sein Werk und Wirken noch kontrovers diskutiert. Erst danach geriet er vorübergehend in Vergessenheit, bis er aufgrund seines Geburtsortes ab den 1960ern für allerlei erfundene Geschichten, die einen nicht vorhandenen Bezug zu Mary Shelley belegen sollen, reaktiviert wurde.

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Blöde Details

Ich hab grad mal wieder einen Blick in Wikipedia geworfen und mir den aktuellen Stand der Artikel rund um den Frankenstein/Dippel-Mythos angesehen, was immer wieder irgendwo zwischen haarsträubend und urkomisch ist. Man wundert sich aber schon ein bisschen, wie scheißegal manchem Geisteswissenschaftler offenbar schnöde Fakten sind. So liest man auf Wikipedia unter anderem:

Die Literaturwissenschaftlerin Miranda Seymour weist darauf hin, dass Mary Shelley in ihrem Tagebuch kurz nach ihren Reisen durch die Region um Burg Frankenstein von „gods [making entirely] new men“ spricht. Sie hält den Zusammenhang für mehr als lediglich zufällig.
http://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstein_(Roman)#cite_ref-21

Mal abgesehen davon, dass es mir sehr schwerfällt, irgendeinen Zusammenhang zwischen der Aussage: „Gott schafft völlig neue Menschen“ und „Johann Konrad Dippel ist das Vorbild Frankensteins“ zu sehen, stimmt die Behauptung einfach nicht. Shelley schreibt am 28. August 1814 (also bereits Tage bevor sie den viel diskutierten Aufenthalt in Gernsheim hat):

[…] and there surveyed at our ease the horrid and slimy faces of our companions in voyage; our only wish was to absolutely annihilate such uncleanly animals, to which we might have addressed the boatman’s speech to Pope: „‚Twere easier for God to make entirely new men than attempt to purify such monsters as these.“ After a voyage in the rain rendered disagreable only by the presence of these loathsome creepers we arrive, Shelley [Anm.: gemeint ist Percy Shelley] much exausted, at Dettingen [Anm.: gemeint ist Dottingen im Schwarzwald Korrektur: gemeint ist natürlich Döttingen in der Schweiz, sorry] our resting place for the night.

Man sieht also: der Satz hat gar nichts mit einem monstererschaffenden Frankenstein zu tun. Shelley bezeichnete ein paar Mitreisende aufgrund ihres heruntergekommenen Erscheinungsbilds als „Monster“. Außerdem ist es ein Zitat und stammt ursprünglich gar nicht von ihr. Und dann ist die Behauptung, Shelley hätte diese Aussage „kurz nach ihren Reisen durch die Region um Burg Frankenstein“ getroffen, schlicht falsch. Es war vorher.

Es ist schon reichlich verwunderlich, wie sehr offenbar so viele Menschen krampfhaft wollen, dass Shelleys Roman ein konkretes historisches Vorbild hat. Als wenn sich dadurch etwas an der Qualität des Werkes ändern würde…

Halloween und die Burg Frankenstein

Ist ja grad wieder das Halloween-Festival auf Burg Frankenstein…

In Zeitungsartikeln und Selbstdarstellungen wird Halloween auf der Burg Frankenstein meist mit dem US-Soldaten Brian Hill begonnen, der 1976 die erste Halloween-Feier auf der Burg veranstaltet hatte und dies daraufhin über viele Jahre hinweg wiederholte. Tatsächlich beginnt die Geschichte aber schon sehr viel früher, nämlich 1952.

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Neues vom Frankenstein

Nachdem ich meinen alten Blog und auch sonst alles gelöscht hatte, was ich im Internet veröffentlicht hatte, kam die Anfrage vom Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein, ob sie meine Ausführungen zum Thema Johann Konrad Dippel als angebliche Vorlage für den Roman Frankenstein auf ihren Internetseiten veröffentlichen dürfen. Ich hatte aber zwischenzeitlich erneut dazu recherchiert und war dabei auf völlig neue Sachen gestoßen. Ich habe daher dann meinen Aufsatz dazu noch einmal komplett überarbeitet und die neuen Erkenntnisse eingearbeitet, was mich mehr oder minder die freien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr gekostet hat.

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