Meistgelesen 2019

Mal wieder Zeit für etwas Statistik.

Insgesamt bin ich überrascht, dass mein Blog trotz mäßigem Outputs doch immer noch ordentliche Zugriffe hat. Ein Rückgang ist aber auch deutlich spürbar. 2016 hatte ich etwa dreimal so viele Zugriffe wie 2019. Auch war kein 2019 veröffentlichter Beitrag in den Top 10.

Spitzenreiter ist nach wie vor der Beitrag über den Darmstädter Heiner. Erstaunlich, welches Interesse ein vermutlich erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommener Spitzname weckt, der nur durch den damaligen Heimatkunde-Hype popularisiert wurde.

Mit Abstand dahinter liegt Shakespeares Totenmaske, wobei der besser strukturierte Nachfolgeartikel weit abgeschlagen erst auf Platz 13 liegt. Da stellt sich die Frage, ob man ältere Texte nicht grundsätzlich überarbeiten und in neuere Beiträge einarbeiten sollte. Nur ist ein Blog mit Zeitstempel dazu eigentlich nicht gedacht.

Das Thema Frankenstein und Dippel scheint sich dagegen zumindest im deutschsprachigen Raum erledigt zu haben. Kein Artikel dazu hatte mehr als 30 Zugriffe. Da Walter Scheele meines Wissens dazu gar nichts mehr macht, auch keine Führungen mehr, wird deutlich, wie sehr das Thema an seiner Person hing. Meiner Meinung nach war der Sargnagel aber schon früher, als er mit Nazi-Ufos anfing. Da haben selbst die ihm wohlwollend Gesonnenen nicht mehr hinter ihm stehen können. Die Auswirkungen davon haben eben nur ein bisschen gedauert.

Im englischsprachigen Raum scheint es auf dem ersten Blick noch Thema zu sein, zumindest taucht mein englischsprachiger Beitrag dazu auf Platz 4 auf. Andererseits ist der englischsprachige Raum aber auch viel größer und der Artikel ist in der englischsprachigen Wikipedia verlinkt. Dafür sind die gerade mal dreistelligen Zugriffe dann doch sehr überschaubar – und nebenbei ein Indiz für die geringe Reichweite von Quellangaben bei Wikipedia.

Weitere Artikel mit ordentlichen Zugriffszahlen sind: Stadtentwicklung bis 1900, Darmstadt im Krieg, Die Teufelsklaus auf dem Herrgottsberg, Geschichte der Juden in Darmstadt (hier habe ich leider immer ein wenig die Befürchtung, dass so einige, die danach suchen, etwas völlig anderes finden wollen), Hexenverfolgung 1582 – Teil 1, Die irren Herrscher von Darmstadt, Riwwelmatthes und Der Ursprung Darmstadts – Teil 1.

Bei den beiden mehrteiligen Artikeln fällt jedoch auf, dass der jeweilige 2. und 3. Teil deutlich weniger Zugriffe hat. Leider ein Indiz dafür, dass die jeweils 1. Teile nicht ausreichend Interesse wecken konnten.

Ein paar Artikel, die meiner Meinung nach sowohl letztes Jahr, als auch insgesamt deutlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, sind:

Beiträge zur Stadtgeschichte:

  • Ein wunderlicher Bibliothekar – Karl Wunderlich war Sammler von Zauberbüchern und auch sonst ein wunderlicher Zeitgenosse.
  • Der Brief Simon Leisrings an Landgraf Georg II. – Leisring war Superintendent und schickte am 19. Februar 1635 einen Brief an Landgraf Georg II., in dem er die Situation in der Stadt beschrieb, die in diesem Jahr als Folge des 30-jährigen Krieges und eines Pestausbruchs kurz vor der vollständigen Auslöschung stand.
  • Der Hainumstreit und die Entstehung der Fasanerie
  • Die Darmstädter Kolonie am Llano – 1847 gründete eine Gruppe Darmstädter eine kommunistische Kolonie in Texas – eine meiner Meinung nach filmreife Geschichte. Wo sind die Werner Herzogs von heute?
  • Der Eselsritt des bösen Hunderts – Hier ist auch interessant, was man über den Eselsritt in der geschichtlichen und heimatkundlichen Literatur bis heute liest. Aus den Quellen geht nämlich was ganz anderes hervor.
  • Fahrendes Volk – An den als „Zigeuner“ bezeichneten Gruppen kann man einen über Jahrhunderte hinweg gesellschaftlich getragenen Rassismus darlegen, der bis in unsere heutige Zeit hineinwirkt.
  • Der Fall Dorothea Daniel – Dorothea Daniel wurde Opfer mehrerer Vergewaltigungen und deswegen anschließend wegen Ehebruchs hingerichtet. Sie war bei Weitem nicht das einzige Opfer von Gesellschaft und Justiz, aber das Beispiel ist besonders eindringlich.
  • Darmund und seine Freunde – Überlegungen zu Ortsnamen in Hessen
  • Was Niebergall sonst noch so geschrieben hat… – Ein nur kurzer Hinweis bzw. ein nur kurzes Zitat des Datterich-Autoren, der Niebergall jedoch in einem ganz anderen Licht darstellt als den knuffigen Mundart-Onkel, der den Darmstädtern so einige geflügelte Mundart-Aphorismen geschenkt hat. Tatsächlich war er ein vehementer Gegner der Französischen Revolution, der Demokratie und der Republik, ein Befürworter einer autoritären Monarchie und ein Apologet Ludwigs XVI.

Politisches:

Darüber hinaus kann ich auch nicht verstehen, weshalb der Steinkreis auf der Scheftheimer Wiese auf so wenig Interesse stößt. Ich selbst habe ihn aber nur in einem allgemeinen Artikel über die vorgeschichtliche Zeit eingebaut: Aus der Vorzeit: Menhire und Steinkreise.

Die Ironie des Darmund

Es hatte seinerzeit hauptsächlich zwei Gründe, weshalb ich begann, mich mit der Stadtgeschichte Darmstadts zu beschäftigen. Der eine war ein sehr persönliches Interesse an der Geschichte der Hexenverfolgungen und meine Verwunderung darüber, warum ein an sich sehr populäres Thema in Darmstadt nie eine Rolle gespielt hat, obwohl es zumindest einen gut dokumentierten und im Detail sehr interessanten Fall gibt.

Ich hatte damals schriftstellerische Ambitionen und recherchierte den Fall als Grundlage für einen Roman, den ich schreiben wollte, den ich aber nach einigen Monaten wieder aufgab. Auch dafür gab es viele Gründe, einen, den ich mit der Öffentlichkeit teilen kann, ist, dass ich feststellen musste, dass ich zwar ganz gerne einmal historische Romane lese, diese stilistisch aber zu limitiert finde und mich nicht befähigt sah, erfolgreich neue Stilmittel in das Genre einzuführen. Weniger hochtrabend ausgedrückt: Auf Dauer langweilen mich historische Romane.

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Gestatten, Jorge!

Mit meinem Nachnamen ist es ja manchmal etwas kompliziert. Meistens versuche ich Rückfragen zu vermeiden, indem ich „wie der Vorname“ hinzufüge. Nützt oft auch nichts. Regelmäßig kommt die Erwiderung: „Das ist ja ein Frauennamen!“, wo ich mich dann immer sehr zurückhalten muss, um nicht zu sagen: „Ach, echt? Ernsthaft? Sie werden es nicht glauben, aber Sie sind wirklich der absolut Erste, dem das auffällt!“

Dabei ist das noch die angenehmere Variante. In letzter Zeit höre ich auch häufig: „Ach, wie die Frau Fischer!“ …*grmblgrmpfflgr* Nein, die Frau Fischer heißt so mit Vornamen, ich mit Nachnamen und, nein, ich bin nicht verwandt, ich mag nicht mal ihre Musik. Ich finde sie sogar ziemlich furchtbar. Sagen tu ich dann aber meistens nur: „Äh, nicht ganz.“ oder gar: „So ungefähr.“

Und dann gibt es noch den Brief- oder Emailverkehr, in dem ich gerne mal als „Frau Jörg“ angeschrieben werde. Trotz Akzent in Heléne („den Dubbe hammer amtlich“ wie meine Mutter zu sagen pflegt) und trotzdem Jörg überall vorne steht (daher der Begriff Vorname) scheinen viele der Meinung zu sein, Jörg müsse der Nachname sein.

Jetzt habe ich aber eine völlig neue Variante entdeckt. Und das nicht irgendwo, sondern in der englischsprachigen Wikipedia. Ich hatte vor einiger Zeit einige Punkte zum Dippel/Frankenstein-Mythos auf Englisch verfasst und dieser Artikel hat es tatsächlich als Verweis in die englischsprachige Wikipedia geschafft (und, nein, ich habe das nicht selbst eingetragen!). Und wie wird mein Name da geschrieben? Nun:jorge:

Eigentlich blöd, dass mir das als Teenager nicht eingefallen ist, Jorge wäre bei den Mädels sicher besser angekommen als das langweilige Jörg. Jorge klingt nach Spaß, Jörg nach Sportmoderator.

Gescheiterte Projekte

Ich misste gerade meine Festplatte etwas aus und stelle fest, dass ich ein Problem damit habe Dinge zu beenden. Im Laufe der Zeit haben sich dort unzählige „Projekte“ (blödes Wort dafür, mir fällt aber gerade nichts besseres ein) angesammelt, die ich nie beendet habe. Dinge, für die ich mich sonst so interessiere und die ich sonst so gemacht habe.

Ich dachte mir daher, da der Blog mittlerweile auch eher gescheitert ist (okay, das könnte man anders deklarieren), könnte ich ihn ja so als Endzwischenlager missbrauchen und dieses gesammelte Unvollendete auf Unterseiten des Blogs verteilen. Nachdem ich das mit zwei Projekten (teilweise!) gemacht habe, habe ich aber auch schon wieder die Lust verloren, praktisch also noch ein gescheitertes Projekt geschaffen.

Wieder löschen wäre jetzt aber auch dämlich, von daher, wen es trotzdem interessiert, hier ist es zu finden: https://darmundestat.wordpress.com/sonstiges/gescheiterte-projekte/ (oder oben über die Leiste bei „Sonstiges“).

Gibt’s demnächst mal wieder was?

Das ist eine Frage, die ich in Bezug auf den/die/das (der korrekte Artikel macht mir immer noch Schwierigkeiten 😉 ) Blog seit einiger Zeit gelegentlich gestellt bekomme.

Die kurze Antwort: in nächster Zeit wahrscheinlich eher nicht.

Die lange Antwort:

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Mal wieder etwas Statistik…

Der/das Blog existiert jetzt seit April 2012, hat also bald fünfjähriges Jubiläum. Da ich momentan ja etwas Zeit habe (und im April hoffentlich weniger), habe ich mir mal wieder die Statistik angesehen, wobei ich auch festgestellt habe, dass ich das zuletzt am 13. Juni 2014 getan habe in einem Beitrag, der seither genau 42 (ein Gruß an Herrn Adams) Aufrufe hatte.

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Offtopic

Ein Gespräch vor 2 Jahren:

„Du, des mit dem Obama läuft net so rund, ich würde mich nicht wundern, wenn 2016 Donald Trump zum US-Präsident gewählt werden würde.“

Erwiderung: „Ach Quatsch, eher wird Bob Dylan Literaturnobelpreisträger.“

🙂

Auch mal nett…

Die taz über die Lilien: http://taz.de/Kolumne-Press-Schlag/!5283079/

Darmstadt 98 verweigert sich mit krasser Unprofessionalität der arroganten Attitüde der Ersten Liga. Das kann nur zum Abstieg führen.

Die Ordner sind freundlich, nett und hilfsbereit – das wirkt schon mal verdammt unprofessionell.

Auch den Spielern kann man diesen Vorwurf nicht ersparen. Anstatt 75.000 Euro in großen Scheinen im Taxi liegen zu lassen, schlappen sie nach dem Spiel mit Duschbeutel zum Spielerparkplatz, der doch tatsächlich Teil des ganz normalen Parkplatzes ist…

Hadis heißt jetzt Arcinsys

Eine kurze Information für alle, die selbst recherchieren wollen. Das einstmals Hadis genannte Archiv- und Dokumentationssystem der hessischen Staatsarchive hat jetzt den äußerst griffigen (*hüstel*) Namen Arcinsys bekommen und ist hier zu finden: https://arcinsys.hessen.de

Damit führen alle meine Verlinkungen auf Digitalisate der Archive ins Nirwana. Das neue System ist nur insoweit besser, weil Hadis eine einzige Katastrophe war, gut ist es immer noch nicht, Direktlinks auf Digitalisate sind unmöglich und wenn ich nicht zu doof dazu bin, ist die Auflösung der Digitalisate noch geringer als zuvor. Das empfinde ich persönlich als Unverschämtheit, weil so ist es praktisch unbrauchbar, bei den Buxbaumkarten bspw. kann man kaum noch was lesen, und abspeichern lassen sich die Digitalisate auch nicht mehr. Welchen Nutzen soll das dann haben? In Zukunft kann man wohl wieder für jeden Furz ins Archiv tappen, was ich schon lange nicht mehr mache.

Wenn die Archive endlich mal begreifen würden, wie das Internet funktioniert, würden sich vielleicht auch mehr Leute für Regionalgeschichte interessieren, aber man will da wohl lieber unter sich bleiben. Nicht, dass irgendwer mit neuen Ideen nervt…

Durchsuchung der Redaktion des Darmstädter Echo war rechtswidrig

Das Echo meldet gerade, dass das Landgericht Darmstadt die Durchsuchung der Redaktionsräume durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt für rechtswidrig erklärt hat. Keine überraschende Entscheidung, dass das Ganze nicht verhältnismäßig war, stand eigentlich von Anfang an außer Frage. Die widersprüchlichen Aussagen des Pressesprechers der Staatsanwaltschaft, auf die ich hier hingewiesen hatte, ließen schon damals Übles ahnen, was die Gewissenhaftigkeit von Staatsanwaltschaft und dem Richter, der die Durchsuchung genehmigte, betrifft. Wenn das Echo den Beschluss des Landgerichts jetzt aber korrekt wiedergibt, dann ist am Ende alles noch viel schlimmer gewesen als geahnt. Im Prinzip sagt der Beschluss wohl, dass weder der Richter noch die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit korrekt gemacht haben bzw. eigentlich muss man sagen grob falsch. Doch für beide hat das natürlich keine Folgen.

Statt dessen stehen zwei Folgen tatsächlich im Raum. Die eine ist sicher: die Kosten für diese Unfähigkeit übernimmt der Steuerzahler, Regress gegenüber Staatsanwälten und Richtern gibt es in der Form nicht. Die zweite ist die Interessantere: wie geht der Fall jetzt inhaltlich weiter? Was, wenn die beiden Mühltaler Beamte, die sich beleidigt gefühlt haben, jetzt dank dieses Verfahrens per Akteneinsicht den Klarnamen des Kommentators erfahren haben und nun zivilrechtlich klagen? Kann diese Person dann vielleicht das Echo in Haftung nehmen, denn das hat den Namen am Ende freiwillig herausgegeben, weil es die Beschlagnahmung ihrer Server/Rechner verhindern wollte? Wahrscheinlich nicht, aber es muss doch zu denken geben, dass eine Staatsanwaltschaft trotz Richtervorbehalt juristischen Nonsense mit eventuell hohen Folgekosten verursachen darf und dann am Ende die einzigen sind, die keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben.

Nachtrag: laut FAZ ist man bei der Staatsanwaltschaft übrigens der Meinung, dass das Landgericht „in der Sache“ der Staatsanwaltschaft gefolgt wäre und schiebt die Verantwortung jetzt auf den Richter beim Amtsgericht, der den Antrag genehmigt hat. Tja, was soll man dazu noch sagen? Wenn ich von der einzigen Instanz, die mir das wirklich sagen darf, gesagt bekomme, dass ich Bockmist gebaut habe, würde ich ja mal ein bisschen zurückrudern. So verspielt man nur Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um nicht zu sagen, man macht sich in aller Öffentlichkeit lächerlich. Da entsteht dann auch Schaden an unserem Justizsystem für das dann, ja, auch wieder keiner Konsequenzen tragen muss.