Wie gefährlich ist der Ausbruch? – Update 27 – letztes hoffentlich

Ich denke, die Entwicklung ist eindeutig. Bis wir die Talsohle erreicht haben, ist das ständige Starren auf die Zahlen mehr Neurose als Information, weshalb ich diese kleine Reihe hier, die schon viel zu lange geht (27 Updates! Du liebe Zeit!), wahrscheinlich beende.

Spannend bleibt Schweden, aber aus anderen Gründen als bisher. Die Inzidenz ist jenseits von gut und böse und scheint dort zu bleiben, während in Resteuropa die Welle langsam zu Ende zu gehen scheint. Von daher werden sich alle Kritiker an der schwedischen Herangehensweise bestätigt fühlen. Eine Frage scheint man sich aber lieber nicht stellen zu wollen: Wieso Schweden den ganzen Winter und bis weit ins Frühjahr hinein einen mehr als doppelt so hohen Inzidenzwert wie Deutschland haben kann, ohne dass es das dortige Gesundheitssystem überlastet? Hätten wir uns Ausgangssperren und zumindest scharfe Kontaktbeschränkungen erspart, wenn die Politik unserem Gesundheitssystem mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte?

Und auch noch lustig, das war auf hessenschau.de vor 2 Wochen:

Dann hat man es aktualisiert und jetzt sieht es so aus:

Schon wieder hat man den Bereich des Konfidenzintervalls verlassen, nur wenige Tage halten diese Rechenmodelle durch. Man könnte meinen, irgendwer käme mal auf die Idee, diese Modellrechnung nicht mehr anzugeben, weil sie sinnbefreit ist. Aber eine Reflexion über all die vielen Daten, die wir täglich um die Ohren gehauen bekommen, findet kaum statt. Nur furchterregende Zahlen bringen Klicks. Und hinterher kräht kein Hahn mehr danach.

Ich erinnere noch mal: wir sollten mittlerweile 230.000 Neuinfektionen pro Tag haben, so eines dieser, u.a. vom Spiegel propagierten Modelle. Dass diese absurd hohe Zahl, die einem eine Menge Aufmerksamkeit und den Medien jede Menge Klicks gebracht hat, jetzt nicht als das bezeichnet wird, was sie von Anfang an war, ist bemerkenswert. Das Erklärungsmodell ist jetzt, dass die Warnung vor dieser Situation sie verhindert hätte.

Das klingt erst mal plausibel, ist aber was? Genau, unwissenschaftlich, denn es fehlt eines der grundlegenden wissenschaftlichen Prinzipien: Die Falsifizierbarkeit. Ich sage 230.000 Neuinfektionen jeden Tag voraus. Trifft es ein, habe ich recht gehabt, trifft es nicht ein, habe ich auch recht gehabt. Man kann das Modell also rein formal schon nicht widerlegen, es ist dauerhaft sicher, das ist mangelnde Falsifizierbarkeit und damit unwissenschaftlich. Wer das Modell verteidigt, hat etwas Grundlegendes in der wissenschaftlichen Methodik nicht verstanden.

One Response to Wie gefährlich ist der Ausbruch? – Update 27 – letztes hoffentlich

  1. rwadel says:

    Streng genommen hat der SPIEGEL damals nur zitiert:
    ‚Auch Kai Nagel von der TU Berlin geht aufgrund seiner Simulationen von steigenden Zahlen aus. Infektionen finden nach Daten des Mobilitätsforschers vor allem durch ungeschützte Kontakte in Innenräumen statt. Nagel befürchtet als schlimmstes Szenario bis zu 230.000 Neuinfektionen pro Tag im Mai. Die dämpfende Wirkung der wärmeren Jahreszeit sei schon berücksichtigt.“

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