Wie gefährlich ist der Ausbruch? – Update 5

Die aktuelle Entwicklung:

Aktuell scheinen wir eher eine Seitwärtsbewegung zu haben als eine Bewegung nach oben oder unten. Das ist ambivalent. Denn natürlich ist es schlecht, weil so die Fallzahlen nicht zurückgehen. Gut ist es allerdings, weil wir so unser Gesundheitssystem nicht überlasten werden (sofern wir nicht noch eine massive Grippewelle zusätzlich bekommen sollten). Bei den Verstorbenen sieht man weiterhin den zu erwartenden Anstieg, der aber weiterhin nicht mit dem Frühjahr vergleichbar ist. Die ins Verhältnis zum Frühjahr gesetzten Todeszahlen weisen jetzt im Herbst eine immer größer werdende Lücke zu den Infiziertenzahlen auf, auch bei steigendem Durchschnittsalter. In etwa 1 1/2 bis 2 Wochen dürften wir hier den Höhepunkt erreichen.

Auch die ins Verhältnis gerückte Sterblichkeitsrate zeigt keine größeren Veränderungen:

Auch wenn wir bald wohl leider neue Spitzenwerten bei den absoluten Zahlen der täglichen Todesfälle haben werden, an Covid19 zu sterben, ist deutlich unwahrscheinlicher als noch im Frühjahr.

Auch der R-Wert sinkt weiterhin langsam, aber stetig, auch mit späteren Korrekturen ist der Trend eindeutig:

Dennoch gibt es aktuell auch wieder leichte Tendenzen in die falsche Richtung, neben einer auch im Wochenvergleich leicht gestiegenen Fallzahl heute, die wohl zumindest für morgen auch noch einmal zu erwarten ist, wächst auch die Inzidenz in Darmstadt wieder:

Wir sollten uns daher darauf einstellen, dass nächste Woche weitere Einschränkungen beschlossen werden.

Da wir aber schon sehr viel eingeschränkt haben, sind wir kurz davor, den Bogen zu überspannen und sollten daher viel gezielter schauen, was wieviel hilft. Das findet aktuell leider kaum statt. Der Grund dafür ist, dass die Datenlage dazu viel zu unklar ist. Als Beispiel nehmen wir mal diese selten beachtete Tabelle des RKI:

Die Tabelle gibt an, in welchem Zusammenhang Ansteckungen stattgefunden haben. Sie ist aber stark verzerrt, weil Ansteckungen im privaten Haushalt fast immer nachvollziehbar sind, in einem Öffentlichen Verkehrsmittel aber so gut wie nie. Feststellbar sind aber verschiedene Sachen: So ist die Ansteckung im Bereich Freizeit vernachlässigbar. Auch die Ansteckung im privaten Haushalt ist leicht rückläufig, wobei hier leider kein Unterschied gemacht wird, ob ein Familienmitglied den Virus von irgendwo eingeschleppt hat oder ob Besucher ihn mitgebracht haben. Das wäre aber sehr wichtig in der Frage, wie weit wir private Treffen noch einschränken sollten. Auch die Schließung von Restaurants und Cafés hat nur einen zwar sichtbaren, aber sehr geringen Effekt. Die Idee des einmonatigen Wellenbrecher-Shutdowns kann man sicher wieder einmotten, der Realität hält sie nicht stand. Leider muss man den Verdacht hegen, dass man diese vorher nicht diskutierte Idee nur hervorgezaubert hat, weil der Widerstand zu groß gewesen wäre, hätte man von Anfang an gesagt, dass man Restaurants für 2 bis 3 Monate schließen wird.

Dabei ist das der falsche Ansatz, denn eindeutig ist, dass der Anteil der Ansteckungen in Alten- und Pflegeheimen massiv steigt. Abgesehen davon, dass das besonders besorgniserregend ist, weil dort Menschen natürlich viel leichter an dem Virus sterben als Jugendliche, die sich in der Schule anstecken, muss sich doch jetzt zwingend die Frage stellen, wie wir dort die Ausbreitung des Virus verringern. Worüber aber diskutiert wird, ist Kinder dazu zu zwingen, sich für einen besten Freund oder Freundin zu entscheiden und den Rest vor den Kopf zu stoßen. Und nicht nur Kinder: auch wir Erwachsene sollen das tun, bedenkt man, dass es den Vorschlag gibt, dass sich jeder einen anderen Haushalt aussuchen soll, um sich künftig nur noch mit diesem zu treffen. Eine staatlich angeordnete Zerstörung von Freundschaften geht sicher zu weit, wenn der Nutzen offenbar minimal ist, denn es treibt die Pandemie definitiv nicht an, wenn ich mich diese Woche mit einem Haushalt und nächste Woche mit einem anderen oder ob ich mich jede Woche mit demselben Haushalt treffe. Solange sich die Leute nicht am selben Tag die Klinke in die Hand geben, hat eine solche Einschränkung keinerlei Auswirkung auf die Pandemie. Zudem ist die Idee der sozialen Blase weltfremd und nicht kontrollierbar. Soll ich etwa einen Antrag stellen, mit welchem Haushalt ich mich die nächsten 2 Monate treffen darf?

Das Problem mit der stärkeren Konzentration auf den Schutz der Pflegeeinrichtungen ist allerdings, dass wir damit vor demselben Dilemma stehen wie schon im Frühjahr: Gerade diesen Menschen, die ohnehin nicht mehr allzu viel Zeit haben, kann man nicht die sozialen Kontakte entziehen. Und es ist skandalös, dass der Politik nichts anderes einfällt, als die Bürger ständig weiter einzuschränken, den Bürgern ständig die Schuld zu geben, wenn man es in all den Monaten seit der 1. Welle nicht auf die Reihe bekommen hat, ein praktikables und gut funktionierendes System zu entwickeln, mit denen Pflegeeinrichtungen geschützt werden können, ohne dass die Leute dort vollkommen isoliert werden.

Die Politik hofft einfach stur auf den Impfstoff und so lange soll halt jeder mal die Luft anhalten. Manche Menschen haben diese Zeit aber nicht mehr.

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