Inkompetenz nicht mit Bösartigkeit verwechseln

Jeder fünfte Wahlberechtigte in Deutschland meint, dass „Politik und Medien die Gefährlichkeit des Corona-Virus ganz bewusst übertreiben, um die Öffentlichkeit zu täuschen“.
https://www.tagesschau.de/investigativ/zapp/verschwoerungserzaehlungen-umfrage-101.html

Das ist natürlich völliger Quark. Die Politik teilweise, vor allem aber viele Medien haben verdammt viel dummes Zeug verbreitet. Aber nicht, weil es eine böse Verschwörung gibt, sondern weil die Leute von der Situation und der Informationsflut schlicht überfordert waren. Vielen Journalisten und Kommentatoren kann man an jeder Pore ansehen, dass sie die Mathematik, die allen Analysen zum Pandemieverlauf zugrunde liegt, einfach nicht verstehen und sie daher immer so deuten, wie es ihnen für ihre Meinung in den Kram passt. Das ist schlechter Journalismus, es ist auch ein bisschen erschreckend, wie weit der in diesen Wochen gegangen ist, bösartig ist es aber nicht. Wer das glaubt, ist auch nicht schlauer als diejenigen, die er damit kritisiert.

Was ich allerdings bedenklich finde, ist, dass ich bei den Medien bislang keinerlei Ansatz zur Fehleranalyse erkennen kann. Die meisten Medienvertreter glauben immer noch, dass sie in der Krise guten Journalismus abgeliefert hätten. Das war über weite Strecken nicht der Fall. Eine solche Analyse würde diesen Meinungen auch Wind aus den Segeln nehmen. Mangel an Fehlereingeständnis wird diesen eher verstärken.

2 Responses to Inkompetenz nicht mit Bösartigkeit verwechseln

  1. R.A. says:

    Jein.
    Ganz sicher geht da viel aufs Konto Inkompetenz.

    Aber es gibt eben auch die Neigung der deutschen Medien, sich als Regierungsstütze zu verstehen.
    Was a) bedeutet daß selbst bei krassen Kurswechseln der Regierungslinie nie kritisch hinterfragt wird und b) in den Kommentaren oberste Priorität ist, Vertrauen in die Maßnahmen der weisen Obrigkeit zu verbreiten.
    Was insbesondere auch bedeutete, daß die recht absurde Selbstinszenierung der (überhaupt nicht zuständigen) Kanzlerin als weise Krisenmanagerin von den Medien voll mitgetragen wurde.
    Und wo man den Journalisten noch zugestehen kann, wenn Ahnung von Mathematik zu haben – die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern müßte für politische Journalisten zur Grundausbildung gehören.

  2. Jörg says:

    bedeutete, daß die recht absurde Selbstinszenierung der (überhaupt nicht zuständigen) Kanzlerin als weise Krisenmanagerin von den Medien voll mitgetragen wurde.

    Gut, das ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. So akut war die Lage zu keinem Zeitpunkt, dass man Parlamente und Föderalismus hätte umgehen müssen, um schnell konsequente Maßnahmen zu entscheiden. Sich da als freie Presse dahinter zu stellen, ist mehr als fragwürdig. Darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man dann nicht mehr ernst genommen wird. Meine monatliche Unterstützung für die taz habe ich in der Krise gekündigt, weil sie ständig nach noch mehr und härteren Maßnahmen gebrüllt hat. Es muss schon viel geschehen, bis da das Vertrauen wieder hergestellt ist.

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