Aktualisierter Schwede

Ich aktualisiere die Grafik aus hier mal alle paar Tage – man liest ja leider immer noch viel zu viel Unfug über Schweden:

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Das heißt jetzt nicht, dass wir es zwangsläufig besser so wie Schweden gemacht hätten. Das exponentielle Wachstum, in das wir geraten waren, hätte möglicherweise auch unser Gesundheitssystem überfordert. Aber Schweden war nie an diesen Punkt geraten. Halbwegs gemittelt gab es bis heute in Schweden kein exponentielles Wachstum, sondern vielmehr eine Situation, die bei uns Grundlage für Lockerungen ist. Es ist bizarr, dass trotzdem die Kritik an Schweden so massiv anhält.

Schweden ist ein Narrativ bzw. zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Narrative, da scheint ein objektiver Blick unmöglich.

Von Anfang an war nämlich leider eines bei der Krise sehr deutlich festzustellen: Die meisten verstehen die Mathematik dahinter einfach nicht bzw. was bestimmte Daten tatsächlich aussagen. Ob das Diskussionen um die hohe Sterberate in Schweden sind, Schwankungen von R innerhalb des Konfidenzintervalls oder Schwellenwerte, die nur durch unglückliche Rundungen erreicht wurden. Viele offenbaren ein Bild mathematischer Überforderung. Die einen reagieren darauf mit Ignoranz der Gefahr, die anderen mit Überreaktion.

Gestern brachte es hessenschau.de fertig, von einem deutlich erhöhten Anstieg der Fallzahlen in Hessen zu berichten, nur zwei Stunden nachdem sie selbst gemeldet hatten, dass es in einer Frankfurter Flüchtlingsunterkunft zu einem Ausbruch mit 65 Fällen gekommen ist, das sind mehr als die Hälfte der Gesamtfälle gestern. Der Anstieg ist also erklär- und lokalisierbar. Man meldet aber nur die Zahlen ohne Einordnung weiter oder oft auch mit einer falschen Einordnung. Die Medien geben in dieser Krise ein eher trauriges Bild ab.

Und – ganz ehrlich – dass sich mittlerweile gefühlt jeder zweite Kommentar um Verschwörungstheoretiker und ihre Demonstrationen dreht, erscheint mir bei einigen Kommentatoren so, dass da ein paar Volldeppen glücklich darüber sind, jemanden gefunden zu haben, der noch depperter ist als sie selbst und über den sie daher herziehen können.

Nachtrag:
Bevor der Einwand kommt: Natürlich sieht Schweden bei der pro Kopf-Statistik deutlich schlechter aus:

pro kopf

Das hinkt aber ein bisschen, weil zum einen große Regionen in Schweden deutlich dünner besiedelt sind, Stockholm, in dessen Großraum es ein Drittel aller Fälle gibt, aber dichter als jede deutsche Stadt. Auch hier gilt: Statistiken verstehen, nicht nur ankucken. Außerdem ist es ja gerade Ziel des schwedischen Vorgehens, den Peak zu strecken, man kann auch an dieser Grafik sehen, dass die Fallzahlen nicht massiv und unkontrolliert ansteigen, das Wachstum scheint sogar gestoppt – trotz Erhöhung der Testkapazitäten. Und drittens muss man feststellen, dass auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl Schweden zu keiner Zeit schlechter dastand als Deutschland während des Höhepunkts der Welle, während der das Gesundheitssystem Deutschlands ja keineswegs überfordert war, es gab nur Bedenken, dass das geschehen könnte, wenn das exponentielle Wachstum anhält – ein exponentielles Wachstum, das es in Schweden bis heute nicht gegeben hat.

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