Das Neue frisch wagen … es sei denn, ich habe Nachteile davon

Das Institut Mathildenhöhe widmet dem letzten Großherzog Ernst Ludwig eine Ausstellung, bei der „das kreative Schaffen des vielfach begabten Großherzogs im Fokus“ steht. Titel ist: „Das Neue frisch zu wagen!“, Teil eines Mottos, das Ernst Ludwig ursprünglich zuerst gegenüber Olbrich geäußert haben soll. Anlass ist der 150. Geburtstag des Großherzogs am 25. November diesen Jahres.

Bereits einige Tage vorher wäre aber noch ein anderes Jubiläum in Bezug auf Ernst Ludwig erwähnenswert: Am 9. November jährt sich zum 100. Mal die Absetzung des Großherzogs.

Wäre der Beginn von Demokratie und Republik nicht viel eher Anlass für eine Ausstellung als Gedichte, Theaterstücke und Gemälde, deren künstlerischer Wert überschaubar ist und die nur von Interesse sind, weil sie von einem Monarchen stammen, nicht aber aus sich selbst heraus?

Sollten wir gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen nicht lieber die Republik thematisieren als die Monarchie?

Übrigens, als es zu Republik und Demokratie kam, war es mit dem Motto des Großherzogs nicht mehr weit her. Er dachte gar nicht daran, „das Neue frisch zu wagen“. Er weigerte sich abzudanken.

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8 Responses to Das Neue frisch wagen … es sei denn, ich habe Nachteile davon

  1. spbrunner says:

    Naja, es gibt schon Gründe, ihn mal genauer zu betrachten. Und dann gehören seine künstlerischen Ambitionen zum Bild.

    Zur Republik hatte er sicher ein sehr viel klareres Verhältnis als die meisten anderen deutschen Fürsten. Immerhin hat er sich schon vor 1914 um freie Wahlen bemüht und wurde vom 1. Stand ausgebremst. Es ist wohl auch mehr als ein Gerücht, dass die Republikaner ihn zum Staatspräsidenten machen wollten ( als „Bürger Brabant“ 😉 ). Und Nicht Zurücktreten kann vielleicht ja gerade Anerkennung des Neuen bedeuten. Ist mir jedenfalls sympathischer als das Ebertschein Rumgeeiere mit Herrn von Baden.
    Wieder was anderes ist dann allerdings seine schlizohrige Abfindungsverhandlung
    ..
    Also – eine betrachtenswerte Person.

  2. Kristof says:

    Mit dem Ende von Ernie läßt sich halt nicht so recht Geld verdienen. Und die Hessische Hausstiftung kann immer ein wenig Geld gebrauchen.

    Ein bisschen Yellow Press wollen die Hessen wohl auch … 🙂

  3. R.A. says:

    Es gibt auch zu 100 Jahren Republik eine Ausstellung – hatte vor einigen Tagen die Einladung zur Eröffnung irgendwo gesehen.

    Und daß der Großherzog seiner Abdankung nicht zustimmte, ist völlig nachvollziehbar und hebt ihn positiv von seinen luschigen Kollegen ab.
    Denn die Revolutionäre in Darmstadt handelten völlig ohne Parlament oder demokratisches Mandat, es war in keiner Weise klar, welche Regierungsform (wäre insbesondere eine parlamentarische Monarchie in Frage gekommen) von den Hessen gewünscht war.

    • spbrunner says:

      „ohne Mandat“ – das zu verhinden hatte die Aristokratie ja seit 1871 alles getan.
      Carl Ulrich und seine Genossen halte ich übrigens für ganz zu Unrecht vergessen – ein kluger, verdächtiger und tapferer Mann:

      https://saubereschweine.blogspot.com/2014/11/da-unten-steht-das-zur-zeit-gultige.html?m=1

      • spbrunner says:

        ich meine natürlich bedächtig

  4. R.A. says:

    Es gab 1918 einen demokratisch gewählten Landtag in Hessen. Der wäre legitimiert und willens gewesen, eine neue Verfassung auszuarbeiten und dem Volk zur Abstimmung vorzulegen.

    • spbrunner says:

      demokratisch gewählten hätte den Ernst Ludwig nicht genannt 😉

    • Jörg says:

      Verfassungsänderungen benötigten die Zustimmung beider Kammern, zumindest die erste Kammer war vieles, aber sicher nicht demokratisch gewählt, selbst bei der zweiten Kammer könnte man darüber streiten, weil dem Wahlsystem einige demokratische Grundprinzipien fehlten, die Gleichheit vor allem.

      Und der Landtrag, der die Verfassung von 1919 ausarbeitete, war ja demokratisch legitimiert. Auch dann dankte Ernst Ludwig meines Wissens aber nicht ab.

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