Brandnachtmuseum

Wolfgang Faust schlägt für das Saladin-Eck ein Museum zur Erinnerung an die Brandnacht vor: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/vorstoss-fuer-brandnacht-museum_17730524.htm. Außerdem möchte er, dass dazu eine Stiftung gegründet wird, für die er selbst bereit wäre, eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich zu spenden.

Nun tu ich mir allgemein etwas schwer damit, gegen die Pflege einer Erinnerungskultur zur Stadtgeschichte zu argumentieren, dennoch halte ich den Vorschlag für verfehlt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Zunächst einmal scheint mir die angedachte Größe des dort zu bauenden Gebäudes schlicht zu groß für eine Dauerausstellung zur Brandnacht. Auch wenn Faust zuversichtlich ist, dass man dafür ausreichend Exponate finden würde, frage ich mich doch: welche sollen das denn sein? Am Ende läuft das doch auf eine Reihe von Fotos mit erklärendem Text dazu hinaus, weil was will man sonst dazu ausstellen? Teil der Tragik der Brandnacht ist ja, dass da praktisch alles zerstört wurde.

Eine solche Ausstellung wäre also viel zu klein für das ganze Gebäude, so dass es sinnvoller wäre, sie in bereits vorhandenen Räumlichkeiten unterzubringen, je nach Konzept z.B. im Landesmuseum oder im Altstadtmuseum. Zu Letzterem passt es ja auch thematisch, denn die Altstadt wurde damals zerstört (und die Erinnerung an die Zerstörungen der Brandnacht ist ja auch Teil des Konzepts des Altstadtmuseums).

Ich sehe auch nicht, dass die Erinnerung an die Brandnacht zu verblassen droht, im Gegenteil, verglichen mit anderen Themen aus Darmstadts Geschichte ist nur noch die Mathildenhöhe präsenter. Diesen Blog hier gibt es unter anderem gerade deshalb, weil über andere Bereiche aus Darmstadts Geschichte kaum gesprochen wird.

Zum Jahrestag der Brandnacht werden jedes Jahr zum Zeitpunkt, als der Angriff begann, d.h. um kurz vor Mitternacht, die Glocken der meisten Kirchen Darmstadts geläutet. Das ist schon eine recht einmalige Aktion des dauerhaften Erinnerns und ich habe nicht den Eindruck, dass diese Aktion jemals zur Debatte stand.

Dass die Brandnacht also in Vergessenheit zu geraten droht, entspricht kaum den tatsächlichen Gegebenheiten. Viel dringender wäre es daher, andere Aspekte der Darmstädter Geschichte wieder mehr ins Bewusstsein zu holen, die nicht nur drohen vergessen zu werden, sondern von denen kaum ein Darmstädter jemals gehört hat. Wenn man also etwas für die Erinnerungskultur machen will, wäre angesichts der Größe des Bauplatzes am Saladin-Eck ein Museum über die gesamte Stadtgeschichte angezeigt.

Die Idee gab es durchaus auch, ist aber wohl schnell verworfen worden. Man fragt sich, warum. Die Pflege der Stadtgeschichte ist auch Teil des Stadtmarketings und generiert über Touristen ebenfalls Umsatz, der ein solches Museum zumindest zum Teil tragen kann. Vielleicht mehr als was auch immer jetzt wirklich dort gebaut wird, denn gerade für Leute, die für eine Veranstaltung im Darmstadtium z.B. im Welcome Hotel untergekommen sind, wäre das eine bequeme Anlaufstelle, wo man alles, was jetzt in der ganzen Stadt verteilt ist, konzentrieren könnte. Klar finden die Leute die Mathildenhöhe von selbst, aber das war’s dann auch, das generiert kein Publikum im Altstadtmuseum oder bei den Stadtführungen über das Stadtmarketing. Mit einer zentralen Anlaufstelle aber wird der interessierte Besucher auch auf andere Dinge aufmerksam.

Auch für eine Brandnacht-Dauerausstellung wäre das sinnvoller, denn so werden sich das oft auch Leute ansehen, die eigentlich wegen etwas anderes gekommen sind. An einem Ein-Themen-Museum werden die meisten vorbeilaufen mit dem Argument: „Ah, war hier also ein bisschen so wie in Dresden, nur kleiner“. Das wird der Sache dann wohl auch nicht gerecht.

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One Response to Brandnachtmuseum

  1. Ralf Arnemann says:

    Danke für diese Analyse.
    Spontan klang die Idee ja gut, aber tatsächlich wäre das keine gute Lösung.

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