Und wieder mal die Hindenburgstraße

Und wieder mal ist die Hindenburgstraße Thema: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/umbenennung-der-darmstaedter-hindenburgstrasse-bleibt-thema_17650770.htm


Was Neues scheint es aber nicht wirklich dazu zu geben. Auffällig finde ich die Stellungnahme der Stadt (durch „Sprecher Klaus Honold auf ECHO-Anfrage“, das muss einem auch bizarr provinzial vorkommen):

„Aus heutiger Sicht ist Hindenburg durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einer der Wegbereiter der NS-Diktatur. Aber er war auch demokratisch gewählter Reichspräsident der Weimarer Republik. Die Person Hindenburg würde heute nicht mehr mit einer Straße geehrt, die Straße bleibt aber aus historischen Gründen so benannt“

Gut, man könnte das jetzt als offizielle Sprechblase werten und vermuten, dass viel entscheidender ist, dass sich die wbg deutlich gegen die Umbenennung positioniert hat, ökonomische Gründe also schwerer wiegen als historische, aber wenn wir die Aussage mal inhaltlich ernst nehmen: vor rund dreieinhalb Jahren wurde zur Klärung dieser Streitfrage die Arbeitsgruppe Ehrengräber beauftragt, das Leben und die politische Gesinnung von Namensgebern Darmstädter Straßen und deren Vereinbarkeit mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft zu überprüfen.

Das wirkte damals schon ein wenig wie Verschleppung des Themas, indem man die Entscheidung durch zusätzlichem Forschungsaufwand („erstmal auch alle anderen Straßennamen überprüfen“) so weit in die Zukunft schiebt, bis sich das Problem vielleicht von selbst löst. Wenn die Aussage der Stadt jetzt zur Hindenburgstraße aber zutrifft, dass sie also aus „historischen Gründen so benannt“ bleibt, dann dürfte das auch für alle anderen Straßen zutreffen, was heißt, das Ergebnis der Arbeitsgruppe Ehrengräber ist für die Entscheidung am Ende völlig irrelevant. Dafür hat die Stadt dann 60.000,- Euro bereit gestellt.

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One Response to Und wieder mal die Hindenburgstraße

  1. spbrunner says:

    Ich bleibe dabei: so lange es nicht gelingt, den Anwohnern zu vermitteln, dass es eine Schande ist, so zu firmieren, wird sich kaum was ändern lassen. Das ist den Aktivisten ja in der Vergangenheit schon mal nicht gelungen. Die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft z. B. versendet zig-tausende von Aussendungen mit diesem Absender und schämt sich nicht – und den Empfängern ist es offenbar auch egal. Ich wette: gäbe es eine unüberhörbare Empörung aus diesen Kreisen, wäre die Straße ruck-zuck umbenannt.

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