Und die Reaktion des Burgschreibers… ;-)

Das Echo geht heute auf die erwähnte Broschüre ein: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/muehltal/eine-burg-zwei-ansichten_16582167.htm

Und hat natürlich mal bei Walter Scheele angefragt, was er davon hält:

Mein Wissen habe ich aus Originaldokumenten …

Nee, eben nicht, genau darum geht’s in der Broschüre ja über weite Strecken. Dass es diese angeblichen Dokumente entweder nicht gibt oder was ganz anderes drinsteht, als er behauptet.

Er zitiert ja unter anderem gerne aus angeblichen Originaldokumenten aus dem 10. Jahrhundert, die bei ihm aber lustigerweise in einem neuhochdeutschen Dialekt verfasst sind, offenbar um den Anschein von historischer Authentizität vorzugaukeln.

Drollig ist das:

Anders als der Geschichtsverein habe er sein jüngstes Werk nicht im 200. Jahr nach Entstehung von Mary Shelleys Roman veröffentlicht, sondern einige Wochen davor. Auf diesen Zug wolle er nicht aufspringen, sagte er.

Die Broschüre ist ja eine Reaktion auf sein neues Buch. Es ist daher logisch, dass sie einige Wochen später erscheint. Ursache-Wirkung: ohne seine neue Veröffentlichung keine Broschüre. Und was ist das überhaupt für eine komische Idee? Dass man auf das Jubiläum der Veröffentlichung „aufspringen“ würde? Die Broschüre ist umsonst, sein Buch ist kommerziell und wird ja wohl auch im Jubiläumsjahr verkauft werden. Es wurde ja bereits letztes Jahr bei Halloween angekündigt, dass das Festival 2016 ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums stehen würde. Es ist also schon klar, wer aus dem anstehenden Jubiläum Kapital schlagen will.

„Ich argumentiere sachlich. Die Art und Weise, wie ich angegangen werde, entspricht nicht meinem Stil.“

Naja, in seinem Buch bezeichnet er den verstorbenen Wolfgang Weißgerber als „historisch dilettierende(n) Pfarrer“. Die Leute aus dem Geschichtsverein werden zudem als „vermeintliche Historiker“ bezeichnet. Sachlich ist anders, zumal er ja nicht mal versucht, die Gegenargumente zu seinen Thesen zu widerlegen.

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5 Responses to Und die Reaktion des Burgschreibers… ;-)

  1. Carsten says:

    Klingt trotzdem nach Rückzugsgefechten…

  2. Erich Kraft says:

    Im Darmstädter Echo erscheint heute ein Bericht über die Broschüre des Geschichtsvereins zu den Irrtümern auf Burg Frankenstein. Wenn auch gleich zu Beginn in wörtlicher Rede eine Aussage des Geschichtsvereins (wer, von wem?) zitiert wird, die so nie gesagt wurde, wird der Inhalt der Broschüre doch korrekt wiedergegeben. Hier haben im wesentlichen Historiker deutscher Universitäten und Archivare zu den Behauptungen Walter Scheeles Stellung genommen. Vernichtend ist geradezu das Urteil von Prof. Eisfeld, Universität Osnabrück: „Nichts ist wirklich nachprüfbar. Infolge der durchgängigen me­thodischen Defizite und gravierenden inhaltlichen Falschaussagen handelt es sich bei Scheeles Buch um pseudowissenschaftliche Sensationshascherei.“
    Scheele verteidigt sich – laut Echo – mit folgenden Worten: „Mein Wissen habe ich aus Originaldokumenten und aus vielen Gesprächen und Nachforschungen.“ Internationales Interesse, Fernsehdokumentationen über seine Recher­chen und Interviews mit Zeitzeugen und Nachkommen geben ihm Recht, sagt Scheele.
    Das internationale Interesse und die Fernsehdokumentationen kommen eben daher zustande, weil Anfragen von Medienvertretern beim Burgpächter ausschließlich an Scheele weitergeleitet werden. Er ist dann für die unwissenden Presseleute der einzige „Frankenstein-Experte“. Kein Wunder, daß allein seine Darstellungen dann in alle Welt gesendet werden. Freilich gibt es auch vorbildliche andere Beispiele, so der Hessischen Rundfunk, der sich vor einer Sendung auch mit dem Geschichtsverein besprochen hat.
    Scheele sagt weiter: „Die Art und Weise, wie ich angegangen werde, entspricht nicht meinem Stil.“
    Damit hat er völlig recht, denn sachliche wissenschaftliche Argumentation wie in besagter Broschüre ist nicht die Sache Scheeles. Er geht mit seinen Gegnern nämlich nicht gerade zimperlich um. Er nennt sie „sogenannte Historiker“, die glaubten „die Erde sei noch eine Scheibe“. Er macht auch vor Schmähungen nicht Halt, wenn er etwa bei Burgführungen in bezug auf meine Person sagt: „Wie wahr die Geschichten des Nebenfachpädagogen sind, kann man schon daran er­sehen, dass er sich als „Historiker“ bezeichnet. Denn seinen Doktortitel hat er als Pädagoge mit einem geschichtlichen Thema erworben. Ich habe es nicht nötig, mich mit fremden Federn zu schmücken wie jene, die sich Historiker nen­nen, ohne es studiert zu haben.“
    Nun kann freilich jeder eine Dissertation und dadurch erlangte Promotion zum Doktor der Geschichtswissenschaft an allen deutschen Universitäten einsehen und nachprüfen. Scheele behauptet aber unverdrossen Falsches.
    Besonders „eingeschossen“ hat sich Scheele auf Wolfgang Weißgerber, den ehemaligen Eberstädter Pfarrer und verdienten Frankenstein-Historiker, den er als „dilettierenden Historiker“ bezeichnet. Weißgerbers grundlegendes Buch zur Frankensteinforschung „Die Herren von Frankenstein“ nennt er ein „phantasievolles Bändchen“. Er versteigt sich gar zu der Behauptung, Weißgerber, sei ein führendes Mitglied der NS-Organisation „Deutsche Christen“ gewesen und habe während des Krieges einen Pfarrerkollegen an die Gestapo verraten.
    Was soll man denn von solchen Behauptungen halten: An der TH sei an der Atombombe geforscht worden, Peenemünde sei Wernher von Braun nicht mehr geheim genug gewesen, weshalb man die Raketenforschungen auf dem Frankenstein fortgesetzt habe, der Magnetfelsen südlich des Frankensteins würde Flugzeuge ablenken, die dann statt nach Berlin nach Dresden geflogen wären, oder die Frankensteiner stammten von den Burgundern ab, weil – das sei der Beweis – sie alle Linkshänder und über 1,80m groß gewesen wären,
    Über solche Aussagen kann man eigentlich nur lachen oder mit Nichtbeachtung hinweggehen. Nur wird solches aber ahnungslosen Besuchern auf Burg Frankenstein für bare Münze aufgetischt, und im Interesse dieser Menschen darf der Geschichtsverein nicht schweigen. Er wird auch künftig der wissenschaftlich belegten Geschichte Geltung verschaffen, auch auf Burg Frankenstein.

  3. Kristof says:

    Popcorn!
    🙂

  4. Ich finde es ja eher spannend, dass man überhaupt eine 200 Jahr-Feier zelebriert, wobei der Bezug zwischen der Schriftstellerin Mary Shelley, die ihr Buch am Genfer See geschrieben hat, und der Burgruine Frankenstein ja sehr wage und umstritten ist. Aber Anlässe für Jubiläumsfeiern finden sich wohl immer. Das ist eindeutig Sache des Darmstädter Stadtmarketings (und nicht des Stadtarchivars Dr. Peter Engels, der dazu auch etwas im Stadtlexikon geschrieben hat, siehe US Streitkräfte). Ich habe übrigens im Internet gelesen, dass Shelley ihren Roman 1818 geschrieben hat und nicht 1816, wie es im DE kolportiert wird: „Frankenstein oder Frankenstein oder Der moderne Prometheus (Original: Frankenstein or The Modern Prometheus) ist ein Roman von Mary Shelley, der 1818 erstmals anonym veröffentlicht wurde.“ (Wikipedia). Irgend etwas stimmt da nicht. Hat etwa das DE schlecht recherchiert?. Es wäre nicht das erste mal, dass in Darmstadt das vom Stadtmarketing festgelegte Jubiläum ins falsche Jahr fällt. Meine Güte, wie peinlich ist das denn? Fragt am besten den Stadtarchivar; er sitzt doch auf den Dokumenten.

    • Hat etwa das DE schlecht recherchiert?.

      Naja, um schlecht recherchieren zu können, muss man erst mal überhaupt recherchieren ;-). Das Echo hat einfach nur die Aussagen des Geschichtsvereins auf der einen und die von Walter Scheele auf der anderen Seite wiedergegeben, ohne da jetzt was selbst zu recherchieren. Und Scheele hat das halt gesagt, offensichtlich auch im Hinblick darauf, dass die Halloweenveranstalter für dieses Jahr den Bezug zu 1816 herstellen wollen.
      Erschienen ist der Roman aber definitiv erstmals erst 1818. 1816 wird immer mal wieder als Entstehungsjahr kolportiert, weil im Sommer 1816 Lord Byron in einer Villa am Genfer See einen Schreibwettbewerb ausgerufen hatte, infolge dessen Shelley begann an Frankenstein zu schreiben. Das Manuskript fertiggestellt hat sie allerdings erst 1817.

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