Und täglich grüßt der Hindenburg

Das Darmstädter Bündnis gegen Rechts hat für heute zu einer Demonstration unter dem Motto „99 Jahre Hindenburgstraße sind genug“ aufgerufen. Nunja, ich bin zwar auch der Meinung, dass die Straße umbenannt werden sollte, ob allerdings eine Demo nun das richtige Mittel ist, wenn man es politisch in der StaVo nicht durchgesetzt bekommt, da bin ich eher skeptisch, vorsichtig ausgedrückt. Damit schafft man nicht die Überzeugungsarbeit, die notwendig ist. Ich glaube eher, dass man dadurch eine noch größere Abwehrhaltung provoziert. Auch gefällt mir der Duktus nicht, eine meiner frühsten Kindheitserinnerungen ist nämlich eine Schmiererei an unserer Hauswand „xx Jahre Frieden sind genug“.

Geärgert habe ich mich allerdings über die Meldung auf Echo-Online, dort heißt es nämlich:

Das Bündnis bezeichnet Hindenburg als Miturheber der Dolchstoßlegende und während seiner Reichspräsidentschaft in der Weimarer Republik als Steigbügelhalter Hitlers und williger Helfer der Nazi-Diktatur.

Über seine Rolle beim Aufstieg Hitlers kann man sicherlich lange streiten, aber nicht nur das Bündnis „bezeichnet“ Hindenburg als Miturheber der Dolchstoßlegende, Hindenburg ist es! Das ist keine Meinung des Bündnisses, sondern ein historischer Fakt! Wenn man da suggeriert, dass man darüber unterschiedlicher Meinung sein könnte (oder es gar nur die Einzelmeinung eines linken Bündnisses ist), ist es kein Wunder, wenn keiner versteht, wieso der Name eigentlich so problematisch ist. Bei solchen Meldungen neutral berichten zu wollen, bedeutet nicht, dass man historische Fakten aufweichen muss. Unterschiedlicher Meinung kann man darüber sein, wie man diese Tatsache bewertet, aber Hindenburg ist zusammen mit Erich Ludendorff der Hauptverantwortliche für diesen Quatsch.

Ach, und übrigens: was macht eigentlich die offenbar schwer beschäftigte Arbeitsgruppe Ehrengräber, die vor mehr als einem Jahr in diesem Zusammenhang den Auftrag bekam, die Darmstädter Straßennamen „insgesamt [zu] überprüfen und heraus[zu]arbeiten, ob darunter Personen sind, deren Leben oder politische Einstellung sich nicht mit den Werten einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vereinbaren lassen“? Muss echt schwierig sein, mal ein paar Biografien nachzuschlagen.

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3 Responses to Und täglich grüßt der Hindenburg

  1. spbrunner says:

    Ja, Du hast Recht und die Demo wird nichts voranbringen. Ich verstehe nicht, wieso nicht endlich die Debatte mit den Anwohnern gesucht wird, (die ja stattdessen von den Gegnern der Umbenennung herangezogen werden …). Die wbg z.B. versendet zig-tausende von Postsachen mit dieser Adresse und reflektiert das scheinbar überhaupt nicht. Wenn ein paar der renommierten Historiker, die da veröffentlichen, sich gegen diese Adresse verwehrten und ihr Verlag dann entsprechend vorstellig würde, wäre die Umbenennung ganz schnell erledigt.

    • Vom Geschäftsführer der wbg gibt’s ja einen sehr deutlichen Brief dazu, den man polemisch auch zusammenfassen könnte mit: geschichtliche Aufarbeitung ist super, aber nur, solange es keinen unlukrativen Aufwand für uns bedeutet.

      Wer so einen Brief verfasst hat, wird kaum mehr eine Rolle rückwärts machen können.

  2. hans says:

    macht euch doch nicht lächerlich, habt ihr keine anderen probleme?

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