Organisationstalente

In den – ich weiß nicht mehr genau – 4 (?) Jahren, in denen das Landesmuseum renoviert wurde und die Pflasterung neu gemacht worden ist, hatte man es ja trotzdem immer gewährleisten können, einen Weg für die Fußgänger zum Herrngarten, dem Staatsarchiv, dem Welcome-Hotel und der Uni offen zu halten. Jetzt müssen die armen Jugendlichen Jungunternehmer aus der Irgendwasmitmedien Eventmanagement-Branche die Bühnen für das Schlossgrabenfest aufbauen. Da muss dann schon mal der ganze Platz gesperrt werden.

Ich stand da also im strömenden Regen heute Morgen vor einem Flatterband und konnte keinen ersichtlichen Grund erkennen, warum der Platz gesperrt werden müsste. 4 oder 5 Figuren liefen in weiter Ferne gelangweilt hin und her, aber niemand auch nur annähernd nah genug, dass man mal hätte fragen können, ob das wirklich ernst gemeint ist. Ich war dann auch bei Weitem nicht der einzige, der sich sagte, ich lauf doch jetzt nicht wieder zurück. Also Flatterband ignoriert und gelaufen. Dreiviertel des Weges hatte ich schon geschafft, da kam ein Saure-Milchgesicht auf mich zu und meinte unhöflich: „Dass da abgesperrt ist, haben Sie gesehen“.
Ich: „Ich wollte ja nur mal fragen, ob es einen Grund dafür gibt, dass ihr den kompletten Platz hier absperrt.“

Darauf bekam ich zwar keine Antwort, wohl aber auf die Frage, wo denn dann die Leute, die hier durchmüssen, langgehen sollen: „Da an der Straße lang!“
Ich wieder: „Das kann doch nicht euer Ernst sein, dass die Leute jetzt da auf dem Grünstreifen am Cityring laufen sollen, noch dazu bei dem Wetter, wenn da was passiert!“

Hat den jungen Mann aber nicht weiter interessiert. Ich also (wie gesagt, ich war ja schon fast auf der anderen Seite der Absperrung) wieder zurück und drumrum gelaufen. Und ich muss zugeben, ich bin ein bisschen stolz drauf, dass ich damit die Jungs mehr bei ihrer Arbeit behindert habe, als wenn die einfach die paar Fußgänger über den Platz hätten laufen lassen, auch wenn man dann vielleicht mal beim Aufbau ein bisschen aufpassen muss. Den Leuten unnötige Arbeit zu machen, hilft meist mehr als jedes vernünftige Argument. 😉

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2 Responses to Organisationstalente

  1. spbrunner says:

    Schön dass Du so konziliant bist. Ich wäre ums Leben nicht wieder zurück gegangen, eher hätte ich mich auf den Boden gesetzt und abgewartet, was passiert … Ich ärgere mich schon immer, wenn der Platz (einer der wenigen in Darmstadt, der den Namen verdient…) von November bis Januar von dem Kabarett-Zelt versperrt wird.

    • Naja, ich hätte ja auch einfach weitergehen können, was hätten sie schon machen sollen? Mich mit dem Flatterband fesseln und zurückbringen? 😉 Aber ich glaube ja noch an Restintelligenz bei den Menschen, deshalb hatte ich irgendwie die Hoffnung, dass wenn sie mich jetzt bei dem Sauwetter den ganzen Weg wieder zurückgehen und dann über den Cityring unter Lebensgefahr an den Autos vorbeilaufen sehen, dass sie dann vielleicht selbst drauf kommen, dass das irgendwie albern ist und sie irgendwas anders machen müssen. Den Leuten Anweisungen erteilen, funktioniert ja nicht, da fühlen die sich angegriffen, die müssen den Eindruck haben, dass es ihre eigene Idee war ;-).

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