Das Echo mal wieder…

Ich sollte beim Echo mal zum Korrekturlesen anheuern…

Weil es für solche Sachen bei Echo-Online irgendwie nie eine Kommentarfunktion gibt, erwähne ich es mal hier (dann ist auch mal wieder ein Beitrag im Blog 😉 ). Aus dem Artikel „Von der fränkischen Siedlung zur Heinerstadt“ über einen Vortrag des Professors für Denkmalpflege und Baugeschichte Frank Oppermann (http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Von-der-fraenkischen-Siedlung-zur-Heinerstadt;art1231,4743216)

„Die Ursprünge der fränkischen Siedlung Darimundastat sind dunkel“, muss auch Oppermann zugeben, „gesicherte Erkenntnisse finden wir erst nach dem Bau der Wasserburg im dreizehnten Jahrhundert.“

Den zweiten Satz kann man so ja durchgehen lassen, wobei sich die „gesicherten Erkenntnisse im 13. Jahrhundert“ darauf beschränken, dass eben eine Wasserburg hier stand. Von der Siedlung selbst gibt es so wenig Erkenntnisse, dass wir nicht mal wissen, ob es die Stadtkirche bzw. ein Vorgängerbau an dem Bauplatz zu dieser Zeit bereits gab oder nicht. Der erste Satz ist aber haarsträubend. Darimundastat ist eine Schreibweise, die historisch so nie vorkommt. Wenn man von der Personennamenhypothese (siehe meinen mehrteiligen Artikel über die Ursprünge Darmstadts, beginnend hier) ausgeht, wäre das i als Rekonstruktionsversuch ja noch irgendwo nachvollziehbar, weil man dann den Namen auf den germanischen Thorismund zurückführen könnte. Das a als Fugenlaut ist aber einfach nur grober Unfug.

Das will ich allerdings nicht Prof. Oppermann ankreiden, denn die Vermutung liegt nahe, dass er selbst das schon richtig gesagt hat und vielmehr das Echo sich diese vollkommen unhistorische Schreibweise zu eigen gemacht und jetzt dem armen Mann in den Mund gelegt hat. Die Schreibweise verwenden sie nämlich öfters, wie ich hier schon mal festgestellt habe. Verwirrend dagegen ist die Aussage, dass die Ursprünge der fränkischen Siedlung dunkel wären. Wenn wir sicher wüssten, dass die Siedlung von Franken gegründet wurde, würden wir ja die Ursprünge kennen und sie wären nicht mehr dunkel! Wenn die Franken Darmundestat im Zuge ihrer Besiedlungswellen gegründet haben sollten, was gäbe es da über den Ursprung sonst noch groß herauszufinden? Dann würden wir ihn kennen. Die Frage ist doch: ist es tatsächlich eine fränkische Gründung? Oder vielleicht doch eher eine alemannische, zu denen der Suffix -stat viel eher passen würde? Wurde der Ort während der Besiedlungswellen der Franken nach Unterwerfung der Alemannen gegründet oder während des fränkisch-alemannischen Konflikts in einem militärisch/strategischen Zusammenhang?  Oder gibt es eine dritte Möglichkeit? Das sind die spannenden Fragen bzgl. der Gründung Darmstadts. Wenn klar wäre, dass es eine fränkische Siedlung war, wäre dagegen auch der Ursprung klar: Teil der Neusiedlungen der fränkischen Oberschicht zur Kontrolle der unterworfenen Alemannen. Allein durch die Mittelpunktfunktion der Bessunger Kirche im Mittelalter, der auch die Darmstädter Gemeinde zugeordnet war, ist dies aber eher unwahrscheinlich.

Den Wiederaufbau beförderte Georg I., nachdem er 1567 ein Achtel von Hessen als Grafschaft geerbt hatte. Aus der Burg wurde ein Schloss, und in unmittelbarer Nähe entstanden die Stadtkirche aus Stein sowie das Rathaus.

Als Schloss wird die ehemalige Burg schon lange vor Georg I. und vor den Zerstörungen durch Sickingen und im Schmalkaldischen Krieg bezeichnet und die Stadtkirche wird bereits 1369 urkundlich erwähnt.

Der Landgraf baute für seine Beamten die Neue Vorstadt, kümmerte sich jedoch auch um Land- und Forstwirtschaft für die Bürger.

Das war die alte Vorstadt, eiderdaus!

Als Georg Moller im neunzehnten Jahrhundert die Stadt nach Westen ausbaute, hatte sich fast unbemerkt rund um den Hinkelsturm mit winkligen Gässchen und ständigen Zubauten eine idyllische Altstadt angesiedelt, die nun immer stärker verdichtet wurde.

Wenn man sich die Mühe gemacht hätte, die offenbar gezeigten Fotos auch mal anzusehen, wäre einem vielleicht aufgefallen, dass das keine idyllische Altstadt war, sondern ein heruntergekommenes, vernachlässigtes Stadtviertel, ein sozialer Brennpunkt, den selbst Niebergall in seinem Datterich nicht genauer beschreiben wollte. Und verdichten konnte man da nichts mehr, im Gegenteil mit dem Durchbruch der Landgraf-Georg-Straße hob man die zu große Verdichtung etwas auf!

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One Response to Das Echo mal wieder…

  1. Marc says:

    Beide Artikel stammen vom gleichen Kollegen, der wird die Schreibweise von sich selbst kopiert haben.

    Aber das passiert schonmal. http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Anita-Becker-tanzt-zum-Abschluss-den-Dr-Mabuse;art1231,1640747 Man merkt es schon in der Überschrift. 😉

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