Stadtgeschichte und das Echo

Wie sich einige vielleicht denken, bin ich nach dem kurzen Sommerloch jetzt in der Sommerpause ;-). Ich hab grad viel andere Dinge um die Ohren und habe auch noch keine Idee, was ich als nächstes thematisieren soll. Von daher weiß ich im Moment noch nicht, wann der nächste „richtige“ Eintrag kommt.

In der Zwischenzeit hat aber das Echo mal wieder was zu Darmstadts Geschichte gebracht: http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Im-Eiltempo-durch-Darmstadts-Geschichte;art1231,3102739. Wie üblich mit ausgeschalteter Kommentarfunktion.

Es geht da um die historische Stadtführungen im Rahmen des Stadtmarketings und da gibt es mal wieder Fehler am laufenden Band, wobei ich diese nicht unbedingt der Führerin ankreiden will. Aus Erfahrung weiß ich, dass es oft die Echo-Autoren sind, die einfach was falsch verstehen oder bei Kürzungen und Vereinfachungen Fehler erzeugen.

Dass man um den Wildhübner Darimund, der nur ein Mythos ist, wieder mal nicht herumkommt, damit hab ich ja zu leben gelernt, aber auch darüber hinaus, liest man da einige Dinge, die man doch korrigieren sollte. Da heißt es z.B. der Kaiser hätte Darmstadt „Darimundastat“ genannt, als er 1330 die Stadtrechte verlieh. Das ist Quatsch. Im Stadtrechtsprivileg vom 23. Juli 1330 wird Darmstadt schon fast modern Darmstat geschrieben. Die Form Darimundastat kommt historisch überhaupt nicht vor und wäre mit dem -a-Laut vor dem Suffix auch reichlich kurios. Vermutlich ist Darmundestat gemeint, die Schreibweise der Ersterwähnung. Mit dem Kaiser und der Stadtrechtsverleihung hat das aber herzlich wenig zu tun.

Neben dem Wildhübner Darimund, der hier als Wildhüter bezeichnet wird, wird auch noch eine zweite mögliche Erklärung für den Ortsnamen erwähnt. Demnach würden „viele Sprachwissenschaftler“ glauben, der Name wäre aus „Darre (Tor)“ und „Mund (Schutz)“ gebildet. Darre heißt aber überhaupt nicht Tor, sondern ist eine Vorrichtung zum Getreidetrocknen. Gemeint ist wahrscheinlich tar, das nach Sabais Tor heißen und von dem sich das dar in Darmundestat ableiten soll. Dass das viele Sprachwissenschaftler glauben würden, ist aber Unfug. Ganz im Gegenteil hatte Sabais diese Meinung ziemlich exklusiv.

Naja, und dass die Stadtmauer nach Fertigstellung nicht mehr gebraucht wurde, ist so auch nicht richtig. Sie war militärisch bald überholt, aber dass sie trotzdem noch einen Nutzen hatte, geht ja schon allein dadurch hervor, dass sie über mehrere Jahrhunderte  in Schuss gehalten wurde und eher der Stadterweiterung zum Opfer fiel und nicht so sehr der eigenen Nutzlosigkeit. Und dass Georg I. eine Vorstadt im Osten der Mauer baute, ist auch ein eher kreativer Umgang mit den Himmelsrichtungen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: