Der Landgraf und die Geister

Ich stecke etwas im Sommerloch und wenn ich mir die Zugriffszahlen auf das Blog ansehe, bin ich da wohl nicht der Einzige. 😉 Deshalb habe ich etwas aus meinem alten Blog hervorgeholt und veröffentliche es noch mal (etwas überarbeitet). Das ist eine meiner Lieblingsepisoden aus der Darmstädter Geschichte und deshalb auch wert noch einmal erzählt zu werden.

I know how it feels son, cause it runs in the family

Der Glaube an das Übernatürliche hatte in der landgräflichen Familie eine lange Tradition und hielt durch alle Generationen mehr oder weniger auffällig an. Landgraf Georg I. (1547-1596), der Dynastiegründer Hessen-Darmstadts und Namenspatron der Landgraf-Georg-Straße, war von der Existenz einer Hexensekte, die mit magischen Ritualen seinem Land und ihm Schaden zufügt, so überzeugt, dass weder seine Brüder noch deren Gelehrte ihn vom Gegenteil überzeugen konnten. Er selbst scheint auch magische Experimente durchgeführt zu haben oder haben zu lassen, auch wenn das nur indirekt aus den Quellen zu vermuten ist.

Landgraf Ernst Ludwig (1667-1739), ein großer Anhänger der Alchemie, soll regelmäßig Geister beschworen haben, und auch später, als aus den Landgrafen Großherzöge wurden, starb trotz Aufklärung der Aberglaube in der Fürstenfamilie nicht aus. Großherzog Ludwig I. (1753-1830), der Darmstädter Säulenheilige, beauftragte 1823 Karl Wunderlich, einen Sammler von Zauberbüchern und magischen Accessoires, ihm einen Zauberspiegel zu besorgen. Und die Schwester des letzten Großherzogs, Alix von Hessen-Darmstadt (1872-1918), durch Heirat des Zaren Nikolaus II. als Alexandra Fjodorowna letzte Zarin, beschäftigte den berühmtesten Geistheiler ihrer Zeit: Rasputin.

Der verhaltensoriginelle Ludwig IX.

Der ungekrönte König dieser schrecklich abergläubischen Familie war aber Landgraf Ludwig IX. (1719-1790). Nachdem er am 12. Dezember 1753 in Prenzlau an einer spiritistischen Sitzung teilgenommen hatte, war er der festen Überzeugung, die übrigen Teilnehmer hätten ihm vier Geister, eine Frau und drei Offiziere, „aufgebannt“. Immer wieder glaubte er, diese Geister gesehen zu haben – für den Rest seines Lebens.

Séancen waren seinerzeit nichts Ungewöhnliches. Vielmehr war es eine Modeerscheinungen und diente der Abendunterhaltung. Daher hat man in der historischen Forschung Ludwigs Geistergläubigkeit auch meist nicht sonderlich ernst genommen. Es ist nie als bedeutender Teil seines Charakters angesehen worden, sondern eher als eine kleine Skurrilität. Manchmal wurde es mit dem Hinweis auf den Zeithintergrund sogar als völlig normal hingestellt. Doch für Ludwig war es deutlich mehr als ein klein bisschen schaurige Faszination am Okkulten.

Bereits Jahre zuvor, 1744, empfand er es als merkwürdig, dass ihm kurz nach Ostern ein Hase bei Nacht auf der Straße begegnet war, so dass er etwas Übernatürliches dahinter vermutete. Später begann er Stimmen und seltsame Geräusche zu hören und einmal glaubte er Augen so groß wie Hutknöpfe durch die Luft fliegen zu sehen. Es ist offensichtlich: der Mann war nicht nur ein bisschen abergläubisch und fasziniert vom Okkulten, sondern litt massiv an Halluzinationen. Und zwar den Großteil seines Lebens hindurch.

Der Geisterglaube war Teil seiner Persönlichkeit. Und zwar in einem Maße, dass seine Umgebung es nicht ignorieren konnte. In Prenzlau beschränkte sich das noch darauf, dass sich einige seiner Offiziere einen Spaß daraus machten, scheinbar übernatürliche Begegnungen für den Erbprinzen zu inszenieren (was seinen Geisteszustand sicher nicht verbessert haben dürfte). Nachdem er nach Hessen-Darmstadt zurückgekehrt war, zog er dann aber ganz konkret Scharen von Betrügern an, die aus seinem Geisterglauben Profit schlagen wollten.

92.000 Märsche

Auch sonst war Ludwig verhaltensauffällig. In Pirmasens, einer kleinen Exklave weitab der eigentlichen Landgrafschaft, ließ er eine Garnisonsstadt aus dem Boden stampfen, obwohl die Landgrafschaft nahezu bankrott war. Riesige Exerzierhallen entstanden, die, wenn sie ihm nicht gefielen, umgehend wieder eingerissen wurden. Er ließ viel mehr Soldaten rekrutieren, als für die kleine Landgrafschaft auch nur im Entferntesten sinnvoll gewesen wäre. Große Zeit seines Lebens verbrachte er dort in Pirmasens, um diesen Soldaten beim Exerzieren zuzusehen. Man muss sich das klar machen: der Mann war der regierende Fürst eines Landes und verzog sich die meiste Zeit in ein kleines Besitztum abseits seiner Herrschaft, um dort mitten im Frieden den ganzen Tag mit seinen Soldaten zu spielen.

Aber nicht nur das, er soll dort rund 92.000 Militärmärsche selbst komponiert haben. Dass diese unsinnig hohe Zahl in vielen Publikationen übernommen wurde, ist ein schönes Beispiel für unkritisches Denken. Eine solche Masse an Kompositionen ist schlicht undenkbar. Tatsächlich existieren wohl nicht einmal 100 Märsche in den Archiven, die Ludwig zugeschrieben werden, in Wahrheit aber wohl von seinen Kapellmeistern stammen.

In einer Polemik behauptete Johann Heinrich Merck, dass der Landgraf folgendermaßen „komponierte“: mit zwei Fingern spielte er eine Idee, vermutlich nur ein kurzes Motiv, zwei Kapellmeistern vor, die dann daraus einen vollständigen Marsch zusammenstellen mussten. In seinen Tagebüchern notierte der Landgraf dagegen täglich, wieviele Märsche er an diesem Tag „fertiggestellt“ hatte. Am Ende seines Lebens sollen es exakt 92.176 gewesen sein. Wahrscheinlich klimperte er tatsächlich jeden Tag ein paar Mal auf dem Klavier herum, befahl seinen Kapellmeistern diese „Märsche“ aufzuschreiben und hielt sich dann für einen großen Komponisten, während die Kapellmeister nur einen sehr kleinen Teil tatsächlich zu Papier brachten.

Diese und noch einige andere seiner Eigenarten wurden, wenn man sie nicht ganz verschwieg, als bloße Schrullen abgetan. Dieses Verhalten passte nicht ins Bild des aufgeklärten Fürsten. Doch gerade sein Geisterglaube zeigt, dass diese „Schrullen“ ein wichtiger Bestandteil seiner Persönlichkeit waren, der völlig zu Unrecht heruntergespielt wurde.

Nächtliche Geisterjagden im Schloss

1766 kam Ludwigs Hausarzt Johann Nikolaus Held auf den Gedanken, aus der Glaubenswelt seines Chefs Kapital zu schlagen. Er überredete den hochverschuldeten Samson Simon, ein sogenannter Schutzjude aus Eberstadt, sich gegenüber Ludwig als Geisterbanner auszugeben. Ludwig war begeistert und ab Oktober 1766 führte Simon zusammen mit einem angeblich geistersehenden Bauernjungen aus Mörfelden nahezu täglich Beschwörungen im Darmstädter Schloss durch. Alten Sagen zufolge soll dort ein von einem Geist bewachter Schatz versteckt sein.

Dabei ist zu bemerken, dass 1766 noch Ludwigs Vater, Landgraf Ludwig VIII. (1691-1768), in Darmstadt residierte. Ludwig selbst verbrachte seine Zeit bereits größtenteils in Pirmasens. Der betagte Landgraf verstand sich mit seinem Sohn zwar nicht sehr gut, schien dessen Marotten jedoch unbekümmert zugelassen zu haben.

Die angeblichen Beobachtungen, die Samson Simon machte, waren meist vage. Er sah schwarze Männer und kleine Gestalten, einmal ein kleines schwarzes Skelett. Er bediente sich Klischees und alten Erzähltraditionen und war sorgfältig darauf bedacht nichts zu sagen, was konkret hätte überprüft werden können. Bemerkenswert ist jedoch, dass in der Folge immer mehr Leute Erscheinungen im Schloss hatten, darunter viele Offiziere, auf dessen Wort Ludwig großen Wert legte. Es ist unwahrscheinlich, dass sie alle in Dr. Helds und Samson Simons Inszenierung eingeweiht waren, so dass anzunehmen ist, dass sie tatsächlich glaubten, diese Erscheinungen zu haben.

Diese waren dabei oft fantasievoller als die Simons. So glaubte beispielsweise der Hauptmann von Kauffungen eine seltsame Chimäre, ein Wesen halb Hund, halb Dachs, gesehen zu haben. In einem Saal des Schlosses veranstalteten die Geister eine Parade. Auf dem Burgwall wurde eine Pyramide mit einem doppelten L auf ihrer Spitze gesichtet, außerdem schwarze und graue Männer, wandelnde Schatten und eine weiße Frau mit einem Holunderbusch auf dem Kopf. Die Macht der Suggestion entwickelte eine Eigendynamik, die jeden noch so fantasievollen Betrug in den Schatten stellte. Allerdings ließ sich aus solchen Einzelerscheinungen, die meist nur einige Sekunden dauerten, kaum Geld machen und so trat Simon in direkten Kontakt mit einer Weißen Frau.

Eine bühnenreife Inszenierung

Weiße Frauen sind ein Gespenster-Typus, der damals vor allem mit adligen Schlössern in Verbindung gebracht wurde. Oft wurden sie als verstorbene Angehörige der Adelsfamilie, der das Schloss gehörte, angesehen und galten als Zukunftsboten, die wichtige Ereignisse ankündigten. In Südhessen gab es unzählige Sagen, bei denen Weiße Frauen eine zentrale Rolle spielten, oft als Schutzgeister von Schätzen. Die Weiße Frau ist ein Erzähltopos, der von Ort zu Ort gewandert ist und sich den dortigen Begebenheiten angepasst hat. Mancherorts wurde der Geist einer bestimmten historischen Persönlichkeit zugeordnet. Es ist aber offensichtlich, dass die Erzählmotive von außerhalb kamen und wohl eher psychologische als historische Ursprünge haben.

Simon behauptete, die Weiße Frau beschworen zu haben und regelmäßig mit ihr in Kontakt zu stehen. Ludwig, der sich strikt weigerte, an irgendwelchen Beschwörungen persönlich teilzunehmen (möglicherweise, weil er seit der Séance in Prenzlau die Folgen fürchtete), gab Simon Listen mit Fragen, die er sich von dem Geist beantworten lassen sollte.

Hier kam nun der eigentliche Drahtzieher Dr. Held ins Spiel. Als Leibarzt des Erbprinzen war er exzellent informiert und konnte selbst schwierige Fragen beantworten, die Ludwig einstreute, um die Glaubwürdigkeit des Geistes zu testen. Bei Fragen, die auch Dr. Held nicht beantworten konnte, vornehmlich Fragen die Zukunft betreffend, blieb Simon möglichst vage und unverbindlich, ganz so, wie das auch heute noch Wahrsager, Kartenleger und Astrologen tun.

Bald schon scheint Simon nicht nur das Geld, das er dem künftigen Landgraf aus der Tasche leierte, im Auge gehabt zu haben, sondern trieb auch seine Späße mit der Leichtgläubigkeit Ludwigs. Anders ist es nicht zu erklären, dass er die Weiße Frau sagen ließ, Ludwig dürfe niemals allein aufs Klo gehen.

Der Höhepunkt der Inszenierung fand am 04. Dezember 1766 in der Schlosskirche statt. In Begleitung mehrerer Offiziere tat Simon auf einer schmalen Treppe so, als würde er von einer unsichtbaren Gestalt gewaltsam die Treppe hinuntergezogen werden. Den Offizieren rief er zu, sie sollten zurückbleiben und ihm nicht folgen. Als er außer Sichtweite war, klimperte er laut mit irgendwelchen metallischen Gegenständen und kehrte dann mit einer phantastischen Geschichte zurück: der Geist hätte ihn durch ein dunkles Gewölbe geführt, bis sie an einen gar wundersamen Ort kamen, in dem ein großer Löwe mit Augen aus Diamanten gelegen hätte, außerdem jede Menge Gold, das alles von einem großen und einem kleinen weißen Geist in Männergestalt bewacht wurde, aber – leider, leider – noch nicht gehoben werden durfte. Damit variierte Simon nur einige Erzählmotive aus anderen Sagen, die man sich vor allem im Odenwald und an der Bergstraße erzählte, trotzdem meldete niemand ernsthafte Zweifel an seiner Geschichte an. Im Gegenteil: weil solche Sagen im Umlauf waren, erhöhte es die Glaubwürdigkeit, verhielten sich die Geister im Schloss doch geradezu typisch.

Der Schatz von Burg Frankenstein

Nachdem Ludwig IX. 1768 Landgraf geworden war, rückte seine Geistergläubigkeit noch mehr in den Fokus. Plötzlich kamen aus allen Ecken des Landes Menschen, die ihm magische Dienste anboten. Darunter auch ein Magier aus Mannheim, der eine Maschine entwickelt hatte, die es ermöglichen sollte mit Geistern zu kommunizieren. Der Landgraf war in den zwei Jahren, die seit Simons großen Auftritt vergangen waren, über die Erfolglosigkeit des Unternehmens (der Schatz blieb unauffindbar) misstrauisch geworden. Er zweifelte jedoch nie an der Existenz der Geister, sondern nur an den Fähigkeiten der Beschwörer und so ließ er jeden Bewerber kritisch prüfen. Die meisten fielen durch. Derweil meldete Simon, der aufgrund der vielen neuen Konkurrenz wohl das Gefühl hatte, eine Schippe drauflegen zu müssen, einen Durchbruch im wahrsten Sinne.

Nahe der Burg Frankenstein hatte er sich an Grabungen beteiligt und behauptete nun, er wäre auf einen unterirdischen Gang gestoßen, der zu einem Gewölbe führe, in dem er einen Schatz vermutete. Doch – so ein Pech – der ganze Stollen war durch ein rätselhaftes Beben verschüttet worden und der Landgraf solle doch nun schnell finanzielle Mittel bereitstellen, damit Simon dieses Gewölbe wieder freischaufeln lassen kann. Der Landgraf war vorsichtig, ließ die Person, die Simon als Gewährsmann angegeben hatte (einen gewissen Götz), überprüfen und war offenbar nicht überzeugt.

Diese Grabungen nahe der Burg Frankenstein fanden übrigens tatsächlich statt. Auch hier waren alte Sagen von Schätzen in Geheimgängen unterhalb der Burg der Auslöser (genauer gesagt nicht die heutige Burg Frankenstein, sondern ein auf dem Bergkegel hinter der Beerbacher Kirche vermuteter Vorgängerbau). Auch hier handelte es sich allem Anschein nach aber nur um dieselben Erzähltopoi, denen auch die Legenden von verschollenen Schätzen etlicher anderer Burgen und Schlösser in Südhessen, einschließlich dem Darmstädter, zugrunde liegen.

Die erste dieser wilden Grabungen fand bereits 1763 statt und war sicher ganz nach dem Geschmack Ludwigs, nutzten die Schatzsucher bei ihren Grabungen doch Kristallkugeln, Zauberspiegel und Zauberflaschen. Sie fanden nichts und am Ende geschah, was geschehen musste: einer der nicht fachmännisch gegrabenen Stollen stürzte ein und verschüttete einen der Schatzgräber, der dabei ums Leben kam.

Ein zweiter Versuch, die legendären Schätze zu bergen, fand vom Spätsommer 1770 bis Pfingsten 1771 statt. In diese Zeit fällt Samson Simons Bitte nach finanzieller Unterstützung für weitere Grabungen. Jener Götz, den Simon erwähnte, war offenbar der Leiter dieser deutlich professioneller durchgeführten zweiten Grabung. Immerhin entdeckte man diesmal einige Mauerreste, was man aber keineswegs als Erfolg ansah. Der damalige Pfarrer von Nieder-Beerbach erwähnte, dass auch diesmal wieder „Spiegelseher“ und „Besprecher der Geister“ die Schatzgräber unterstützten. Es ist anzunehmen, dass Samson Simon einer von ihnen war. Später, 1787, fand noch eine dritte Grabung statt, die aber ebenso erfolglos blieb.

Die Sache fliegt auf

Während Simon versuchte, das Vertrauen des Landgrafen zurückzugewinnen, hatte dieser einen neuen Kandidaten gefunden, von dem er sich erhoffte, dass mit dessen Hilfe die Untersuchungen im Darmstädter Schloss endlich abgeschlossen werden könnten: Johann Philipp Adler, ein Tabakdosenfabrikant aus Heidelberg. Dieser vollführte eine Art schamanistisches Ritual, blies mit Hilfe einer Wurzel ein Ei in einem Glas Wasser aus und las dann aus den Strukturen, die das Eigelb im Wasser erzeugte. Dabei sah er, dass der Landgraf seit seiner Geburt von sechs Geistern, vier guten und zwei bösen, begleitet wurde.

Damit flog der Betrug natürlich sofort auf, denn der Landgraf wurde ja nur von vier Geistern belästigt, die ihm zudem in Prenzlau aufgebannt wurden und daher nicht seit der Geburt begleiteten. Der Landgraf lehnte all diese Wahrsager, Magier, Kristallkugelleser und Geisterbeschwörer also nicht ab, weil sie Unsinn erzählten, sondern weil ihr Unsinn ein anderer Unsinn als sein Unsinn war.

Wer Ludwigs Verhalten und Ansichten mit dem Zeitgeist erklärt, macht es sich zu einfach. Das nun folgende Aufdecken des Betrugs hatte nichts mit der Rationalität Ludwigs zu tun. Im Gegenteil: der Betrug flog auf, gerade weil Ludwig unabrückbar in seinem okkulten Weltbild gefangen war.

Mit dem Geständnis des Tabakdosenfabrikanten Adler stürzte alles wie ein Kartenhaus ein, denn er gab an, dass er sich mit Samson Simon abgesprochen hatte. Dass dieser ihn nicht darauf hinwies, dass der Landgraf nur von vier Geistern gequält zu werden glaubte, könnte darauf hindeuten, dass Simon Adler bewusst täuschte, um sich einen Konkurenten vom Hals schaffen. Doch der Schuss ging nach hinten los, denn der Landgraf war längst misstrauisch gegenüber Simon geworden und konfrontierte ihn mit dem Geständnis Adlers. Nach mehreren Stockhieben gestand auch Simon den Betrug und gab Doktor Held als den wahren Drahtzieher an, der ebenfalls gestand. Damit endete diese Episode.

Nach dem Schatz im Schloss suchte der Landgraf dennoch weiter und ordnete zumindest im April 1772 Grabungen an. Auch sonst gab der Landgraf offenbar weiterhin Anlass, allerlei obskure Persönlichkeiten anzuziehen. Der dreisteste Versuch, einen persönlichen Vorteil aus Ludwigs Geistergläubigkeit zu erlangen, startete am 25. Dezember 1782 Doktor Johann Ludwig Leuchsenring, Markgräflich Badischer Leibarzt und Hofrat aus Karlsruhe, also kein kleiner Gauner, sondern ein Mitglied der bürgerlichen Oberschicht. Er behauptete, der Geist von Ludwigs Mutter wäre ihm am Heiligen Abend erschienen und hätte gesagt, dass er zum Leibarzt und engsten Berater des Landgrafen werden müsste, ansonsten würde der Landgraf sterben.

Doch auch Leuchsenring hatte kein Glück. Nicht weil diese Bezahl mich oder du stirbst-Taktik zu dreist war, sondern weil seine Schilderung erneut Ludwigs Vorstellungen von Geistern widersprach. Ludwig war überzeugt, dass Geister ausschließlich unerlöste Seelen böser Menschen sind. Zu behaupten, seine Mutter gehöre dazu, war eine regelrechte Beleidigung.

Einige wenige gute Abhandlungen gibt es zu dem Thema. Wer sich für weitere Hintergründe und Details interessiert, sollte in folgenden Büchern nachschlagen:

  • Diethard Sawicki, „Geisterseherei und Schatzgraben. Landgraf Ludwig IX. in Darmstadt“ in: „Leben mit den Toten – Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland 1770 – 1900“, S. 85-99
  • Rouven Pons, „Geisterjagd in Hessen-Darmstadt 1766-1771“ in: „Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde – Neue Folge – 62. Band, 2004“
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One Response to Der Landgraf und die Geister

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