Gehört eigentlich nicht hierher, aber ich sag’s trotzdem mal…

Ich weiß, passt eigentlich nicht in dieses Blog, aber weil ich seit eben 1500 Gründe habe, bestimmte Werke von bestimmten Autoren nicht mehr zu kaufen und demnach jetzt jede Menge Zeit, ist mir grade danach den großartigen Woody Guthrie zu zitieren, der einmal in ein Liederbuch schreiben ließ:

This song is Copyrighted in U.S., under Seal of Copyright # 154085, for a period of 28 years, and anybody caught singin’ it without our permission, will be mighty good friends of ourn, cause we don’t give a dern. Publish it. Write it. Sing it. Swing to it. Yodel it. We wrote it, that’s all we wanted to do.

Damals gab’s in den USA übrigens dieselbe Debatte, lange vor Internet, ja nicht mal Fernseher hatte damals jeder. Die meisten von denen, die damals so auf das Urheberrecht pochten, kennt heute keiner mehr. Guthries Lieder dagegen werden immer noch gesungen und sind heute Teil des kulturellen Erbes.

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3 Responses to Gehört eigentlich nicht hierher, aber ich sag’s trotzdem mal…

  1. Marc says:

    Urheberrechte sind das eine, die Verwertungsrechte das andere. Was nützt mir mein Urheberrecht, wenn mir der Verwerter alle Nutzungsrechte abpressen kann? Und ich beim Weiterverkauf meiner Werke keinen Cent sehe, weil ich für immer darauf verzichtet habe/verzichten musste.

    Ich sehe einerseits ein, dass ein Kunde es gerne übersichtlich hat und nicht laufend nachfragen will, ob er ein Foto auch auf Kaffeetassen und Satelliten drucken darf. Oder dann dauern nachzahlen muss. Oder das das Urheberrecht es verhindert, ein Gebäude umzugestalten (witzigerweise darf man es abreißen), weil der Architekt nunmal Künstler ist und gefragt werden muss.

    Dafür muss dann aber die Grundhonorierung stimmen (sprich, dass man bei 8h Arbeit am Tag auch davon leben kann – so dass man deutlich über ALG II rauskommt). Das ist aber bei manchen schon jetzt nicht gesichert.

    Dann sehe ich einen Wandel zurück. Früher gab es keine Tonträger, die Musiker lebten von Mäzenen oder ihren Auftritten. Dann gab es Schallplatten etc. Plötzlich war der Markt bequemer, man konnte alleine durch Platten/CD etc.-Verkauf Geld verdienen, Liveauftritte waren nicht mehr notwendig. Heute kann jeder die Musik vervielfältigen und verteilen. Also muss man wieder ran und Konzerte geben.

    Und das erstaunliche dabei: Die Menschen kommen, auch wenn man nur Hits nachspielt. Die Foyer Tribute Night im Staatstheater ist voll. Die kostet Geld und die Bands tun so so als wären sie die Originale. Auch andere Coverbandkonzerte werden gut besucht und die Leute bezahlen. Es ist also nicht das Original, sondern der Liveeindruck, der zählt.

    Dann werden mache Dinge auch nur genutzt und gemacht, weil es geht. Keiner der 40.000 MP3s irgendwo kopierthat, hätte die sich gekauft/kaufen können.

    Wir brauchen also kein neues Urhebrrecht, sondern faire Bezahlung durch die Auftraggeber/Verwerter und einen Schutz vor Buyout-Verträgen. Nur ist das mit der Vertragsfreiheit schwierig zu lösen und wo kein Kläger da kein Richter.

    Die Künstler, die sich da in diversen Kampagnen beschweren, sind meiner Einschätzung nach die, die es nicht nötig haben. Die sind berühmt und gefragt, die locken alleine Zuschauer, Publikum und Leser. Vermutlich ist es auch bei den Verwertungsgesellschaft (GEMA, VG Wort) so, dass 20 Prozent 80 Prozent der Vergütungen bekommen – und dass obwohl sie es nicht nötig hätten, weil im Tagesgeschäft genug reinkommt. Aber die 80 Prozent Habenichste sind eine prima Rechtfertigung für deren Tun. (Und natürlich wäre man doof, wenn man auf die 100 Euro von der VG Wort verzichtet.)

    • „Wir sind die Urheber“, klingt das eigentlich nur für mich nach „Wir sind die Borg“?

      In den USA gab’s in den 80ern ja mal den schönen Rechtsstreit zwischen Saul Zaentz und John Fogerty, weil ein neues Lied von Fogerty angeblich zu ähnlich wie ein anderes von ihm klang, an dem Zaentz die Verwertungsrechte hatte.

      Das zentrale Problem, das ich habe, ist: die 1500 Schnarchnasen tun mit ihrem komischen Aufruf so, als würde es bei der Kritik am aktuellen Urheberrecht darum gehen, dass Künstler für ihre Arbeit nicht entlohnt werden sollen. Das ist Schwachsinn. Selbstverständlich soll ein Künstler entlohnt werden und da sind die allermeisten auch bereit zu.

      Und dann dieses überzogene Drohen mit dem Untergang des Abendlandes, von wegen das Urheberrecht als Errungenschaft der bürgerlichen Freiheit gegenüber der Feudalherrschaft, geht’s auch ne Nummer kleiner und weniger aufgeblasen und selbstherrlich? Ich kann mich nicht erinnern, dass Büchner sein Urheberrecht am Landboten geltend gemacht hätte, nachdem Weidig den Text veränderte.

      Um was es geht, ist, dass das Urheberrecht an vielen Punkten nicht mehr zeitgemäß ist. Wenn ein Autor stirbt, dann bleibt sein Werk noch 70 Jahre geschützt. Wenn die Erben kein Interesse oder nicht die finanziellen Möglichkeiten an einer Veröffentlichung haben oder es einen Streit darum gibt, wer denn Erbe ist, dann sind die Werke dieses Autoren für 70 Jahre faktisch nicht zu bekommen. Wo wird das Recht des Künstlers geschützt, wenn sein Werk nach seinem Tod sozusagen unter „Verschluss“ kommt? Das ist schon zynisch, weil man muss ja hoffen, dass die Leute nicht so alt geworden sind.

      Es ist wirklich zum kotzen, dass bei diesem Aufruf überhaupt nicht differenziert wird. Da werden wissenschaftliche Arbeiten, Fotos, Musik, Filme, etc. alles zusammengewürfelt und jede Kritik am Urheberrecht unter dem Aspekt geistiger Diebstahl deklariert. Es ist aber schon ein Unterschied, ob irgendwer eine CD kopiert und illegal übers Netz verbreitet oder ob Erzieher/innen in der Kita bestimmte Lieder mit den Kindern nicht singen können, weil die Kopie des Textes eine Urheberrechtsverletzung wäre.

      Und dann wird sich über Geiz und Gier beklagt, dabei wollen diese Leute doch nur, dass sie auch in Zukunft für eine einmal geleistete Arbeit immer wieder vom neuen entlohnt werden.

  2. Marc says:

    Ich mag ja Perspektivwechsel:
    Das Bergrecht ermöglicht, dass wir Grubenponys und Mulis von unserer Arbeit leben können und schützt uns alle, auch vor global agierenden Dampfmaschinenherstellern, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Grubenponys und Mulis in Kauf nimmt.
    😀

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