Sau der Woche oder: grün-schwarze Pressemitteilungen verstehen

Ich liebe ja dieses kleinbürgerliche Aufplustern, bei dem man so richtig merkt, wie der Kopf bei den Leuten gesundheitlich bedenklich rot anschwillt und man eigentlich nur denkt: entspannt Euch! So war das jetzt wieder, als nach dem 1. Mai der Herrngarten von Besuchern vollkommen zugemüllt war. Ich bin Mittwoch Morgen selbst durch den Herrngarten gekommen und, ja, schön war das wirklich nicht. Nicht so schlimm wie am Abholtag für den Gelben Sack nach einer windigen Nacht, aber es sah wirklich beschissen aus.

Anders als bei Vermüllung an vielen anderen Orten blieb das natürlich nicht unbemerkt. Entsetzte Blicke von Passanten, als hätte Al-Qaida einen Anschlag begangen, fassungsloses Kopfschütteln und eine ganze Armada von Leuten, die ihre Handys schon zum Beweisfoto gezückt hatten, als würde es ihnen sonst niemand glauben, es war klar, dass man die Sau gefunden hatte, die man diese Woche durchs Dorf treibt.

Wie gesagt: schön war das sicher nicht. Aber so wie es um die Müllbehälter herum aussah, war auch ziemlich klar, die meisten hätten ihren Müll entsorgt, wenn die Möglichkeit dazu bestanden hätte. Mit einfachsten Mitteln, größere oder mehr Müllbehälter, wäre das Problem bei Weitem nicht so groß.

Klar, man konnte es bei den immer leicht mobartigen Kommentaren auf Echo-Online lesen: sollen sie ihren Müll doch wieder mit nach Hause nehmen!

Stimmt, das wäre die korrekte Handlung. Aber was soll so ein Hinweis bringen? Genauso gut könnte man dem Kerl, der einem nachts im Park mit nem Messer auflauert, vorschlagen, er solle doch zum Jobcenter gehen statt das Geld einfach zu klauen. Mit altklugen Belehrungen ändert man das Verhalten von Niemanden.

Schließlich sah sich die grün-schwarze Koalition genötigt, eine Pressemitteilung dazu herauszugeben. Als kleinen Service möchte ich diese decodieren:

 Die Abfallbehälter in den Parkanlagen sind nicht für aufwendige Verpackungen gedacht.

Übersetzung: Bitte die Mülleimer nicht für Müll benutzen!

Oder wie soll das sonst zu verstehen sein? Aufwendige Verpackungen? In einer Meldung des Echos wird das präzisiert. Mit aufwendigen Verpackung ist gemeint … festhalten … Pizzaschachteln! Man könnte jetzt natürlich erkennen, dass die Kapazität der Müllbehälter viel zu gering ist, wenn sie schon von Pizzaschachteln überfordert sind, einfacher ist es aber eine Pizzaschachtel zu einer aufwendigen Verpackung zu erklären. Außerdem sind mir vor allem viele Pappbecher und von der Größe her ähnlicher Müll aufgefallen. Sind das auch aufwendige Verpackungen?

Zwar befürworteten die Koalitionäre die zusätzliche Aufstellung großer Mülltonnen rund um den Herrengarten, allerdings könne dies nicht die Lösung aller Entsorgungsprobleme im Öffentlichen Raum sein.

Übersetzung: Guter Vorschlag, aber Ihr könnt uns mal!

Eine intensive Nutzung und Zumüllung der städtischen Grünflächen gerade im Rahmen von Grossveranstaltungen führt auf längere Sicht dazu, dass Grünanlagen verbraucht werden, ohne dass eine Wiederherstellung des Grüns stattfinden kann.

Übersetzung: Schuld sind Schlossgrabenfest, Heinerfest und ähnliches Zeugs…

Nebenbei: jeder Veranstalter von Großveranstaltungen muss dafür Sorge tragen, dass ausreichend Müllbehälter vorhanden sind. Ich möchte mal sehen, was los wäre, wenn ein Festivalveranstalter irgendwo ein Gelände mietet und dann dort nur ein Dutzend Müllbehälter aufstellt, in denen man bestenfalls ein totes Eichhörnchen entsorgen kann. Sind dann die Besucher schuld?

Wenn irgendwo Menschen in Massen auftreten, entsteht doch tatsächlich mehr Müll? Willkommen in der Wirklichkeit!

 Wir sind froh, dass die Schilder ‚Betreten verboten‘ verschwunden sind.

Übersetzung: Wenn Ihr nicht spurt, führen wir sie wieder ein!!!

Die Koalition regt eine Bürgerversammlung im Winterhalbjahr zu diesem Thema an

Übersetzung: Lasst uns darüber reden, wenn der Park schön sauber ist und nach Schlossgraben- und Heinerfest – im wahrsten Sinne – Gras über die Sache gewachsen ist. Im Winter kümmert sich eh keiner drum und vielleicht ist nächstes Jahr zum 1. Mai ja mieses Wetter. Hauptsache wir müssen jetzt nichts unternehmen, der Kaffee ist auch alle und ich hab gleich Feierabend, am Wochenende bin ich sowieso nicht da und überhaupt war ich schon seit Jahren nicht mehr länger als 5 Minuten im Herrngarten, ich hab ein kleines Häuschen mit Vorgarten, da müllt mir keiner was rein und deswegen ist mir das sowas von schnurzpiepscheißegal, lasst mich endlich in Ruhe!

Die Verantwortung für einen schonenden Umgang mit unserem Grün liegt bei uns allen.

Übersetzung: Kümmert Euch selbst um Euren Scheiß!

Nachdem nun die grün-schwarze Koalition ne Weile gewerkelt hat, wäre es echt schön, wenn denen mal jemand sagt, dass sie gewählt worden sind, um Lösungen für Probleme zu entwickeln statt nur dumm daherzuschwätzen. Für’s Dumm-Daher-Schwätzen muss man schon in die Opposition gehen.

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