Ortsnamen

Über den Ortsnamen Darmstadt habe ich bereits in meinem Beitrag zur Entstehung des Ortes ausführlich berichtet (siehe hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4), so dass ich mir das hier spare. Statt dessen möchte ich mich einmal mit ein paar Ortsnamen in unmittelbarer Umgebung beschäftigen.

Arheilgen
Arheilgen sollte eigentlich am einfachsten zu erklären sein. In der frühesten bekannten Schreibweise, Araheiligon, ist das Wort heilig sogar noch völlig unverschliffen vorhanden. Dennoch nahm man in dem denkfaulen Wahn, alle nicht sofort völlig verständliche Ortsnamen auf Personennamen fiktiver Ortsgründer zurückführen zu müssen, an, Arheilgen wäre von einem ominösen Araheil gegründet worden. Die Behauptung scheint auf den Altgermanisten Alfred Götze zurückzugehen, der von 1925 bis 1946 an der Universität Gießen lehrte. Götze war Anhänger des Nationalsozialismus. Für Götze konnte der Name Arheilgen daher natürlich nichts mit heilig zu tun haben, das war ihm zu ungermanisch. Folglich erfand er den germanischen Ortsgründer Araheil. Was der Altgermanist, der laut Homepage der Universität Gießen zu den “führenden deutschen Lexikographen und Namensforschern” gehört, dabei geflissentlich übersah, ist, dass es den Namen Araheil überhaupt nicht gegeben hat. Die Namensdeutung war also allein von seiner völkisch-nationalen Ideologie motiviert.

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Halloween ist kein keltisches Fest

Die Tage hört man es wieder überall: Halloween ginge auf ein keltisches Fest namens Samhain zurück und wäre daher was ganz schlimm Heidnisches, das drohe, die christlichen Feste dieser Tage, den Reformationstag heute und Allerheiligen morgen, zu überlagern und zu verdrängen.

Das ist größtenteils Unsinn. Zunächst einmal: falls Halloween wirklich den Reformationstag und Allerheiligen verdrängen sollte (was meinem Eindruck nach gar nicht geschieht), sollten sich die christlichen Kirchen vielleicht erst mal fragen, warum ihre eigenen Feierlichkeiten offenbar recht unattraktiv sind statt mit dem Finger auf das böse heidnische Halloween zu zeigen. Die Zeiten, da man Leute mit der Drohung des Höllenfeuers davon abhalten konnte, Dinge zu tun, die rein intuitiv ihr Interesse wecken, sind lange vorbei.
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Datierung des Achteckhauses

Heute hat das Echo über die Neugestaltung der Freiflächen am Achteckhaus (Jazzclub) berichtet. In der Bildunterschrift wird bemerkt, dass das Haus 1627 erbaut worden sei. Als ich kürzlich einen Beitrag über die Pankratius-Vorstadt verfasst habe, war ich etwas vorsichtiger und sprach vage von einem vermutlichen Bau der 1630er-Jahren, weil mir die Quellen dazu nicht ganz eindeutig erscheinen. Ich habe den Beitrag jetzt aber trotzdem geändert und ein “vielleicht 1627″ eingefügt.

Die Datierung auf das Jahr 1627 geht auf eine Tauschurkunde zwischen Landgraf Georg II. und seinem Kanzler Dr. Antonius Wolff von Todenwarth vom 11. Oktober 1627 zurück. Dort ist von einem neuaufgebauten Haus zu Darmstadt am Aschaffenburger Tor stadteinwärts links zwischen Stadtwaage und Jägerhaus, vorne mit zwei Toren zur Gasse, hinten am Hundsgarten die Rede. Mit dem Aschaffenburger Tor (ein sonst nicht üblicher Name) kann eigentlich nur das Jägertor gemeint gewesen sein, das sich an der Ecke Alexanderstraße/Mauerstraße befand. Wo sich damals die Stadtwaage befand, ist mir grad nicht ganz klar, aber stadteinwärts links, ist für mich eigentlich die andere Straßenseite, also nicht dort, wo das Achteckhaus steht. Zudem dürfte mit dem Hundsgarten das Gelände der beiden Hundeställe des Jagdhauses gemeint gewesen sein. Auch diese dürften auf der anderen Straßenseite, also heute Richtung Erich-Ollenhauer-Promenade/Merckstraße, gelegen haben.

Fest steht, dass Wolff von Todenwarth im Besitz des Hauses war. Dieser hatte aber noch mehr Grundbesitz in der Gegend. Unter anderem verkaufte der Landgraf ihm 1632 auch den Arheilger Garten vor dem Sporertor zu Darmstadt zwischen dem Weg gen. der guthe mann und der Alten Straße nach der Bannwiese. Der Weg “der guthe mann” entspricht etwa der heutigen Lauteschlägerstraße. Mit der Bannwiese könnte die Bangertswiese gemeint sein, muss aber nicht. Dann wäre die “Alte Straße” vermutlich in etwa die heutige Pankratiusstraße. Wenn aber nicht, dann könnte das Achteckhaus auch erst nach 1632 von Todenwarth selbst erbaut worden sein.

Wiedervorlage Hindenburgstraße

Ist jetzt ja fast ein Jahr her, dass die Frage nach der Umbenennung der Hindenburgstraße von der Stavo zurückgestellt wurde. Zunächst sollte die Arbeitsgruppe Ehrengräber die Straßennamen in der Stadt “insgesamt überprüfen und herausarbeiten, ob darunter Personen sind, deren Leben oder politische Einstellung sich nicht mit den Werten einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vereinbaren lassen”. Ein paar Vorschläge zur Überprüfung hatte ich ja hier schon mal zeitnah gemacht.

Hat irgendwer irgendwas von denen gehört, dass die inzwischen irgendwas herausgefunden haben oder war es doch wieder so, wie ich schon von Anfang an geahnt habe, dass das nur gesagt wurde in der Hoffnung, dass man so die Frage nach der Hindenburgstraße wieder mal ein paar Jahre verschleppen kann (um dann auch wieder mal sagen zu können: hat ja Jahre lang keinen gestört, warum jetzt?). War eine ernstgemeinte Untersuchung wirklich jemals in Erwägung gezogen oder ging es nur darum, dass Ruhe herrscht?

Die Pankratius-Vorstadt

Neulich war ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass in meinem Überblick über die Stadtentwicklung bis 1900 die Ausführungen über die damals sogenannte Pankratius-Vorstadt (gelegentlich auch Bangertsviertel genannt), aus der sich das heutige Martinsviertel entwickelte, etwas unpräzise wären. Die Frage, die vor allem “Watzeverdler” interessieren dürfte, ist, wann genau dieses Viertel denn nun entstanden ist.
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Interview mit einem Toten

Ich bin ein bisschen auf der Suche nach Ideen für den Blog. Markus von tribur.de hat mich jetzt auf eine neue Idee gebracht. Er hatte neulich ein fiktives Interview mit Karl dem Dicken geführt. Mir gefällt die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten so auf einer etwas menschlicheren Ebene darstellen zu können. Außerdem ist es eine gänzlich andere Herangehensweise als bisher, was daher auch einen anderen Zugang an historische Personen, Ereignisse und Denkweisen gibt. Gleichzeitig modernisiert es den Sprachgebrauch und bringt einen die Personen so näher.

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Durchsuchung der Redaktion des Darmstädter Echo war rechtswidrig

Das Echo meldet gerade, dass das Landgericht Darmstadt die Durchsuchung der Redaktionsräume durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt für rechtswidrig erklärt hat. Keine überraschende Entscheidung, dass das Ganze nicht verhältnismäßig war, stand eigentlich von Anfang an außer Frage. Die widersprüchlichen Aussagen des Pressesprechers der Staatsanwaltschaft, auf die ich hier hingewiesen hatte, ließen schon damals Übles ahnen, was die Gewissenhaftigkeit von Staatsanwaltschaft und dem Richter, der die Durchsuchung genehmigte, betrifft. Wenn das Echo den Beschluss des Landgerichts jetzt aber korrekt wiedergibt, dann ist am Ende alles noch viel schlimmer gewesen als geahnt. Im Prinzip sagt der Beschluss wohl, dass weder der Richter noch die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit korrekt gemacht haben bzw. eigentlich muss man sagen grob falsch. Doch für beide hat das natürlich keine Folgen.

Statt dessen stehen zwei Folgen tatsächlich im Raum. Die eine ist sicher: die Kosten für diese Unfähigkeit übernimmt der Steuerzahler, Regress gegenüber Staatsanwälten und Richtern gibt es in der Form nicht. Die zweite ist die Interessantere: wie geht der Fall jetzt inhaltlich weiter? Was, wenn die beiden Mühltaler Beamte, die sich beleidigt gefühlt haben, jetzt dank dieses Verfahrens per Akteneinsicht den Klarnamen des Kommentators erfahren haben und nun zivilrechtlich klagen? Kann diese Person dann vielleicht das Echo in Haftung nehmen, denn das hat den Namen am Ende freiwillig herausgegeben, weil es die Beschlagnahmung ihrer Server/Rechner verhindern wollte? Wahrscheinlich nicht, aber es muss doch zu denken geben, dass eine Staatsanwaltschaft trotz Richtervorbehalt juristischen Nonsense mit eventuell hohen Folgekosten verursachen darf und dann am Ende die einzigen sind, die keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben.

Nachtrag: laut FAZ ist man bei der Staatsanwaltschaft übrigens der Meinung, dass das Landgericht “in der Sache” der Staatsanwaltschaft gefolgt wäre und schiebt die Verantwortung jetzt auf den Richter beim Amtsgericht, der den Antrag genehmigt hat. Tja, was soll man dazu noch sagen? Wenn ich von der einzigen Instanz, die mir das wirklich sagen darf, gesagt bekomme, dass ich Bockmist gebaut habe, würde ich ja mal ein bisschen zurückrudern. So verspielt man nur Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um nicht zu sagen, man macht sich in aller Öffentlichkeit lächerlich. Da entsteht dann auch Schaden an unserem Justizsystem für das dann, ja, auch wieder keiner Konsequenzen tragen muss.

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