Datierung des Achteckhauses

Heute hat das Echo über die Neugestaltung der Freiflächen am Achteckhaus (Jazzclub) berichtet. In der Bildunterschrift wird bemerkt, dass das Haus 1627 erbaut worden sei. Als ich kürzlich einen Beitrag über die Pankratius-Vorstadt verfasst habe, war ich etwas vorsichtiger und sprach vage von einem vermutlichen Bau der 1630er-Jahren, weil mir die Quellen dazu nicht ganz eindeutig erscheinen. Ich habe den Beitrag jetzt aber trotzdem geändert und ein “vielleicht 1627″ eingefügt.

Die Datierung auf das Jahr 1627 geht auf eine Tauschurkunde zwischen Landgraf Georg II. und seinem Kanzler Dr. Antonius Wolff von Todenwarth vom 11. Oktober 1627 zurück. Dort ist von einem neuaufgebauten Haus zu Darmstadt am Aschaffenburger Tor stadteinwärts links zwischen Stadtwaage und Jägerhaus, vorne mit zwei Toren zur Gasse, hinten am Hundsgarten die Rede. Mit dem Aschaffenburger Tor (ein sonst nicht üblicher Name) kann eigentlich nur das Jägertor gemeint gewesen sein, das sich an der Ecke Alexanderstraße/Mauerstraße befand. Wo sich damals die Stadtwaage befand, ist mir grad nicht ganz klar, aber stadteinwärts links, ist für mich eigentlich die andere Straßenseite, also nicht dort, wo das Achteckhaus steht. Zudem dürfte mit dem Hundsgarten das Gelände der beiden Hundeställe des Jagdhauses gemeint gewesen sein. Auch diese dürften auf der anderen Straßenseite, also heute Richtung Erich-Ollenhauer-Promenade/Merckstraße, gelegen haben.

Fest steht, dass Wolff von Todenwarth im Besitz des Hauses war. Dieser hatte aber noch mehr Grundbesitz in der Gegend. Unter anderem verkaufte der Landgraf ihm 1632 auch den Arheilger Garten vor dem Sporertor zu Darmstadt zwischen dem Weg gen. der guthe mann und der Alten Straße nach der Bannwiese. Der Weg “der guthe mann” entspricht etwa der heutigen Lauteschlägerstraße. Mit der Bannwiese könnte die Bangertswiese gemeint sein, muss aber nicht. Dann wäre die “Alte Straße” vermutlich in etwa die heutige Pankratiusstraße. Wenn aber nicht, dann könnte das Achteckhaus auch erst nach 1632 von Todenwarth selbst erbaut worden sein.

Wiedervorlage Hindenburgstraße

Ist jetzt ja fast ein Jahr her, dass die Frage nach der Umbenennung der Hindenburgstraße von der Stavo zurückgestellt wurde. Zunächst sollte die Arbeitsgruppe Ehrengräber die Straßennamen in der Stadt “insgesamt überprüfen und herausarbeiten, ob darunter Personen sind, deren Leben oder politische Einstellung sich nicht mit den Werten einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vereinbaren lassen”. Ein paar Vorschläge zur Überprüfung hatte ich ja hier schon mal zeitnah gemacht.

Hat irgendwer irgendwas von denen gehört, dass die inzwischen irgendwas herausgefunden haben oder war es doch wieder so, wie ich schon von Anfang an geahnt habe, dass das nur gesagt wurde in der Hoffnung, dass man so die Frage nach der Hindenburgstraße wieder mal ein paar Jahre verschleppen kann (um dann auch wieder mal sagen zu können: hat ja Jahre lang keinen gestört, warum jetzt?). War eine ernstgemeinte Untersuchung wirklich jemals in Erwägung gezogen oder ging es nur darum, dass Ruhe herrscht?

Die Pankratius-Vorstadt

Neulich war ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass in meinem Überblick über die Stadtentwicklung bis 1900 die Ausführungen über die damals sogenannte Pankratius-Vorstadt (gelegentlich auch Bangertsviertel genannt), aus der sich das heutige Martinsviertel entwickelte, etwas unpräzise wären. Die Frage, die vor allem “Watzeverdler” interessieren dürfte, ist, wann genau dieses Viertel denn nun entstanden ist.
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Interview mit einem Toten

Ich bin ein bisschen auf der Suche nach Ideen für den Blog. Markus von tribur.de hat mich jetzt auf eine neue Idee gebracht. Er hatte neulich ein fiktives Interview mit Karl dem Dicken geführt. Mir gefällt die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten so auf einer etwas menschlicheren Ebene darstellen zu können. Außerdem ist es eine gänzlich andere Herangehensweise als bisher, was daher auch einen anderen Zugang an historische Personen, Ereignisse und Denkweisen gibt. Gleichzeitig modernisiert es den Sprachgebrauch und bringt einen die Personen so näher.

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Durchsuchung der Redaktion des Darmstädter Echo war rechtswidrig

Das Echo meldet gerade, dass das Landgericht Darmstadt die Durchsuchung der Redaktionsräume durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt für rechtswidrig erklärt hat. Keine überraschende Entscheidung, dass das Ganze nicht verhältnismäßig war, stand eigentlich von Anfang an außer Frage. Die widersprüchlichen Aussagen des Pressesprechers der Staatsanwaltschaft, auf die ich hier hingewiesen hatte, ließen schon damals Übles ahnen, was die Gewissenhaftigkeit von Staatsanwaltschaft und dem Richter, der die Durchsuchung genehmigte, betrifft. Wenn das Echo den Beschluss des Landgerichts jetzt aber korrekt wiedergibt, dann ist am Ende alles noch viel schlimmer gewesen als geahnt. Im Prinzip sagt der Beschluss wohl, dass weder der Richter noch die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit korrekt gemacht haben bzw. eigentlich muss man sagen grob falsch. Doch für beide hat das natürlich keine Folgen.

Statt dessen stehen zwei Folgen tatsächlich im Raum. Die eine ist sicher: die Kosten für diese Unfähigkeit übernimmt der Steuerzahler, Regress gegenüber Staatsanwälten und Richtern gibt es in der Form nicht. Die zweite ist die Interessantere: wie geht der Fall jetzt inhaltlich weiter? Was, wenn die beiden Mühltaler Beamte, die sich beleidigt gefühlt haben, jetzt dank dieses Verfahrens per Akteneinsicht den Klarnamen des Kommentators erfahren haben und nun zivilrechtlich klagen? Kann diese Person dann vielleicht das Echo in Haftung nehmen, denn das hat den Namen am Ende freiwillig herausgegeben, weil es die Beschlagnahmung ihrer Server/Rechner verhindern wollte? Wahrscheinlich nicht, aber es muss doch zu denken geben, dass eine Staatsanwaltschaft trotz Richtervorbehalt juristischen Nonsense mit eventuell hohen Folgekosten verursachen darf und dann am Ende die einzigen sind, die keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben.

Nachtrag: laut FAZ ist man bei der Staatsanwaltschaft übrigens der Meinung, dass das Landgericht “in der Sache” der Staatsanwaltschaft gefolgt wäre und schiebt die Verantwortung jetzt auf den Richter beim Amtsgericht, der den Antrag genehmigt hat. Tja, was soll man dazu noch sagen? Wenn ich von der einzigen Instanz, die mir das wirklich sagen darf, gesagt bekomme, dass ich Bockmist gebaut habe, würde ich ja mal ein bisschen zurückrudern. So verspielt man nur Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um nicht zu sagen, man macht sich in aller Öffentlichkeit lächerlich. Da entsteht dann auch Schaden an unserem Justizsystem für das dann, ja, auch wieder keiner Konsequenzen tragen muss.

Die Waffen nieder

Morgen jährt sich zum 100. Mal der Beginn des 1. Weltkriegs, bzw. genauer gesagt, da das davon abhängt, welches Ereignis man als Kriegsbeginn wertet (Wikipedia nennt die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli), die Generalmobilmachung Deutschlands und die Kriegserklärung Deutschlands an Russland. Da ich, wie gesagt, eigentlich gerade Sommerpause mache, verweise ich, was Darmstadt betrifft, nur auf einen Blogeintrag, den ich vor einiger Zeit schon verfasst hatte: http://darmundestat.wordpress.com/2014/03/20/mobilmachung-1914/

In Anbetracht der aktuellen Lage in der Ukraine kann man kaum umher, ein paar Parallelen zu sehen, auch wenn ein direkter Vergleich natürlich überzogen ist. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie sehr gerade in diesem Jahr, in dem sich der Ausbruch des 1. Weltkriegs zum 100. Mal jährt, danach gerufen wird, Stärke gegenüber Russland zu zeigen. Denn genau diese Vorstellung, Stärke gegenüber Russland zeigen zu müssen, war einer der Hauptgründe für die Eskalation nach der Ermordung Franz Ferdinands. Der Krieg hätte verhindert werden können, hätten nicht alle Seiten gemeint, sie müssten unbedingt Stärke zeigen. Diese Tatsache wird von heutigen Kriegern offenbar ignoriert, angefangen bei unserem Bundesgaukler, der ausgerechnet in diesem Jahr offenbar eine Agenda verfolgt, mehr Militäreinsätze Deutschlands zu verlangen (als wenn wir, trotzdem wir bloß eine “Verteidigungsarmee” haben, nicht genug Auslandseinsätze der Bundeswehr hätten), bis hin zu Dr. Seltsam, derzeit Finanzminister (der darf alles mal), der Putin mit Hitler verglichen hat (und sich dann auch noch wundert, warum das in Russland für Empörung sorgt).

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Neue Details zu den Monstermythen auf Burg Frankenstein

Ich hatte ja gerade zugegeben, dass ich manchmal auch einfach bei Google Books recherchiere. Bevor mir einer einen Strick daraus dreht: mir sind sämtliche Schwierigkeiten dabei bewusst. Ein paar interessante Details kann man dennoch immer mal wieder dabei entdecken. Diesmal bin ich seit längerer Zeit mal wieder auf den Mythos um Burg Frankenstein zurückgekommen.

Meine Recherchen dazu hatte ich ja Ende 2011 mit einem immerhin 13-seitigen Aufsatz abgeschlossen, der Anfang 2012 auf der Internetseite des Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein veröffentlicht wurde (nachzulesen hier). Ich hatte dabei festgestellt, dass die häufige Behauptung, Mary Shelley wäre von der Burg Frankenstein zu ihrem berühmten Roman Frankenstein oder der moderne Prometheus inspiriert worden, lediglich ein moderner Mythos ist, der nach dem 2. Weltkrieg entstand, bedingt zum einen durch die Stationierung von US-Truppen nahe der Burg, die später dann auch das jährliche Halloween-Festival ins Leben riefen, und der amerikanischen Tourismusbranche, die Flüge nach Frankfurt verkaufen wollte und deshalb mit einer frei erfundenen Geschichte einen Zusammenhang zwischen der Burg Frankenstein und Shelleys Roman herstellte.

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